Bilanz der chemisch-pharmazeutischen Industrie 2024 / Kein Ende der Durststrecke
13.12.2024 - 10:57:18 | presseportal.de
Produktion hinkt Niveau der vergangenen Jahre hinterher
2024 verbuchte die Produktion der chemisch-pharmazeutischen Industrie ein Plus von 2 Prozent - das ist weniger, als sich die Branche nach dem positiven Jahresbeginn erhofft hatte. Insgesamt liegt der Output weit unter dem Niveau der vergangenen Jahre: Die Produktion der chemisch-pharmazeutischen Industrie fiel 2024 rund 16 Prozent niedriger aus als 2018, die Chemie verzeichnete ein Minus von 17 Prozent.
AuftrĂ€ge waren Mangelware in diesem Jahr - und sie fehlen weiterhin. Die Produktionsanlagen wurden 2024 im Schnitt nur zu 75 Prozent ausgelastet. Seit nunmehr vier Jahren in Folge liegt die Chemie- und Pharmabranche damit deutlich unter dem notwendigen Grundwert fĂŒr einen rentablen Betrieb. Als Konsequenz wurden in den vergangenen Monaten erste Anlagen dauerhaft geschlossen. Weitere Stilllegungen werden wohl folgen.
Die Produktion chemischer Grundstoffe konnte in diesem Jahr um rund 8 Prozent gesteigert werden. Jubel ist in diesem Zusammenhang verfehlt: Die Grundstoffproduktion wurde in den Vorjahren um mehr als ein Viertel zurĂŒckgefahren. Dies gilt auch fĂŒr Polymere und Konsumchemikalien, deren Produktionszahlen sich 2024 etwas langsamer erholten, um 4 beziehungsweise 2 Prozent. Bereits zum dritten Mal in Folge gab es einen ProduktionsrĂŒckgang bei den Herstellern der Spezialchemie - in diesem Jahr lag er bei 2 Prozent.
Die Pharmaproduktion meldet fĂŒr 2024 ein Minus von 1,5 Prozent. Verantwortlich dafĂŒr waren Lieferkettenprobleme, KapazitĂ€tsengpĂ€sse und hohe Kosten am Standort Deutschland. On top kam ein deutlicher RĂŒckgang der Bestellungen aus Europa und den USA hinzu.
Chemie und Pharma erwirtschafteten in diesem Jahr einen Umsatz von 221 Milliarden Euro (-2 Prozent). Das Minus im AuslandsgeschĂ€ft (139 Milliarden Euro) belĂ€uft sich auf 1 Prozent, die VerkĂ€ufe in Deutschland (82 Milliarden Euro) sanken um 4 Prozent. RĂŒcklĂ€ufige Preise haben das Umsatzminus verstĂ€rkt. Im Schnitt waren Chemikalien 2,5 Prozent gĂŒnstiger als im Vorjahr.
Ausblick auf 2025
Der VCI erwartet fĂŒr das nĂ€chste Jahr ein geringes Produktionsplus von 0,5 Prozent. Pharma wird voraussichtlich ein leichtes Plus (0,5 Prozent) erzielen, der Chemiebereich stagnieren. Der Branchenumsatz wird wegen hoher Erzeugerpreise und niedrigem Auftragsbestand erlahmen (0 Prozent). Die Branchenpreise könnten leicht sinken (-0,5 Prozent).
Die VCI-Mitgliedsunternehmen zeigen sich in einer aktuellen reprĂ€sentativen Mitgliederbefragung gespalten: Die Zuversichtlichen erwarten fĂŒr den Sommer oder Herbst 2025 einen AufwĂ€rtstrend. Jedes zweite Unternehmen rechnet aber erst 2026 oder spĂ€ter mit einer Erholung der Nachfrage.
Mehr WettbewerbsfÀhigkeit und Investitionen erforderlich
Deutschland fĂ€llt in puncto Dynamik im internationalen Vergleich weiter zurĂŒck - sowohl in der Gesamtwirtschaft als auch in der Industrie und in der Chemie. Laut SachverstĂ€ndigenrat liegt das Potenzialwachstum der Wirtschaft bei 0,4 Prozent pro Jahr. Grund dafĂŒr ist die mangelnde WettbewerbsfĂ€higkeit, die unter hohen Produktionskosten und einer wachsenden BĂŒrokratie leidet.
Steilemann betont: "Die Politik redet zwar von BĂŒrokratieentlastung. In der RealitĂ€t verstrickt sie uns aber in immer mehr kleinkarierte Regulierungen. Daran ist aber nicht allein die Bundesregierung schuld. Das Epizentrum der BĂŒrokratie ist BrĂŒssel. Die Kommission reguliert Europa in den Stillstand." Um wieder wettbewerbsfĂ€hig zu werden, mĂŒssten deutsche Chemie- und Pharmaunternehmen ihre ProduktivitĂ€t, Effizienz und EffektivitĂ€t um 10 bis 30 Prozent steigern. Das hat kĂŒrzlich die Unternehmensberatung Boston Consulting in einer vom VCI in Auftrag gegebenen Studie analysiert.
Innovationen und Investitionen sind nötig, um wieder auf die Erfolgsspur zu kommen. Die aktuelle Lage und fehlende Perspektiven fĂŒhren aber dazu, dass Investitionsprojekte zum Teil auf Eis gelegt und Innovationsbudgets gekĂŒrzt werden. Im Branchendurchschnitt fahren VCI-Mitglieder diese Budgets gerade in Deutschland herunter. Im Gegenzug nehmen Investments im Ausland (USA, Asien und Europa) bei knapp der HĂ€lfte der VCI-Mitglieder zu.
2025 muss einen wirtschaftspolitischen Aufbruch bringen
Es gibt viel zu tun. Markus Steilemann fordert in diesem Kontext: "Berlin und BrĂŒssel mĂŒssen ĂŒberzeugende Antworten fĂŒr eine Reihe von dringenden Herausforderungen finden. Es gilt, grĂŒne Transformation und wirtschaftlichen Erfolg in Einklang zu bringen."
Die Voraussetzungen fĂŒr einen wirtschaftspolitischen Befreiungsschlag sind gut: Im Februar finden in Deutschland Neuwahlen statt. Die EU-Kommission will die WettbewerbsfĂ€higkeit ihrer Mitglieder stĂ€rken. Der VCI-PrĂ€sident appelliert deshalb an die Politik: "Machen wir 2025 zum Jahr der Wirtschaftswende. Chemie und Pharma sind bereit fĂŒr den Aufbruch."
Mit folgenden Forderungen wendet sich der VCI an die kommende Bundesregierung:
Fotos von der Pressekonferenz finden Sie ab 12:30 Uhr unter folgendem Link: https://vci.canto.de/v/VCIJahrespressekonferenz2024
Der VCI und seine FachverbĂ€nde vertreten die Interessen von rund 2.300 Unternehmen aus der chemisch-pharmazeutischen Industrie und chemienaher Wirtschaftszweige gegenĂŒber Politik, Behörden, anderen Bereichen der Wirtschaft, der Wissenschaft und den Medien. 2023 setzten die Mitgliedsunternehmen des VCI rund 245 Milliarden Euro um und beschĂ€ftigten ĂŒber 560.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
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