ElektromobilitÀt, Verbraucher

ElektromobilitĂ€t am Kipppunkt: Vertrauen und Gebrauchtwagenmarkt entscheiden ĂŒber den Durchbruch

19.05.2026 - 07:15:00 | presseportal.de

Frankfurt am Main - Batterieelektrische Autos sind bei kaufbereiten Neuwagenkund:innen weltweit auf dem Vormarsch. Doch ob das gestiegene Interesse den Sprung in den Massenmarkt schafft, hÀngt an Vertrauen, Infrastruktur und einem funktionierenden Gebrauchtwagenmarkt - so das Ergebnis des neuen BearingPoint AttraktivitÀtsindex ElektromobilitÀt 2026. Markentreue endet dabei zunehmend mit der Kaufentscheidung.

ElektromobilitĂ€t am Kipppunkt: Vertrauen und Gebrauchtwagenmarkt entscheiden ĂŒber den Durchbruch - Foto: presseportal.de
ElektromobilitĂ€t am Kipppunkt: Vertrauen und Gebrauchtwagenmarkt entscheiden ĂŒber den Durchbruch - Foto: presseportal.de

Die globale ElektromobilitĂ€t steht an einem kritischen Wendepunkt. Batterieelektrische Fahrzeuge (BEVs) gewinnen weltweit deutlich an AttraktivitĂ€t, auch getrieben durch steigende Kraftstoffpreise und ein deutlich breiteres Modellangebot. Doch ob der Sprung in den Massenmarkt gelingt, entscheidet sich nicht allein an der Nachfrage nach Neuwagen. Zentrale Stellhebel bleiben Vertrauen, Ladeinfrastruktur und ein funktionierender Gebrauchtwagenmarkt. Das zeigt der BearingPoint AttraktivitĂ€tsindex ElektromobilitĂ€t 2026, fĂŒr den mehr als 10.000 Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland, Großbritannien, den USA, China und Indien befragt wurden.

"Die ElektromobilitĂ€t ist in vielen MĂ€rkten in der Kaufentscheidung angekommen", sagt Manuel Schuler, globaler Leiter Automotive bei BearingPoint. "Doch der Übergang in den Massenmarkt gelingt nur, wenn Unsicherheiten bei Infrastruktur, Nutzung und Wiederverkauf konsequent adressiert werden."

Kaufbereite Konsument:innen treiben den Wendepunkt - Indien als Wachstumsmarkt

Ein zentrales Ergebnis der Studie: Bei Verbraucherinnen und Verbrauchern, die innerhalb der nĂ€chsten drei Jahre eine konkrete Kaufentscheidung treffen wollen, stehen batterieelektrische Fahrzeuge in den meisten untersuchten MĂ€rkten erstmals an der Spitze der PrĂ€ferenzen. Selbst in Deutschland und Großbritannien, MĂ€rkte, in denen die Gesamtbevölkerung weiterhin zurĂŒckhaltender ist, kippt die PrĂ€ferenz zugunsten von BEVs, sobald Kaufentscheidungen konkret werden.

Indien nimmt dabei eine besondere Rolle ein: Trotz vergleichsweiser geringerer Kaufkraft ist die Offenheit gegenĂŒber ElektromobilitĂ€t hoch. Die Befragten verbinden ElektromobilitĂ€t vor allem mit Kostenaspekten und infrastrukturellen Anforderungen.

Die Studie zeigt damit klar: Die Phase der reinen Early Adopters ist in vielen MĂ€rkten ĂŒberwunden. ElektromobilitĂ€t wird zur realen Option fĂŒr den Massenmarkt, sofern die verbleibenden strukturellen HĂŒrden adressiert werden. "In der Summe spricht vieles dafĂŒr, dass wir uns dem Kipppunkt nĂ€hern. In MĂ€rkten wie China sind wir bereits darĂŒber hinaus", kommentiert Manuel Schuler.

Ohne Steckdose kein Durchbruch

Trotz technischer Reife der Fahrzeuge bleibt die Ladeinfrastruktur der grĂ¶ĂŸte Engpass, insbesondere in westlichen MĂ€rkten. Laut Studie verfĂŒgen 45 Prozent der Befragten in Deutschland, 52 Prozent in Großbritannien und 41 Prozent in den USA aktuell ĂŒber keinen verlĂ€sslichen Zugang zu Lademöglichkeiten, insbesondere im privaten oder beruflichen Umfeld. Öffentliche Ladeangebote sind zwar vorhanden, reichen allein jedoch nicht aus, um breite Nutzungsszenarien abzusichern.

"Reichweiten, Ladeleistungen und FahrzeugqualitĂ€t haben in den letzten Jahren ein sehr gutes Niveau erreicht", erklĂ€rt Schuler. "Der grĂ¶ĂŸte Hebel liegt aktuell klar bei der Infrastruktur. Solange verlĂ€ssliches Laden im Alltag nicht selbstverstĂ€ndlich ist, bleibt ZurĂŒckhaltung auf der Kundenseite, trotz wachsender Modellvielfalt."

