Frauen in Führungspositionen, Arbeitsmarkt Deutschland

Frauen in Führungspositionen: Deutschland liegt bei 30,3 Prozent

Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 10:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
In Deutschland arbeiten fast ebenso viele Frauen wie Männer, doch in Leitungspositionen bleiben sie deutlich seltener vertreten. Der Abstand zum EU-Durchschnitt ist im vergangenen Jahrzehnt größer geworden.

Frauenanteil in Regierung und Erwerbsarbeit

  • 2025 waren 47,1 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland Frauen.
  • Österreich erreichte bei weiblichen Führungskräften 37,2 Prozent.
  • Im dritten Quartal 2026 betrug der Frauenanteil in der deutschen Regierung 42,6 Prozent.
Weniger als ein Drittel der Führungspositionen in Deutschland sind weiblich besetzt. (Illustration) - Bild: Jan-Philipp Strobel/dpa

Deutschland bleibt bei Frauen in Führungspositionen zurück

Frauen besetzten 2025 in Deutschland 30,3 Prozent der Führungspositionen und lagen damit deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 35,9 Prozent. Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden teilte mit, dass der Anteil weiblicher Führungskräfte hierzulande binnen zehn Jahren nur um 1,0 Prozentpunkte gestiegen ist.

Schweden führt den EU-Vergleich an

Den höchsten Frauenanteil in Führungspositionen verzeichnete 2025 Schweden mit 44,4 Prozent. Dahinter folgten Lettland mit 43,8 Prozent und Estland mit 43,1 Prozent.

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Italien und Zypern liegen noch niedriger

In Italien waren 28,6 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt, in den Niederlanden 30 Prozent. Schlusslicht im EU-Vergleich war Zypern mit 25,9 Prozent.

Hohe Erwerbstätigkeit, weniger Chefinnen

Der Abstand fällt besonders auf, weil Frauen 2025 in Deutschland 47,1 Prozent aller Erwerbstätigen stellten. Das lag leicht über dem EU-Durchschnitt von 46,5 Prozent.

Österreich kam bei einem ähnlichen Frauenanteil unter den Erwerbstätigen von 47,5 Prozent auf 37,2 Prozent weibliche Führungskräfte. In Italien war der Anteil erwerbstätiger Frauen niedriger, der Anteil weiblicher Führungskräfte aber mit 28,6 Prozent ähnlich wie in Deutschland.

Regierung mit höherem Frauenanteil

In der deutschen Regierung stellten Frauen im dritten Quartal 2026 laut Daten des Europäischen Instituts für Gleichstellungsfragen 42,6 Prozent der Regierungsmitglieder. Deutschland lag damit über dem EU-Durchschnitt von 33,5 Prozent.

Finnland führte diesen Vergleich mit 56,7 Prozent an, gefolgt von Dänemark mit 52,4 Prozent. Den niedrigsten Frauenanteil in einer Regierung verzeichnete Tschechien mit 12,5 Prozent.

Die Zahlen zeigen eine anhaltende Lücke zwischen der Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt und ihrem Aufstieg in Leitungspositionen. Deutschland liegt bei der Erwerbstätigkeit von Frauen nahe am EU-Mittel, bleibt beim Frauenanteil in Führungspositionen aber deutlich zurück. Besonders aussagekräftig ist der Zehn-Jahres-Vergleich: Während der deutsche Anteil nur geringfügig zunahm, wuchs der EU-Durchschnitt viermal so stark.

Der Vergleich mit Österreich verdeutlicht, dass eine hohe Erwerbsbeteiligung von Frauen allein nicht automatisch zu mehr Frauen in Führungspositionen führt. Beide Länder weisen einen ähnlichen Frauenanteil unter den Erwerbstätigen auf, Österreich erreicht bei den Führungskräften jedoch einen deutlich höheren Wert. Das verweist auf zusätzliche Faktoren wie Unternehmenskulturen, Karrierewege, Arbeitszeitmodelle und die Verteilung von Sorgearbeit.

Politische Repräsentanz und Wirtschaft

Der höhere Frauenanteil in der deutschen Regierung zeigt zugleich, dass politische Repräsentanz und beruflicher Aufstieg in Unternehmen unterschiedlichen Mechanismen folgen. Für Beschäftigte und Unternehmen bleibt damit die Frage zentral, wie der Zugang zu Auswahlverfahren, Verantwortung und Spitzenpositionen breiter geöffnet werden kann. Der EU-Vergleich macht sichtbar, dass andere Länder bei diesem Übergang bereits weiter sind.

ntv: „Frauen in Führungspositionen weiterhin unterrepräsentiert“ (19.10.2026)

Der Beitrag bestätigt den deutschen Anteil von 30,3 Prozent und hebt ebenfalls den Abstand zum EU-Durchschnitt hervor. Anders als die dpa-Meldung konzentriert er sich auf die Führungspositionen und nennt zusätzlich Polen sowie besonders starke Anstiege in Malta, Estland und Österreich.

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