Europas, Banken

Europas Banken trotzen den Krisen

24.10.2023 - 07:15:00

Frankfurt am Main - Die europĂ€ischen Banken sind weiter auf Stabilisierungskurs. Robuster aufgestellt, können viele Banken den aktuellen Krisen trotzen. Dabei spielt die weitere Verbesserung der Kosteneffizienz und der EigenkapitalrentabilitĂ€t eine große Rolle. Der Trend sinkender Cost-Income-Ratio (CIR) und höherer Return on Equity (RoE) hĂ€lt weiter an und europĂ€ische Banken holen im globalen Wettbewerb weiter auf, sagt Robert Bosch, globaler Leiter Banking & Capital Markets bei BearingPoint.

Mitten im Spannungsfeld schwieriger Marktbedingungen und globaler Krisen zeigen sich die europĂ€ischen Banken insgesamt robuster als 2021. Erfolge bei der CIR und beim RoE bestĂ€tigen den Stabilisierungskurs. Verbessert hat sich die Lage auch durch das gĂŒnstigere Zinsumfeld durch die Leitzinserhöhungen der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB). Doch der Wettbewerb wird hĂ€rter und Banken sollten ihre Transformation beschleunigen, nachhaltiger werden und New Banking als GeschĂ€ftsmodell ausbauen, so die Bankenstudie der Management- und Technologieberatung BearingPoint.

CIR: Spanien und Portugal Spitzenreiter - Frankreich löst DACH-Raum als bisheriges Schlusslicht ab

Die CIR der europĂ€ischen Banken hat sich von 61,9 Prozent im Jahr 2022 auf 58,7 Prozent merklich verbessert. In 2021 lag sie noch knapp drei Prozentpunkte höher. Im Vergleich zur Zeit vor der Corona-Pandemie gab es sogar eine Verbesserung um knapp fĂŒnf Prozentpunkte auf 63,3 Prozent. Spitzenreiter bleiben weiterhin Spanien und Portugal (46,8 Prozent) und die Nordics (47,7 Prozent). Frankreich (66,8 Prozent) hingegen löst den DACH-Raum (64,2 Prozent) als bisheriges Schlusslicht ab.

RoE: Regionenvergleich zeigt klare Unterschiede - Italien und DACH-Raum stark verbessert

Italien (+11,9 Prozent), Österreich und die Schweiz (+11,0 Prozent) stechen mit einem steigenden RoE hervor. Die Verbesserung der Banken im DACH-Raum ist laut der Studie bemerkenswert, da sie neben einer starken EBT- Steigerung (+18,5 Prozent) auch die mit Abstand höchsten Wachstumsrate beim Eigenkapital (+6,8 Prozent) verzeichnet, wĂ€hrend das durchschnittliche europĂ€ische Wachstum nur bei 2,7 Prozent lag. Frankreich (-1,2 Prozent) und die Nordics (-0,9 Prozent) hingegen weisen hier einen sinkenden RoE auf.

Dr. Robert Bosch, globaler Leiter Banking & Capital Markets bei BearingPoint: "Unsere Analysen deuten darauf hin, dass die Verbesserungen eher von Ertragssteigerungen und nicht von Eigenkapitalauflösung getrieben sind. Die EigenkapitalrentabilitĂ€t liegt nicht nur deutlich ĂŒber den Werten vor und wĂ€hrend der Pandemie, sondern sogar auf dem höchsten Stand seit Beginn der Datenaufzeichnung 2013. Trotzdem liegen die europĂ€ischen Banken weiterhin hinter ihren US-amerikanischen Konkurrenten, die 2022 ĂŒber zehn Prozent Rendite erwirtschafteten. Deutschland konnte mit 5,7 Prozent die LĂŒcke zum europĂ€ischen Durchschnitt zwar weiter verringern, befindet sich bei der Eigenkapitalrendite jedoch weiterhin mit Abstand auf dem letzten Platz. Dennoch: Insgesamt zeigen die neuen Zahlen, dass viele europĂ€ische Banken den richtigen Kurs eingeschlagen haben und im globalen Wettbewerb aufholen. Das Beibehalten einzelner Maßnahmen aus der Zeit der Corona-Pandemie hat dabei einen Anteil und unterstreicht die Notwendigkeit der Transformation - mehr Digitalisierung, Effizienz und Nachhaltigkeit."