Kaufentscheidung wird zur RisikoprĂŒfung

Die Studie identifiziert einen zentralen Vertrauenshebel fĂŒr die ElektromobilitĂ€t: persönliche Erfahrung. Noch immer geben viele Befragte an, selbst kein Elektroauto gefahren zu haben, darunter 79 Prozent in Großbritannien, 76 Prozent in den USA und 62 Prozent in Deutschland.

"Dass noch immer ein Großteil der Befragten keine eigene Erfahrung mit einem Elektroauto gemacht hat, zeigt: Probefahrten sind weit mehr als eine Marketingmaßnahme. Sie sind ein zentraler Hebel fĂŒr den Marktdurchbruch der ElektromobilitĂ€t", so Manuel Schuler. Ohne persönliche Erfahrung bleibt ElektromobilitĂ€t fĂŒr viele abstrakt und damit kaufentscheidungshemmend.

Gleichzeitig zeigt die Studie einen grundsĂ€tzlichen Wandel in der Kaufentscheidung: Der Erwerb eines Elektroautos, neu wie gebraucht, ist heute vor allem eine Risikobewertung. In allen untersuchten MĂ€rkten zĂ€hlen wahrgenommene BatteriequalitĂ€t und -lebensdauer, Reparierbarkeit, Garantieumfang sowie Fahrzeug- und IT-Sicherheit zu den wichtigsten Kaufkriterien. Preisliche Überlegungen spielen zwar ebenfalls eine Rolle, treten jedoch nie isoliert auf.

"Kaufinteressenten wĂ€gen Kosten stets im Kontext von LangzeitzuverlĂ€ssigkeit und Wartung ab. Emotionalere Faktoren wie Markenimage haben demgegenĂŒber deutlich weniger Gewicht. Eine Herausforderung fĂŒr etablierte Hersteller. Denn deren Verbrenner-MarkenstĂ€rke ĂŒbertrĂ€gt sich zwar bei der Allgemeinheit noch in großen Teilen ins E-Zeitalter, bei denjenigen mit echter Kaufabsicht allerdings wesentlich weniger", kommentiert Manuel Schuler.

Gebrauchtwagenmarkt als Nadelöhr der ElektromobilitÀt

Der grĂ¶ĂŸte strukturelle Bremsklotz fĂŒr die Massenadoption von E-Autos bleibt laut Umfrage die Infrastruktur sowie die mangelnde Erfahrung mit E-Fahrzeugen. Hinzukommt die noch mangelnde AttraktivitĂ€t des Gebrauchtwagenmarkts. Die Akzeptanz gebrauchter Elektrofahrzeuge ist in allen MĂ€rkten an enge Schwellenwerte geknĂŒpft, insbesondere an Fahrzeugalter, Laufleistung und Anzahl der Vorbesitzer:innen.

Die Studie zeigt: Bereits nach rund drei Jahren Fahrzeugalter sinkt die Kaufbereitschaft fĂŒr gebrauchte BEVs deutlich, in Deutschland und Großbritannien sogar besonders stark. Entscheidend ist dabei weniger der Preis als die Unsicherheit ĂŒber den Zustand der Batterie sowie mögliche Folgekosten. Diese Unsicherheit wiegt oft schwerer als jeder monetĂ€re Anreiz.

Viele Kaufinteressierte entscheiden sich daher bewusst fĂŒr Neufahrzeuge. Nicht aus KomfortgrĂŒnden, sondern um technische und finanzielle Unsicherheiten zu vermeiden, insbesondere in Bezug auf Batteriezustand, Garantie und Folgekosten. Der kalkulierbare Wertverlust eines Neufahrzeugs erscheint weniger riskant als die schwer einschĂ€tzbaren Risiken gebrauchter BEVs vor dem Hintergrund schnellen technologischen Fortschritts. Die Folge ist eine wachsende Kluft zwischen Neu- und Gebrauchtmarkt. In allen MĂ€rkten wĂŒrde ein transparentes Zertifikat zur Batteriegesundheit die Kaufbereitschaft gebrauchter Elektrofahrzeuge deutlich erhöhen, entscheidend ist dabei die GlaubwĂŒrdigkeit des Ausstellers.

"Ohne transparente Standards zur Batteriegesundheit, belastbare Restwertlogiken und klar definierte Zweit- und Drittverwertungsmodelle droht der Gebrauchtwagenmarkt zum Nadelöhr der ElektromobilitÀt zu werden", warnt Manuel Schuler.

