Stabiler Betrieb: FlughÀfen und Passagiere im Sommer-Stress
17.07.2023 - 06:17:12 | dpa.de
Nach ĂŒberwundener Pandemie wollen fast so viele Menschen wieder mit dem Flugzeug verreisen wie vor Corona - mit entsprechenden Folgen fĂŒr Umwelt, Infrastruktur und Flugbetrieb.
Der nahende Ferienbeginn in den bevölkerungsreichen sĂŒdlichen BundeslĂ€ndern bedeutet insbesondere fĂŒr den Flughafen Frankfurt, aber auch fĂŒr MĂŒnchen und Stuttgart absoluten Hochbetrieb. Den Auftakt machen die Hessen mit Rheinland-Pfalz und dem Saarland ab Schulschluss am Freitag (21. Juli). FlughĂ€fen wie Airlines geben sich trotz angespannter Personallage gewiss, ein Chaos wie im vorherigen Jahr vermeiden zu können.
So erklĂ€rt Frankfurts Flughafenchef Stefan Schulte bei der Vorlage der Passagierzahlen fĂŒr das erste Halbjahr: «Der im GroĂen und Ganzen ordentliche Betriebsablauf in der ersten JahreshĂ€lfte stimmt uns fĂŒr Frankfurt vorsichtig optimistisch und zeigt: Die zahlreich eingeleiteten MaĂnahmen greifen.» Dazu gehört neben einer verbesserten Zusammenarbeit vor allem ein kĂŒnstlich verknapptes Angebot. Um den Flugplan stabil zu halten, wurde in Absprache mit der Flugsicherung der Stundeneckwert der maximal möglichen Flugbewegungen abgesenkt - und soll erst im Oktober wieder auf den Ausgangswert zurĂŒckkehren.
Personal noch nicht auf Vorkrisen-Niveau
Weil auch das Personal trotz umfangreicher Rekrutierung noch nicht wieder auf dem Vorkrisen-Niveau angekommen ist, fordern die aktuellen Verkehrsspitzen das Flughafensystem stark. Erstmals seit fast vier Jahren gab es im Juni wieder drei Tage mit mehr als 200.000 Passagieren in Frankfurt. Das ist zwar noch knapp 40.000 vom Allzeitrekord aus dem Juni 2019 entfernt, aber angesichts der angespannten Situation schon eine Herausforderung.
Die Lufthansa als gröĂter Anbieter fliegt nach eigenen Angaben deutlicher stabiler und pĂŒnktlicher als im Vorjahr. FĂŒr den eigenen Betrieb habe man mehr als 1000 neue Leute eingestellt und automatisierte Prozesse vorangetrieben, berichtet Airline-Chef Jens Ritter. Auch werde besonderes Augenmerk darauf gelegt, den ersten Flug am Morgen sehr pĂŒnktlich zu starten, um nicht VerspĂ€tungen in den gesamten Umlauf zu schleppen. In MĂŒnchen wie in Frankfurt beschleunigen neuartige CT-Scanner die Passagier- und HandgepĂ€ckkontrollen, der Selbst-Check-In ĂŒber das Smartphone wird immer mehr zum Standard. Fraport organisiert zudem den Personaleinsatz an den Kontrollspuren seit Jahresbeginn selbst und damit nach eigener EinschĂ€tzung effektiver als zuvor die Bundespolizei.
Die Passagiere können selbst zu einem flĂŒssigen Ablauf beitragen, sagt Fraport-Manager Alexander Laukenmann. Digitales Check-In, GepĂ€ckabgabe schon am Vorabend oder fest buchbare Zeitfenster an den Sicherheitskontrollen sind die wichtigsten Angebote. Auch solle sich jeder informieren, was unbedingt ins HandgepĂ€ck gehört (Akkus), was separiert werden muss (FlĂŒssigkeiten, Elektronik) und was auf keinen Fall drin sein darf (Messer, Waffen).
Wer auf das Einchecken am Schalter nicht verzichten kann oder will, solle dennoch nicht zu frĂŒh zum Flughafen kommen, sagt Laukenmann. Er warnt: «Nicht frĂŒher als die 2,5 Stunden in den Terminals sein. Die Check-In-Schalter sind dann noch nicht geöffnet und Sie haben letztlich unnötige Wartezeiten, die vermeidbar wĂ€ren. FĂŒr GĂ€ste, die nur HandgepĂ€ck mitbringen, reichen zwei Stunden vor dem Abflug völlig aus.»
Weniger VerspÀtungen
So forsch war Fraport schon lange nicht mehr. TatsĂ€chlich ist das Chaos an Europas Himmel auch nach krĂ€ftigen Steigerungsraten zum Vorjahr bislang ausgeblieben. Trotz schwieriger Wetterlagen und dem zweiwöchigen GroĂmanöver «Air Defender» hat es im Juni weniger VerspĂ€tungen gegeben als im Vorjahresmonat, berichtet die europĂ€ische Flugsicherungsorganisation Eurocontrol in BrĂŒssel.
Die europĂ€ischen Lotsen lenken an einzelnen Tagen wieder fast so viele FlĂŒge durch den kriegsbedingt enger gewordenen Luftraum wie im Jahr 2019. Der Vor-Corona-Spitzenwert mit mehr als 37.000 FlĂŒgen am 28. Juni 2019 ist in diesen Tagen nur noch rund 3000 Flugbewegungen entfernt. FĂŒr den bisherigen Jahresverlauf gibt Eurocontrol eine LĂŒcke von rund 10 Prozent gegenĂŒber dem Vor-Corona-Niveau an.
Deutschland gehört wie schon im Vorjahr nicht zu den Hotspots des entgegen aller Klimabedenken wiedererstarkten Flugverkehrs. GrĂŒnde sind die auf eine gute HĂ€lfte zusammengestrichenen InlandsflĂŒge und der Umstand, dass insbesondere der Billigflieger Ryanair einen weiten Bogen um den deutschen Markt fliegt. Ihr immenses Wachstum konzentrieren die Iren auf Italien, Spanien, Polen oder auch Albanien, wo geringere Zugangskosten und GebĂŒhren locken.
Die solchermaĂen verlangsamte Aufholjagd fĂŒhrt dazu, dass der CO2-AusstoĂ des Luftverkehrs in Deutschland laut Eurocontrol noch 14,3 Prozent unter dem Wert aus dem Juli 2019 liegt. Der Branchenverband BDL sieht das Angebot an den deutschen FlughĂ€fen fĂŒr das zweite Halbjahr bei 85 Prozent des Vorkrisen-Niveaus, wĂ€hrend im ĂŒbrigen Europa die Verkehrswerte aus 2019 im Schnitt wieder vollstĂ€ndig erreicht werden.
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