EuropÀische Banken als Fels in der Brandung: Institute sind resilient und investieren wieder in die Zukunft
01.07.2025 - 07:15:01In einem weiterhin schwierigen wirtschaftlichen Umfeld zeigt sich der europĂ€ische Bankensektor widerstandsfĂ€hig und zukunftsorientiert. Das geht aus der aktuellen Bankenstudie hervor, die von der Management- und Technologieberatung BearingPoint zum siebten Mal durchgefĂŒhrt wurde. Die Institute konnten laut der Studie im Vergleich zum Vorjahr ihre LiquiditĂ€t weiter stĂ€rken, ihre Nettogewinne stabilisieren oder sogar steigern - und sie investieren zunehmend in Technologien sowie nachhaltige GeschĂ€ftsmodelle. "Die Ergebnisse zeigen, dass die europĂ€ischen Banken nicht nur den heutigen Herausforderungen trotzen, sondern auch die Weichen fĂŒr die Zukunft stellen", erklĂ€rt Dr. Robert Bosch, Partner und globaler Leiter Banking & Capital Markets bei BearingPoint. "Das ist ein positives Signal fĂŒr die gesamte europĂ€ische Wirtschaft", so Dr. Bosch.
Mehr Kapital, höhere Gewinne, stabile ErtrÀge
Der leichte Anstieg der durchschnittlichen Gesamtkapitalquote zeigt die gestÀrkte WiderstandsfÀhigkeit des Sektors. Sie liegt im Jahr 2024 bei 23,5 Prozent - und steigt damit das dritte Jahr in Folge (2023: 23 Prozent, 2022: 22 Prozent). Ein besonders starkes Signal ist, dass die Institute ihr Eigenkapital stÀrken konnten - durch Vorjahresgewinne war ein Anstieg um 4,7 Prozent im Jahr 2024 möglich. Deutschland (+15,4 Prozent) und die MittelmeerlÀnder (+11,7 Prozent) stechen besonders hervor.
Auch die Ertragslage bleibt stabil: Viele Banken konnten ihre Nettogewinne trotz gestiegener Kosten halten oder sogar ausbauen. Vor allem das ProvisionsgeschĂ€ft entwickelt sich positiv und wird zunehmend zur tragenden SĂ€ule der ProfitabilitĂ€t - und ergĂ€nzt so die Hauptertragsquelle der Banken, den ZinsĂŒberschuss.
Starke LiquiditÀtslage und stabile Gewinne zeigen Stressresilienz
Die BearingPoint-Studie zeigt, dass die Banken ihre LiquiditĂ€tskennzahlen weiter verbessern konnten. Die durchschnittliche Liquidity Coverage Ratio (LCR) stieg auf 230 Prozent - ein Beleg fĂŒr die StabilitĂ€t des Sektors. AuffĂ€llig ist dabei der Unterschied zwischen groĂen und kleinen Banken: WĂ€hrend GroĂbanken mit einer LCR von 167 Prozent operieren, zeigen kleinere Institute konservativere AnsĂ€tze mit Werten von bis zu 270 Prozent. Auch strukturell gelingt es den Banken, stabile Refinanzierungsquellen zu nutzen. Die Net Stable Funding Ratio (NSFR) lag im Jahr 2024 bei durchschnittlich 146 Prozent und steigt damit - wie auch die LCR - das dritte Jahr in Folge (2023: 144,5 Prozent, 2022: 143,9 Prozent).
Investitionen und Innovationen
Nach Jahren der Kosteneinsparungen und Effizienzsteigerungen, die durch die Niedrigzinsphase notwendig waren, investieren Banken wieder verstĂ€rkt - beispielsweise in ihre IT-Infrastruktur. Besonders bemerkenswert ist der Einsatz von KĂŒnstlicher Intelligenz (KI), wie ein Beispiel der Deutschen Bank zeigt: Ihr KI-gestĂŒtztes System zur Betrugserkennung erreicht eine Genauigkeit von 97 Prozent und konnte die Bearbeitungszeit von Dokumenten um 40 Prozent reduzieren. Die sogenannte Agentic AI ist generell eine zentrale Entwicklung im Bereich der KĂŒnstlichen Intelligenz. Sie handelt autonom innerhalb definierter Parameter. Prognosen zeigen, dass bis 2030 ein erheblicher Anteil der Finanzinteraktionen in entwickelten Volkswirtschaften durch agentengesteuerte Systeme erfolgen wird. Diese Agenten sind in der Lage, komplexe finanzielle Entscheidungen zu treffen, Risiken zu bewerten und individuelle Finanzstrategien zu entwickeln.
