Ukraine sieht US-Milliarden als Hilfe fĂŒr Sieg - Nacht im Ăberblick
21.04.2024 - 14:43:46 | dpa.de"Und es ist ein sehr bedeutendes Paket, das sowohl unsere KĂ€mpfer an der Front als auch unsere StĂ€dte und Dörfer, die unter dem russischen Terror leiden, zu spĂŒren bekommen werden", sagte Selenskyj in seiner am Samstagabend in Kiew verbreiteten Videobotschaft. "Das ist eine Entscheidung, die uns das Leben rettet."
Der ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umjerow schrieb im sozialen Netzwerk X, dass die ganze Welt auf diese Entscheidung gewartet habe, "die den Sieg gegen den russischen Aggressor nĂ€her bringen wird". Das US-ReprĂ€sentantenhaus hatte nach monatelanger Blockade ein milliardenschweres Hilfspaket fĂŒr die Ukraine gebilligt. Die Parlamentskammer verabschiedete am Samstagnachmittag (Ortszeit) einen entsprechenden Gesetzentwurf, der rund 61 Milliarden US-Dollar (57 Milliarden Euro) fĂŒr Kiew enthĂ€lt. Die nötige Zustimmung des Senats steht noch aus, gilt aber als sicher.
Selenskyj dankte wie zuvor schon in einer Nachricht bei X dem republikanischen Vorsitzenden des ReprĂ€sentantenhauses, Mike Johnson, fĂŒr die UnterstĂŒtzung. Er hoffe, dass das Hilfspaket nun auch den US-Senat passiert und dann schnell genug auf dem Schreibtisch von US-PrĂ€sident Joe Biden lande. Die USA hĂ€tten verstanden, dass das russische Böse in dem Krieg nicht obsiegen dĂŒrfe.
"Amerika hat seine FĂŒhrungsrolle von den ersten Tagen dieses Krieges an gezeigt. Und diese Art amerikanischer FĂŒhrung ist entscheidend fĂŒr die Aufrechterhaltung einer internationalen Ordnung in der Welt, die auf Regeln und Vorhersehbarkeit des Lebens fĂŒr alle Nationen beruht", sagte Selenskyj weiter in seiner Videobotschaft. "Wir werden die amerikanische UnterstĂŒtzung sicher nutzen, um unsere beiden Nationen zu stĂ€rken und ein gerechtes Ende dieses Krieges nĂ€herzubringen - eines Krieges, den Putin verlieren muss." Kremlchef Wladimir Putin hatte seinen Krieg gegen das Nachbarland am 24. Februar 2022 begonnen.
Russland nennt US-Hilfe fĂŒr Ukraine erwartbar und zerstörerisch
Aus russischer Sicht wird die US-Hilfe die Ukraine nach Kremlangaben weiter in den Ruin treiben. "Die Entscheidung, der Ukraine Hilfe zu leisten, war erwartbar und wurde vorhergesagt. Sie wird die Vereinigten Staaten von Amerika weiter reich machen und die Ukraine weiter zugrunde richten, sie wird zu noch mehr toten Ukrainern fĂŒhren", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge.
Moskau hatte Kiew immer wieder vorgeworfen, den Kampf mit westlicher Hilfe fĂŒhren zu wollen, bis kein Ukrainer mehr ĂŒbrig sei. Die westlichen Waffenhilfen verlĂ€ngerten den Krieg, hieĂ es. Zugleich warnte Peskow einmal mehr davor, russisches Staatsvermögen zu konfiszieren. Amerika werde sich dafĂŒr verantworten mĂŒssen, wenn es tatsĂ€chlich dazu komme. Russland werde entsprechend eigenen Interessen eine Antwort darauf geben, sagte der Kremlsprecher. Das ReprĂ€sentantenhaus votierte am Samstag auch fĂŒr die Beschlagnahmung eingefrorener russischer Vermögenswerte. Die Details der Entscheidung mĂŒssten noch analysiert werden, sagte Peskow.
