Galeria-Insolvenz: Gericht ordnet vorlÀufiges Verfahren an
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 09:58 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas Amtsgericht DĂŒsseldorf hat das vorlĂ€ufige Insolvenzverfahren ĂŒber die Warenhauskette Galeria angeordnet.
Frank Kebekus als Insolvenzverwalter bestellt
Zum vorlÀufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht den Rechtsanwalt Frank Kebekus. Nach dem Beschluss mit dem Aktenzeichen 502 IN 258/26 darf er Bankguthaben und sonstige Forderungen von Galeria einziehen sowie eingehende Gelder entgegennehmen.
Kebekus war bereits als Sachwalter an den Insolvenzverfahren des Konzerns in den Jahren 2020 und 2022 beteiligt.
Filialen bleiben vorerst geöffnet
Galeria hatte am Freitag beim Amtsgericht DĂŒsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. FĂŒr das Unternehmen ist es der vierte Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren.
Der GeschĂ€ftsbetrieb in den 83 Filialen soll zunĂ€chst weiterlaufen. Ob und welche Standorte geschlossen werden mĂŒssen, ist offen. Rund 12.000 BeschĂ€ftigte mĂŒssen um ihre ArbeitsplĂ€tze bangen.
Frage nach dem Insolvenzgeld
Unklar ist auĂerdem, ob die BeschĂ€ftigten Insolvenzgeld erhalten können. Das Amtsgericht Essen hat die PlanĂŒberwachung nach dem letzten Insolvenzverfahren bislang nicht aufgehoben.
Ein Sprecher der Bundesagentur fĂŒr Arbeit hatte im Juni erklĂ€rt, bei fortbestehender PlanĂŒberwachung könne mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass nicht erneut Insolvenzgeld gezahlt werde. Die konkrete Situation mĂŒsse jedoch in jedem Fall individuell geprĂŒft werden.
Neue EigentĂŒmer seit 2024
Vor gut zweieinhalb Jahren hatte Galeria Karstadt Kaufhof den bislang letzten Insolvenzantrag gestellt. Vorausgegangen war die Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa. Im Zuge des Verfahrens mussten neun der 92 WarenhĂ€user schlieĂen.
Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden aus dem Firmennamen.
Vierte Insolvenz seit 2020
Der neue Insolvenzantrag folgt auf drei frĂŒhere Verfahren in kurzer Folge: 2020 belasteten die Folgen der Corona-Pandemie das Unternehmen, 2022 verschĂ€rften Energiekrise, Inflation und die Probleme des damaligen Mutterkonzerns Signa die Lage. Anfang 2024 fĂŒhrte die Signa-Pleite zur bislang letzten Insolvenz; neun der damals 92 WarenhĂ€user wurden geschlossen.
Galeria verfĂŒgt nun noch ĂŒber 83 Filialen und rund 12.000 BeschĂ€ftigte. Damit betrifft das Verfahren nicht nur die Unternehmensfinanzierung, sondern auch die InnenstĂ€dte, in denen die WarenhĂ€user hĂ€ufig zu den gröĂten Handelsstandorten gehören. FĂŒr die BeschĂ€ftigten ist neben dem Erhalt der ArbeitsplĂ€tze besonders die Frage des Insolvenzgeldes relevant, weil die laufende PlanĂŒberwachung durch das Amtsgericht Essen die Voraussetzungen beeinflussen kann.
Sanierung vor strukturellem Problem
Die wiederholten Verfahren zeigen, dass kurzfristige Entlastungen durch Forderungsverzichte, Kredite oder Kostensenkungen die grundlegenden Herausforderungen des Warenhausmodells nicht gelöst haben. GroĂe VerkaufsflĂ€chen, hohe Fixkosten und ein Wettbewerbsdruck durch Onlinehandel, FachgeschĂ€fte und Discounter erschweren einen profitablen Betrieb.
Entscheidend wird deshalb sein, ob tragfĂ€hige Standorte, ein ĂŒberzeugendes Sortiment und ausreichendes Kapital fĂŒr Modernisierungen zusammenkommen. FĂŒr die Kundschaft in den betroffenen StĂ€dten bedeutet das Verfahren zunĂ€chst, dass die Filialen weiter geöffnet bleiben sollen; ĂŒber mögliche StandortschlieĂungen wird erst im weiteren Sanierungsprozess entschieden.