Nachhaltigkeit als strategischer Vorteil
Ein weiteres Signal fĂŒr Wandel in der Branche ist die zunehmende Bedeutung von Nachhaltigkeit. Die Green Asset Ratio (GAR), die seit zwei Jahren offengelegt wird, zeigt: Nachhaltigkeit ist lĂ€ngst kein Randthema mehr. GröĂere Banken weisen tendenziell höhere Werte auf, was auf ihre stĂ€rkeren Ressourcen und den Druck von Investoren zurĂŒckzufĂŒhren ist. Allerdings lassen sich die Nachhaltigkeitsleistungen eines Finanzinstituts mit dem GAR nur begrenzt abbilden. "Nachhaltigkeit ist nicht nur ein regulatorisches Muss, sondern auch ein strategischer Vorteil", betont Alexander Beck, Partner bei BearingPoint und Co-Autor der Studie "Banken, die ESG-Risiken aktiv managen und nachhaltige Finanzierungen fördern, positionieren sich fĂŒr die Zukunft."
Cost Income Ratio steigt
Die Bankenstudie 2025 von BearingPoint zeigt jedoch auch weniger erfreuliche Entwicklungen in der Branche auf: So hat sich die Cost Income Ratio (CIR) - der Gradmesser fĂŒr die ProfitabilitĂ€t - erhöht und damit verschlechtert: Im Jahr 2024 stieg die CIR in Europa nach der signifikanten Reduzierung im Vorjahr wieder leicht auf 53,5 Prozent (+0,8 Prozentpunkte) an. Haupttreiber sind gestiegene Personal- und IT-Kosten.
Europaweit mehr "faule Kredite", Deutsche Banken kÀmpfen mit Unternehmensinsolvenzen
Dass Banken nach wie vor mit Krisen am Markt zu kĂ€mpfen haben, zeigt die leichte Erhöhung der "faulen Kredite", der NPL-Quote (Non-Performing Loans) europĂ€ischer Banken (+1,1 Prozent gegenĂŒber 2023). Deutschland verzeichnet mit einem Anstieg von 24,9 Prozent das deutlichste NPL-Wachstum in Europa. Hauptursache hierfĂŒr sind die stark gestiegene Anzahl an Unternehmensinsolvenzen sowie die massiven Wertverluste und steigenden KreditausfĂ€lle im gewerblichen Immobiliensektor.
Deutsche Banken liegen zurĂŒck bei ProfitabilitĂ€t und Investitionen
Institute in Deutschland stehen vor weiteren spezifischen Herausforderungen: WĂ€hrend sie ihre LiquiditĂ€tskennzahlen weiter stĂ€rken konnten, bleibt die ProfitabilitĂ€t im europĂ€ischen Vergleich unterdurchschnittlich. Besonders die lĂ€ngerfristige Zinsbindung im FinanzierungsgeschĂ€ft sorgt dafĂŒr, dass die positiven Effekte des gestiegenen Zinsniveaus langsamer durchschlagen. Gleichzeitig hinken deutsche Institute bei den IT-Investitionen hinterher.
Regulatorische Herausforderungen und Wirtschaftskrisen
Neue regulatorische Anforderungen wie DORA (Digital Operational Resilience Act) und CRR III sind nach Jahren der Vorbereitung nun in die Umsetzung gegangen - und stellen die Branche in ganz Europa vor Herausforderungen.
Alexander Beck kommentiert: "In einer Welt steigender Anforderungen an Kapital, Nachhaltigkeit und Technologie stellt sich eine entscheidende Frage: Werden Europas Banken die Regulierungsagenda aktiv gestalten oder von ihr gestaltet werden? Bisher zeigt sich am Markt: Kleine Finanzunternehmen mussten noch Anforderungen aus bestehenden Regulierungen nachholen, wĂ€hrend gröĂere Unternehmen, insbesondere mit Gruppenstrukturen, vor Herausforderungen im konzernweiten Management ihrer IKT-Drittdienstleister stehen."