Gebilligt wurde im US-ReprĂ€sentantenhaus auch MilitĂ€rhilfe fĂŒr Israel und Taiwan. Auch das stieĂ in Moskau auf Kritik. "Die GewĂ€hrung von MilitĂ€rhilfe der Vereinigten Staaten fĂŒr die Ukraine, Israel und Taiwan wird die globalen Krisen verschĂ€rfen", sagte die Sprecherin des russischen AuĂenministeriums, Maria Sacharowa. "Die MilitĂ€rhilfe fĂŒr das Kiewer Regime ist eine direkte UnterstĂŒtzung terroristischer AktivitĂ€ten; fĂŒr Taiwan - eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas; fĂŒr Israel - ein direkter Weg zur Eskalation einer noch nie dagewesenen VerschĂ€rfung der Lage in der Region."
Erleichterung im Westen und bei der Nato ĂŒber US-Votum
Dagegen reagierten Politiker im Westen erleichtert auf die Entscheidung in den USA. AuĂenministerin Annalena Baerbock sprach von einem "Tag der Zuversicht fĂŒr die Ukraine und Europas Sicherheit". Die GrĂŒnen-Politikerin schrieb auf der Plattform X: "Die Herzen der wichtigsten Ukraine-UnterstĂŒtzer schlagen wieder im Takt." Die USA und Europa stĂŒnden gemeinsam auf der Seite der Freiheit und gegen Putins "Terrorkrieg".
GroĂbritanniens AuĂenminister David Cameron meinte bei X, sollte Putin jemals an der Entschlossenheit des Westens gezweifelt haben, die Ukraine zu unterstĂŒtzen, zeige ihm das, dass "unser gemeinsamer Wille ungebrochen ist". "Mit UnterstĂŒtzung kann und wird die Ukraine gewinnen."
Nato-GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg lobte das US-Votum als eine Investition in die Sicherheit der Staaten des MilitĂ€rbĂŒndnisses. "Die Ukraine nutzt die von Nato-VerbĂŒndeten bereitgestellten Waffen, um die russischen GefechtsfĂ€higkeiten zu zerstören", erklĂ€rte er. "Das macht uns alle sicherer, in Europa und Nordamerika." Die erhebliche Erhöhung der Hilfe werde den zweistelligen Milliardenbetrag ergĂ€nzen, "der von europĂ€ischen VerbĂŒndeten an die Ukraine bereitgestellt wird".
Baltische Staaten begrĂŒĂen US-Entscheidung
Die baltischen Staaten begrĂŒĂten die Entscheidung des US-ReprĂ€sentantenhauses. "GroĂartiger Tag fĂŒr die freie Welt, groĂartiger Tag fĂŒr die Ukraine", schrieb Lettlands StaatsprĂ€sident Edgars Rinkevics auf X (vormals Twitter). Estlands Regierungschefin Kaja Kallas teilte mit: "Ich hoffe, diese Abstimmung ermutigt alle VerbĂŒndeten, ihre Lager zu durchsuchen und mehr zu tun." Litauens Staatschef Gitanas Nauseda betonte: "Es ist ein groĂer Schritt in Richtung Sieg, und alle VerbĂŒndeten sollten damit weitermachen, die Ukraine zu unterstĂŒtzen".
PrĂ€sident Selenskyj hatte zuvor in einem Interview von brasilianischen Journalisten vor einer nachlassenden UnterstĂŒtzung und einer Niederlage der Ukraine gewarnt. Wenn Putin in dem Krieg siege, könnten als nĂ€chste LĂ€nder die baltischen Staaten von russischen Truppen ĂŒberfallen werden, sagte er. Kremlchef Putin hatte zuletzt immer wieder erklĂ€rt, dass Russland kein Nato-Mitglied und damit auch die baltischen Staaten nicht angreifen werde.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als zwei Jahren mit westlicher Hilfe gegen den russischen Angriffskrieg. Die FĂŒhrung des in die EU und in die Nato strebenden Landes hatte zuletzt mit Nachdruck mehr Waffen und Munition gefordert, um den russischen Vormarsch zu stoppen. Vor allem die Flugabwehr im Land soll gestĂ€rkt werden, damit StĂ€dte besser geschĂŒtzt vor russischen Raketen- und Drohnenangriffen werden können.
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