GESAMT-ROUNDUP / Alaska-Gipfel mit Trump: Wie Putin sich durchsetzte
16.08.2025 - 18:49:47Das alles, ohne dass der russische PrÀsident sichtbare ZugestÀndnisse gemacht hÀtte.
In Kiew und bei den europĂ€ischen VerbĂŒndeten der USA dĂŒrfte die Katerstimmung am Tag nach dem Treffen in Anchorage hingegen groĂ sein. Zwar wurde das schlimmste Szenario - ein Deal ĂŒber den Kopf der Ukrainer hinweg - vorerst nicht zur RealitĂ€t. Doch die ErnĂŒchterung ist deutlich spĂŒrbar.
Selenskyj soll nach Washington kommen
"Unsere Sichtweise ist: zuerst eine Waffenruhe und danach alles andere", sagte ein Berater des ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj im Fernsehen. Sollten die Kampfhandlungen wĂ€hrend der GesprĂ€che weiterlaufen, gebe es "groĂe Risiken fĂŒr eine Erpressung der Ukraine", so der Berater.
Die EU-AuĂenbeauftragte Kaja Kallas lobte zwar Trumps Entschlossenheit, ein Friedensabkommen zu erzielen. Sie warnte aber: "Die harte RealitĂ€t ist jedoch, dass Russland nicht die Absicht hat, diesen Krieg in absehbarer Zeit zu beenden." Putin spiele auf Zeit.
Ob die USA bereit sind, der Ukraine Sicherheitsgarantien zu geben, wie europÀische Staats- und Regierungschefs mitteilten, wurde aus den USA zunÀchst nicht bestÀtigt. Sicher ist nur, dass Selenskyj am kommenden Montag nach Washington reisen soll. Dass es zu einem Dreier-Gipfel mit Putin kommen wird, wie der Ukrainer fordert, ist unwahrscheinlich.
Absage an Forderung nach Waffenstillstand
Trump hatte zunĂ€chst Selenskyj und dann auch die Nato-VerbĂŒndeten per Telefon ĂŒber den Verlauf des GesprĂ€chs mit Putin informiert. In seinem Kurznachrichtendienst Truth Social schrieb er dann, alle seien sich einig gewesen, der beste Weg fĂŒr einen Frieden in der Ukraine sei es, direkt ein Friedensabkommen zu erreichen - und kein Waffenstillstandsabkommen, das oft nicht halte.
Den Gipfel mit Putin bezeichnete Trump als "groĂartigen und sehr erfolgreichen Tag". Wenn beim Besuch Selenskyj in Washington alles klappe, werde ein Treffen mit Putin vereinbart.
Vor dem GesprĂ€ch mit dem russischen Staatschef hatte Trump noch auf eine sofortige Waffenruhe gedrungen. FĂŒr die europĂ€ischen VerbĂŒndeten war dies in den Tagen vor dem Gipfel eines der wichtigsten Anliegen. "Ein Waffenstillstand muss am Anfang stehen", hatte Bundeskanzler Friedrich Merz deutlich gemacht. Am Samstag wĂŒrdigte der CDU-Vorsitzende Trumps Absicht, ein umfassendes Friedensabkommen schnell herbeizufĂŒhren. "Wenn das gelingt, ist das mehr wert als ein Waffenstillstand, der möglicherweise ĂŒber Wochen andauert - ohne weitere Fortschritte in den politischen, diplomatischen BemĂŒhungen."
Aus europÀischer Sicht eine Katastrophe
Dass Trump nun offenbar auf die russische Linie einschwenkt, gilt als schwere Niederlage fĂŒr die transatlantische Allianz. Der Politikwissenschaftler Carlo Masala von der Bundeswehr-UniversitĂ€t MĂŒnchen sagte der "Bild": "Indem Trump eine sofortige Waffenruhe ausschlĂ€gt und stattdessen ein "Friedensabkommen" verhandeln will, hat er sich auf Putins Seite gestellt. Das ist aus europĂ€ischer Sicht eine Katastrophe."
