Frauen leisten weiter deutlich mehr unbezahlte Arbeit als MĂ€nner
28.02.2024 - 10:41:56Unbezahlte Arbeit setzt sich dabei aus "Sorgearbeit" in der HaushaltsfĂŒhrung, Kinderbetreuung und der Pflege von Angehörigen, aber auch freiwilligem und ehrenamtlichem Engagement sowie der UnterstĂŒtzung haushaltsfremder Personen zusammen. Bei der vorausgegangenen ZVE 2012/2013 hatte der "Gender Care Gap" noch bei 52,4 Prozent gelegen. "Die LĂŒcke zwischen Frauen und MĂ€nnern bei der unbezahlten Arbeit wurde im Zeitvergleich kleiner, sie ist aber nach wie vor betrĂ€chtlich", sagte Destatis-PrĂ€sidentin Ruth Brand. "Dabei hat sich die Zeit, die Frauen wöchentlich mit unbezahlter Arbeit verbringen, im Zehnjahresvergleich sogar um knapp 20 Minuten erhöht. Allerdings stieg der Zeitaufwand bei den MĂ€nnern noch stĂ€rker, nĂ€mlich um gut eine Stunde und 20 Minuten." Insgesamt verbringen Frauen nach den Ergebnissen der ZVE 2022 durchschnittlich knapp 30 Stunden und MĂ€nner knapp 21 Stunden pro Woche mit unbezahlter Arbeit. Fast die HĂ€lfte der unbezahlten Arbeit setzt sich bei Frauen aus TĂ€tigkeiten der klassischen Hausarbeit wie Kochen, Putzen und WĂ€sche waschen zusammen. Fast zwei Stunden pro Tag oder mehr als 13 Stunden pro Woche wenden Frauen im Durchschnitt fĂŒr diese TĂ€tigkeiten auf. MĂ€nner verbringen mit weniger als eine Stunde pro Tag und knapp 6,5 Stunden pro Woche nur halb so viel Zeit damit. Auch mit der Betreuung, Pflege und UnterstĂŒtzung von Kindern und erwachsenen Haushaltsmitgliedern verbringen Frauen fast doppelt so viel Zeit wie MĂ€nner: Pro Woche wenden sie hierfĂŒr mehr als 3,5 Stunden auf, MĂ€nner nur knapp zwei Stunden. Mit Einkaufen und Haushaltsorganisation verbringen Frauen fast fĂŒnf Stunden pro Woche, MĂ€nner knapp vier Stunden. FĂŒr die weiteren Bereiche der unbezahlten Arbeit wie handwerkliche TĂ€tigkeiten, ehrenamtliches und freiwilliges Engagement sowie die UnterstĂŒtzung anderer Haushalte wenden Frauen gut fĂŒnf Stunden und MĂ€nner knapp sechs Stunden pro Woche auf. Wenn bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammen betrachtet werden, arbeiteten Frauen im Jahr 2022 mit durchschnittlich fast 45,5 Stunden pro Woche mehr als MĂ€nner, die im Schnitt knapp 44 Stunden arbeiteten. Auch zehn Jahre zuvor haben Frauen mehr gearbeitet als MĂ€nner: Allerdings vergröĂerte sich der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Im Jahr 2022 arbeiteten Frauen rund 1,5 Stunden mehr als MĂ€nner, 2012/2013 hatte der Unterschied nur etwa eine Stunde betragen. Der Umfang an insgesamt geleisteter Arbeit von Erwachsenen im Erwerbsalter von 18 bis 64 Jahren unterscheidet sich je nachdem, ob sie in einem Haushalt mit oder ohne Kinder leben. Betrachtet man Haushalte mit Kindern - also sowohl Haushalte von Alleinerziehenden als auch von Paaren mit Kindern - zeigt sich, dass die Elternteile im Schnitt 57 Stunden pro Woche arbeiten. Damit leisten VĂ€ter und MĂŒtter etwa elf Stunden mehr Arbeit als 18- bis 64-jĂ€hrige Erwachsene, die in einem Haushalt ohne Kinder leben. Der Umfang der bezahlten Arbeit von 18- bis 64-jĂ€hrigen Frauen mit Kindern im eigenen Haushalt hĂ€ngt stark vom Alter des jĂŒngsten Kindes ab: MĂŒtter von Kindern unter sechs Jahren leisten pro Woche durchschnittlich rund 13 Stunden und damit 9,5 Stunden weniger Erwerbsarbeit pro Woche als Frauen ohne Kinder im Haushalt. Dieser Abstand ist gegenĂŒber 2012/2013 um eine Stunde kleiner geworden. MĂŒtter mit Kindern im Alter von sechs bis 17 Jahren im Haushalt gehen demgegenĂŒber im Schnitt rund 21,5 Stunden und damit nur eine Stunde weniger bezahlter Arbeit nach als Frauen ohne Kinder. Der Abstand hat sich hier gegenĂŒber der ZVE 2012/2013 um 3,5 Stunden verringert. Insgesamt verbringen MĂŒtter mit Kindern unter 18 Jahren nach den Ergebnissen der ZVE 2022 durchschnittlich gut 17,5 Stunden pro Woche mit bezahlter Arbeit. Bei MĂ€nnern mit minderjĂ€hrigen Kindern im eigenen Haushalt liegt der Umfang der Erwerbsarbeit dagegen unabhĂ€ngig vom Alter des jĂŒngsten Kindes bei durchschnittlich rund 32 Stunden pro Woche, so das Bundesamt. Damit leisten 18- bis 64-jĂ€hrige VĂ€ter pro Woche 4,5 Stunden mehr Erwerbsarbeit als 18- bis 64-jĂ€hrige MĂ€nner ohne Kinder. Die Ergebnisse zeigen: Die Kinderbetreuung und HaushaltsfĂŒhrung wird in Deutschland nach wie vor verstĂ€rkt von Frauen ĂŒbernommen. WĂ€hrend VĂ€ter mehr Erwerbsarbeit leisten als MĂ€nner ohne Kinder und ihre mit Erwerbsarbeit verbrachte Zeit unabhĂ€ngig vom Alter der Kinder hoch ist, leisten die MĂŒtter von Kindern unter sechs Jahren nicht einmal halb so viel Erwerbsarbeit wie die VĂ€ter. Diese Rollenaufteilung, bei der MĂŒtter sich vorrangig um den Haushalt und die Kinder kĂŒmmern und VĂ€ter die HaupterwerbstĂ€tigen sind, hat sich im Vergleich zu 2012/2013 kaum verĂ€ndert. Gefragt nach ihrem Zeitempfinden schĂ€tzt jede vierte erwerbstĂ€tige Mutter (24,1 Prozent) die fĂŒr Erwerbsarbeit zur VerfĂŒgung stehende Zeit als zu knapp bemessen ein. Zugleich findet jeder vierte erwerbstĂ€tige Vater (25,5 Prozent), dass er zu viel Zeit mit Erwerbsarbeit verbringt. DemgegenĂŒber gibt nur jede siebte erwerbstĂ€tige Mutter (15,1 Prozent) an, dass ihre ErwerbstĂ€tigkeit zu viel Zeit beansprucht, und nur jeder sechste erwerbstĂ€tige Vater (17,6 Prozent) findet, dass ihm zu wenig Zeit fĂŒr ErwerbstĂ€tigkeit zur VerfĂŒgung steht.