MarkenattraktivitÀt: Deutsche Hersteller verlieren bei E-AutokÀufer:innen an Strahlkraft

Die MarkenattraktivitĂ€t im E-Zeitalter verschiebt sich deutlich. Zwar dominieren weiterhin heimische Hersteller ihre jeweiligen MĂ€rkte: etwa BYD in China, Tata in Indien oder Volkswagen in Deutschland. Gleichzeitig gewinnen die sĂŒdkoreanischen Marken Hyundai und Kia ĂŒber nahezu alle untersuchten LĂ€nder hinweg an AttraktivitĂ€t, da sie einen Ruf fĂŒr ausgereifte Technik, ZuverlĂ€ssigkeit und guten Gegenwert fĂŒr das investierte Geld genießen. Besonders spannend ist die Entwicklung der als BEV-native positionierten Anbieter: BYD zum Beispiel rangiert im Gesamtranking westlicher MĂ€rkte nur im Mittelfeld, gewinnt jedoch unter kĂŒnftigen ElektroautokĂ€ufer:innen stark an AttraktivitĂ€t - ein Trend, der kommende Marktanteilsverschiebungen andeutet.

"Wer sich heute ernsthaft mit dem Kauf eines Elektroautos beschÀftigt, bewertet Marken zunehmend nach harten Leistungsfaktoren und weniger nach historischer MarkenloyalitÀt", so Manuel Schuler.

FĂŒr die etablierten westlichen Automobilhersteller ergibt sich daraus ein klares Warnsignal: Zwar profitieren sie in ihrem jeweiligen Heimatmarkt weiterhin von ihrer gewachsenen Reputation, doch außerhalb ihrer HeimatmĂ€rkte werden sie von kaufbereiten BEV-Kund:innen zunehmend nicht mehr automatisch als erste Wahl wahrgenommen.

Über die Studie

Der BearingPoint AttraktivitĂ€tsindex ElektromobilitĂ€t 2026 basiert auf einer internationalen Online-Befragung von Autofahrer:innen und potenziellen AutokĂ€ufer:innen in fĂŒnf MĂ€rkten (Deutschland, USA, Großbritannien, China, Indien). Insgesamt wurden rund 10.000 Personen zwischen Ende Januar und Ende MĂ€rz 2026 befragt. Die Stichproben wurden je Land nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und anschließend entsprechend gewichtet, um reprĂ€sentative und vergleichbare Ergebnisse sicherzustellen. FĂŒr Indien gilt: Die Ergebnisse sind aufgrund der Online-Befragung reprĂ€sentativ fĂŒr die urbane Bevölkerung ab 18 Jahren.

Abgefragt wurden unter anderem Kaufabsichten (Neu- und Gebrauchtwagen), Nutzung und Ladebedingungen sowie Vertrauen in Marken und deren QualitÀtsversprechen. Der Index wird seit 2024 jÀhrlich erhoben, um die Entwicklung der AttraktivitÀt von ElektromobilitÀt aus Kundensicht zu messen und lÀnderbergreifend zu vergleichen.

Über BearingPoint

BearingPoint ist eine unabhĂ€ngige Management- und Technologieberatung mit europĂ€ischen Wurzeln und globaler Reichweite, die Unternehmen mithilfe moderner Technologien transformiert. Wir unterstĂŒtzen Unternehmen bei der Transformation, indem wir fundiertes Branchenwissen mit starken Kompetenzen in Strategie, GeschĂ€ftsprozessen, Technologie und KI kombinieren. Unsere Beraterteams arbeiten dabei in unterschiedlichsten Industrien - immer nah am Kunden. Spezialisierte SAP- und Microsoft-Einheiten, ein starker Fokus auf KI sowie ergebnisorientierte Softwarelösungen ermöglichen maßgeschneiderte, innovative Lösungen fĂŒr die Herausforderungen unserer Kunden.

Zu BearingPoints Kunden gehören viele der weltweit fĂŒhrenden Unternehmen und Organisationen. Das globale Netzwerk von BearingPoint mit mehr als 15.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstĂŒtzt Kunden in ĂŒber 70 LĂ€ndern und engagiert sich gemeinsam mit ihnen fĂŒr einen messbaren und langfristigen GeschĂ€ftserfolg.

BearingPoint gehört zu den TIME World's Best Companies und den Forbes World's Best Employers. Das Unternehmen ist zudem eine zertifizierte B Corporation, die hohe soziale und ökologische Standards erfĂŒllt.

Weitere Informationen:

Homepage: www.bearingpoint.com

LinkedIn: www.linkedin.com/company/bearingpoint

Instagram: https://www.instagram.com/bearingpoint_dach

Pressekontakt:

Alexander Bock
Global Senior Manager Communications
Tel: +49 89 540338029
E-Mail: alexander.bock@bearingpoint.com

Original-Content von: BearingPoint GmbH ĂŒbermittelt durch news aktuell

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