Vorsteuergewinne der Banken steigen erneut - Italien und Deutschland mit sattem Plus

2022 konnten die europĂ€ischen Banken ihren Vorsteuergewinn (EBT) um 5,4 Prozent steigern. Italien (+35,7 Prozent) und Deutschland (+23,8) stechen dabei besonders hervor, wĂ€hrend Frankreich (-9,1 Prozent), die Nordics (-4,3 Prozent) und die Benelux (-3,5 Prozent) ein sinkendes EBT aufweisen. Bei letzteren sorgen neben steigenden Personal- und Verwaltungskosten insbesondere RĂŒckstellungen in die Risikovorsorge fĂŒr ein Auffressen aller Steigerungen. WĂ€hrend in 2021 noch alle Regionen von der wirtschaftlichen Verbesserung und besonders der Auflösung von Risikovorsorge als Ertragstreiber profitieren konnten, partizipierten 2022 nicht alle am geĂ€nderten Zinsumfeld. Zudem wirken die Folgen von Ukrainekrieg, Inflation und wirtschaftlicher Rezession als starke Bremsfaktoren auf die Ertragslage noch nach.

Erfolge beim Provisionsertrag blieben aus - notwendige Erhöhung der Risikovorsorge ein Klotz am Bein

Der Anstieg bei den Provisionsmargen 2021 blieb dagegen eine Ausnahme. Vielmehr setzte sich 2022 die Erosion der Provisionsmarge (0,5 Prozent) fort, die schon in den vergangenen Jahren zu beobachten war. Eine Ursache hierfĂŒr sei der deutliche RĂŒckgang bei der Zahl der BörsengĂ€nge (IPO) in Europa. Auch die Risikovorsorge lĂ€hmt viele Banken beim Streben nach NormalitĂ€t. Vor allem der Ukrainekrieg und die wachsende Gefahr von KreditausfĂ€llen sorgten 2022 fĂŒr Unsicherheit. Demzufolge nahm der Aufwand fĂŒr die Risikovorsorge und damit der Kostendruck zu. Und in Erwartung einer Rezession haben die europĂ€ischen Banken ihre Investitionen in das Sachanlagevermögen sowie in die immateriellen Anlagewerte verlangsamt - auch dies als Teil der Risikovorsorge. Je nach BankengrĂ¶ĂŸe, GeschĂ€ftsmodellen und Kundenportfolios ergibt sich bei genauerem Hinsehen ein differenziertes Bild bei den Herausforderungen, wie die Studie zeigt.

Steigende IT- und Verwaltungskosten schmÀlern ErtrÀge

Zudem gingen auch die Ausgaben fĂŒr IT und Verwaltung in die Höhe, im Schnitt um 2,8 Prozent. Bei den Verwaltungskosten lĂ€sst sich im Jahr 2022 die Aufnahme des "Normalbetriebs" erkennen. Nach dem Stillstand wĂ€hrend der Corona-Pandemie rĂŒckten Veranstaltungen wie Messen und auch Dienstreisen wieder stĂ€rker auf die Tagesordnung. Insgesamt stiegen die Kosten um 10,3 Prozent im Vergleich zum Corona-Jahr 2020 und lagen 2022 geringfĂŒgig ĂŒber dem Niveau von vor der Pandemie.

Dr. Robert Bosch: "Der Trend der Digitalisierung hĂ€lt trotz RezessionsĂ€ngsten bei den europĂ€ischen Banken an. Die IT-Ausgaben stiegen 2022 im Schnitt um 2,8 Prozent. Die Performer unter den Banken (mit einer CIR von unter 55 Prozent) zeigten mehr Digitalisierungsinvestitionen (+9,3 Prozent), wohingegen die Laggards (mit einem CIR von ĂŒber 55 Prozent) hier einen leichten RĂŒckgang verzeichnen. Ganz offenbar werden unterschiedliche strategische Ziele verfolgt: Performer investieren stetig in ihre digitale Transformation, Laggards hingegen setzen auf ihre bestehende Infrastruktur. Dabei zeigte sich in der Vergangenheit, dass sich hohe Investitionsausgaben fĂŒr die IT-Infrastruktur auszahlen. Digitale Vorreiter wirtschafteten insgesamt effizienter, sind in Bezug auf ihre Verwaltungskosten flexibler und können sich so auch kurzfristig den Gegebenheiten besser anpassen."

Geringes Bilanzwachstum - EZB-Langzeitkredite zeigen betrÀchtliche Effekte

Regionale Unterschiede mit Blick auf Bilanzen und Kreditvolumina hingen besonders davon ab, inwieweit die Banken die EZB-Langfristkredite TLTRO II und III ausnutzten und ob sie diese vorzeitig oder zu den FĂ€lligkeiten zurĂŒckzahlten. Die TLTRO-Finanzierungen eröffneten den Banken insgesamt sehr gĂŒnstige RefinanzierungsgeschĂ€fte. WĂ€hrend 2022 die Nordics lediglich zwei Prozent der TLTRO-Finanzierungen bezogen, betrug der Anteil bei den Banken in Italien 23 Prozent. Dies ermöglichte den italienischen Banken trotz der hohen Verschuldung Italiens viele Kredite auszugeben. Ein weiterer wichtiger Faktor fĂŒr die Entwicklung des Kreditvolumens war der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der Volkswirtschaft, wo Deutschland, Finnland und Österreich ĂŒberdurchschnittlich hohe ZuwĂ€chse verzeichneten.