Zudem sorgen makroökonomische Unsicherheiten und geopolitische Krisen fĂŒr einen Anstieg der risikogewichteten Aktiva (RWA) und der Risikovorsorge. Die europĂ€ischen Banken verzeichneten 2024 einen moderaten Anstieg um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Anhaltende Unsicherheiten (Ukraine-Russland Konflikt, Handelskrieg USA-China) lassen den Banken noch keinen Spielraum, Risiken aus ihren Bilanzen zu kĂŒrzen - es lĂ€sst sich jedoch bereits eine erste Erholung feststellen (Anstieg RWAs von 2022 auf 2023 noch bei 4,3 Prozent).
Dr. Robert Bosch resĂŒmiert: "Unsere Analyse zeigt: Der europĂ€ische Bankensektor ist bei konstanten Bilanzsummen und trotz geopolitischer Unsicherheiten bemerkenswert widerstandsfĂ€hig. Die Institute stĂ€rken ihre Kapitalbasis, investieren gezielt in Zukunftstechnologien wie KI und Cloud und steigern ihre ErtrĂ€ge ĂŒber das ProvisionsgeschĂ€ft. Gleichzeitig sichern höhere LiquiditĂ€tskennzahlen die Stressresistenz. Doch steigende IT- und Personalkosten sowie wachsende Risiken durch Insolvenzen und NPLs fordern klare strategische Antworten - insbesondere von deutschen Banken."
Ăber die Studie
Die BearingPoint Bankenstudie 2025 basiert auf der Analyse der JahresabschlĂŒsse von 163 europĂ€ischen Banken der letzten drei Jahre (Zeitraum 2022 bis 2024). Alle Institute stehen unter Aufsicht der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) oder einer nationalen Aufsichtsbehörde. Insgesamt machte die aggregierte Bilanzsumme der betrachteten Banken im Jahr 2024 rund 40 Billionen Euro aus und umfasst dabei Finanzinstitute in der Eurozone sowie in weiteren Mitgliedsstaaten der EU und Nicht-EU-LĂ€ndern wie GroĂbritannien, Schweiz und Norwegen. Die vollstĂ€ndige Studie steht ab sofort hier zur VerfĂŒgung: https://ots.de/e9kJ2Y
Ăber BearingPoint
BearingPoint ist eine unabhĂ€ngige Management- und Technologieberatung mit europĂ€ischen Wurzeln und globaler Reichweite. Das Unternehmen agiert in drei GeschĂ€ftsbereichen: Consulting, Products und Capital. Consulting umfasst das klassische BeratungsgeschĂ€ft mit dem Dienstleistungsportfolio People & Strategy, Customer & Growth, Finance & Risk, Operations sowie Technology. Im Bereich Products bietet BearingPoint Kunden IP-basierte Managed Services fĂŒr geschĂ€ftskritische Prozesse. Capital deckt die AktivitĂ€ten im Bereich M&A, Ventures, und Investments von BearingPoint ab. DarĂŒber hinaus konzentriert sich BearingPoint im Rahmen des Joint Ventures Arcwide auf GeschĂ€ftstransformation sowie Beratung basierend auf IFS-Technologie.
Zu BearingPoints Kunden gehören viele der weltweit fĂŒhrenden Unternehmen und Organisationen. Das globale Netzwerk von BearingPoint mit mehr als 10.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstĂŒtzt Kunden in ĂŒber 70 LĂ€ndern und engagiert sich gemeinsam mit ihnen fĂŒr einen messbaren und langfristigen GeschĂ€ftserfolg.
BearingPoint ist eine zertifizierte B Corporation, die hohe soziale und ökologische Standards erfĂŒllt.
Weitere Informationen:
Homepage: www.bearingpoint.com
LinkedIn: www.linkedin.com/company/bearingpoint
Pressekontakt:
Alexander Bock
Global Senior Manager Communications
Tel: +49 89 540338029
E-Mail: [email protected]
Original-Content von: BearingPoint GmbH ĂŒbermittelt durch news aktuell


