Fehltage, Muskel-Skelett-Erkrankungen

Fehltage durch Muskel-Skelett-Erkrankungen: Anteil liegt bei 19,8 Prozent

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 03:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forschung und Praxisberichte unterstreichen den Nutzen ganzheitlicher Prävention mit Bewegung, Verhaltensänderungen und betrieblichen Maßnahmen.
Ein leerer, ergonomischer Arbeitsplatz mit einem höhenverstellbaren Schreibtisch in einem hellen Büro. Illustration mit AI erstellt.

Fachleute diskutieren neue kooperative Zugangswege, um die Ursachen arbeitsbedingter Muskel-Skelett-Erkrankungen speziell in kleinen und mittleren Unternehmen gezielter zu identifizieren. Durch die fortschreitende Globalisierung, Flexibilisierung sowie den Wandel zur Informations- und Dienstleistungsgesellschaft haben sich die gesundheitlichen Belastungen in der Arbeitswelt spürbar verändert.

Während psychomentale und psychosoziale Anforderungen kontinuierlich zunehmen, verrichtet nach wie vor mehr als ein Viertel der Arbeitnehmer in Deutschland körperlich schwere Arbeit. Arbeitsbedingte Erkrankungen rücken damit als langfristige gesundheitliche Folge verstärkt in das Blickfeld der Prävention.

Belastungsprofile und betriebliche Gefährdungsbeurteilung

Um Belastungsschwerpunkte systematisch zu erfassen und betriebliche Präventionsaktivitäten zu lenken, entwickelte die Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA) den sogenannten „IGAcheck“. Das Instrument dient der Erstellung branchen- und berufsspezifischer Anforderungs- und Belastungsprofile.

Nach vier Jahren Praxiseinsatz zeigten Rückmeldungen aus Unternehmen jedoch, dass das Werkzeug die Erwartungen von Praktikern, etwa bei der Gefährdungsbeurteilung, nicht in vollem Umfang erfüllte. Diese Erfahrungen führten zu einer überarbeiteten Neuausgabe.

Wie unterschiedlich Betriebe mit Belastungen umgehen, verdeutlichte zudem eine Studie des Instituts Arbeit und Wirtschaft (IAW) der Universität Bremen in Kooperation mit der Arbeitnehmerkammer Bremen zur Gestaltung hybrider Arbeit.

Während in einer untersuchten Behörde psychische und physische Belastungen systematisch in die Gefährdungsbeurteilung einflossen und Homeoffice-Ausstattungen sowie Erreichbarkeitsregeln fest geregelt waren, dominierten bei einem befragten privaten IT-Dienstleister informelle Absprachen. Die Verantwortung verlagerte sich dort auf die Beschäftigten, die ergonomische Stühle und Schreibtische teilweise privat beschafften.

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Wissenschaftliche Befunde zur Wirksamkeit ergonomischer Maßnahmen

In der betrieblichen Praxis setzen viele Arbeitgeber auf ergonomische Büromöbel, angepasste Computerarbeitsplätze und Schulungen zur Körperhaltung. Die reine Optimierung der Ausstattung greift wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge jedoch oft zu kurz.

Ein aktualisiertes Cochrane-Review aus dem Jahr 2026 fand kaum Hinweise darauf, dass ergonomische Arbeitsplatzanpassungen allein Schmerzen bei arbeitsbedingten Arm-, Nacken- oder Schulterbeschwerden lindern oder krankheitsbedingte Fehlzeiten reduzieren.

Gleichzeitig belasten Muskel-Skelett-Beschwerden die Betriebe weiterhin massiv. Laut dem TK-Gesundheitsreport 2026 bleiben Rückenleiden eine der führenden Ursachen für Arbeitsausfälle.

Auswertungen der DAK beziffern den Anteil von Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen auf rund 19,8 Prozent aller Fehltage in Deutschland, bei einem Krankenstand von 5,4 Prozent und durchschnittlich 19,5 Kalendertagen Krankschreibung pro Kopf.

Internationale Zahlen der spanischen Arbeitsschutzversicherung Umivale Activa zeigen zudem, dass 95,8 Prozent der im Jahr 2025 erbrachten Gesundheitsleistungen auf traumatologische Läsionen entfielen. Zudem gingen laut amtlichen Jahresberichten in Spanien rund 30 Prozent der Arbeitsunfälle mit Ausfall auf Überanstrengung zurück.

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Verhalten und Verhältnisse: Ganzheitliche Empfehlungen

Fachleute betonen daher, dass ergonomische Möbel nur im Zusammenspiel mit Verhaltensänderungen wirken. Dr. Britta Weber vom Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) in Berlin sieht das Hauptproblem der Bildschirmarbeit vor allem in langandauerndem monotonem Sitzen.

Neben der Anpassbarkeit von Tisch und Stuhl sowie der 90-Grad-Regel als Orientierung sei ein regelmäßiger Haltungswechsel entscheidend. Höhenverstellbare Schreibtische seien empfehlenswert, könnten jedoch sportliche Betätigung nicht ersetzen. Bei sogenannten Walking Pads gebe es aus Arbeitsschutzsicht zudem Vorbehalte wegen möglicher Stolper- und Sturzgefahren.

Als Standard für Büroarbeitsplätze gelten Beleuchtungsstärken von in der Regel 500 Lux sowie eine Monitorneigung, bei der sich die Oberkante weiter vom Nutzer entfernt befindet. Grundsätzlich raten Experten zu Haltungswechseln oder Bewegungspausen alle 30 bis 60 Minuten.

Zur nachhaltigen Vorbeugung rücken neben technischen Maßnahmen auch multimodale Ansätze in den Fokus: Die Deutsche Rentenversicherung Bayern Süd stellte mit RV Fit ein Präventionsprogramm vor, das Berufstätigen bei ersten Beschwerden ein kostenfreies Angebot auf den Säulen Bewegung, Ernährung und Stressbewältigung bietet.

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