Harte Kernkapitalquote erstmals rĂŒcklĂ€ufig - Deutschland und Italien bilden Ausnahmen

Beim Anteil der Risikoaktiva an der Bilanzsumme (RWA-Quote), zeigen sich die Banken in Europa konstant, wobei es in den einzelnen MĂ€rkten teils betrĂ€chtliche Unterschiede gibt. Die harte Kernkapitalquote (CET1-Ratio) der europĂ€ischen Banken verschlechterte sich dagegen 2022 erstmalig seit Beginn der Datenerhebung. GegenĂŒber 2021 fiel sie von 15,9 Prozent auf 15,4 Prozent. Da auch die RWA-Portfolios in fast allen Regionen gestiegen sind, halten die Banken also insgesamt weniger Eigenkapital vor. Generell sind die RWA-Portfolios gegenĂŒber 2021 stĂ€rker gestiegen als die Bilanzsummen. Dies legt laut der Studie den Schluss nahe, dass trotz der Krisen die Risikobereitschaft europĂ€ischer Banken grundsĂ€tzlich weiterhin vorhanden ist. Ausnahmen: In Deutschland stieg die Bilanzsumme der Banken 2022 mit 4,6 Prozent stĂ€rker als die RWA-Portfolios mit 2,2 Prozent und in Italien nahmen die RWA um 6,3 Prozent ab, zugleich fiel die Bilanzsumme signifikant um 7,3 Prozent - erste Ergebnisse verschiedener Transformations- und Risikoreduktionsprogramme und ein positives Signal hin zu einem widerstandfĂ€higeren GeschĂ€ftsmodell.

Dr. Robert Bosch: "Noch profitieren die Banken vom aktuell gĂŒnstigen Zinsumfeld und steigenden Zinsmargen, doch es ist ein mit hoher Wahrscheinlichkeit temporĂ€rer Effekt. Banken sollten sich also nicht auf den Zins als dauerhaften Einnahmentreiber verlassen. Umso wichtiger ist es, dass sie die begonnenen Digitalisierungs- und Transformationsprozesse weiter vorantreiben, um die RentabilitĂ€t zu stĂ€rken. Dabei sollten sie sich konsequent in ihren KerngeschĂ€ftsfeldern bewegen. Auch der Einsatz von KĂŒnstlicher Intelligenz bietet zunehmend Potenzial fĂŒr eine effizientere Banksteuerung. Zudem sollten die Banken insgesamt nachhaltiger handeln und beispielsweise die ESG-Kriterien in die hauseigenen Steuerungs- und Reportingprozesse integrieren sowie ESG-spezifische Datenprozesse aufbauen. Und besonders das steigende Interesse an nachhaltigen Investments bietet Ertragspotenzial. Mit einer umfassenden und frĂŒhzeitigen Ausrichtung auf diese Bereiche können Banken ihre Marktposition stĂ€rken."

Über die Studie

Die diesjĂ€hrige Studie basiert auf der Analyse der JahresabschlĂŒsse von 116 europĂ€ischen Banken fĂŒr den Zeitraum der Jahre 2017 bis 2022. Alle Institute stehen unter Aufsicht der EZB oder der nationalen Aufsichtsbehörden. Zusammengenommen machten die Bilanzsummen der betrachteten Banken im Jahr 2022 rund 75 Prozent der aggregierten Bilanzsumme aller monetĂ€ren Finanzinstitute in der EuropĂ€ischen Union aus.

Die vollstĂ€ndige Studie steht hier zum Download zur VerfĂŒgung: https://ots.de/87jGck

Über BearingPoint

BearingPoint ist eine unabhĂ€ngige Management- und Technologieberatung mit europĂ€ischen Wurzeln und globaler Reichweite. Das Unternehmen agiert in drei GeschĂ€ftsbereichen: Consulting, Products und Capital. Consulting umfasst das klassische BeratungsgeschĂ€ft mit dem Dienstleistungsportfolio People & Strategy, Customer & Growth, Finance & Risk, Operations sowie Technology. Im Bereich Products bietet BearingPoint Kunden IP-basierte Managed Services fĂŒr geschĂ€ftskritische Prozesse. Capital deckt die AktivitĂ€ten im Bereich M&A, Ventures, und Investments von BearingPoint ab.

Zu BearingPoints Kunden gehören viele der weltweit fĂŒhrenden Unternehmen und Organisationen. Das globale Netzwerk von BearingPoint mit mehr als 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstĂŒtzt Kunden in ĂŒber 70 LĂ€ndern und engagiert sich gemeinsam mit ihnen fĂŒr einen messbaren und langfristigen GeschĂ€ftserfolg.

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