Russlands Ex-PrÀsident Dmitri Medwedew triumphierte. "Das Treffen hat gezeigt, dass Verhandlungen ohne vorherige Bedingungen und gleichzeitig mit der Fortsetzung der militÀrischen Spezialoperation möglich sind", schrieb Medwedew bei Telegram. Mit militÀrischer Spezialoperation bezeichnet Russland offiziell den Krieg gegen die Ukraine.
Völlig unklar war, ob Putin ZugestĂ€ndnisse gemacht hat bei dem etwa dreistĂŒndigen GesprĂ€ch mit Trump. Nach Angaben aus Moskau war ein Dreier-Treffen mit Trump, Putin und Selenskyj jedenfalls kein Thema.
EuropÀer: USA zu Sicherheitsgarantien bereit
US-Senator Lindsey Graham Ă€uĂerte dagegen die Hoffnung, ein solcher Dreier-Gipfel könne den Durchbruch zu einem Frieden noch vor Weihnachten bringen. Wenn es nicht zu einem solchen Treffen kommen sollte, forderte er Konsequenzen fĂŒr Putin und "diejenigen, die sein Ăl und Gas kaufen".
Die Frage, ob die USA als Garantiemacht fĂŒr einen Frieden zur VerfĂŒgung stehen, blieb aus Washington unbeantwortet. In einer Stellungnahme mehrerer europĂ€ischer Staats- und Regierungschefs - unter ihnen Kanzler Merz - hieĂ es, man begrĂŒĂe, dass Washington zu Sicherheitsgarantien bereit sei.
Eine Zustimmung der Ukraine zu einer Verhandlungslösung sei nur vorstellbar, wenn sie sicher sein könne, dass ihre staatliche Existenz und SouverÀnitÀt effektiv gewahrt bleibe, hieà es zudem aus Regierungskreisen in Berlin.
Koalition der Willigen berÀt
Der britische Premier Keir Starmer sagte einer separaten Mitteilung zufolge: "Ich begrĂŒĂe die Bereitschaft der Vereinigten Staaten, gemeinsam mit Europa im Rahmen eines Abkommens der Ukraine solide Sicherheitsgarantien zu geben."
Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron forderte, der Druck auf Russland mĂŒsse aufrechterhalten werden. Gleichzeitig sprach auch er sich fĂŒr robuste Sicherheitsgarantien aus. Noch am Sonntag sollt eine Videoschalte der "Koalition der Willigen" stattfinden, wie es vom ĂlysĂ©e-Palast in Paris hieĂ. Darunter werden die VerbĂŒndeten Kiews verstanden, die die zur UnterstĂŒtzung einer Mission zur Friedenssicherung bereit sind. Macron werde die Besprechung gemeinsam mit Bundeskanzler Merz und dem britischen Premier Starmer leiten.
Italiens Regierungschefin Giorgia Meloni teilte mit, Trump habe die italienische Idee einer kollektiven Schutzklausel nach dem Vorbild von Artikel 5 der Nato aufgegriffen. Diese wĂŒrde es der Ukraine Meloni zufolge ermöglichen, auf die UnterstĂŒtzung aller ihrer Partner, einschlieĂlich der USA, zu zĂ€hlen, die bereit sind, im Falle eines erneuten Angriffs zu intervenieren. Von US-Seite gab es dazu jedoch zunĂ€chst keine konkreten ĂuĂerungen.
Selenskyj teilte mit Blick auf seinen Washington-Besuch am Montag mit: "Alle Details ĂŒber das Ende des Mordens, ĂŒber das Ende des Krieges werde ich mit PrĂ€sident Trump in Washington am Montag besprechen." Es mĂŒsse ein echter Frieden erreicht werden, nicht nur eine weitere Pause zwischen russischen Invasionen.

