Galeria-Insolvenz: Gericht ordnet vorlÀufiges Verfahren an
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 10:59 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas Amtsgericht DĂŒsseldorf hat das vorlĂ€ufige Insolvenzverfahren fĂŒr die Warenhauskette Galeria angeordnet.
Frank Kebekus wird vorlÀufiger Insolvenzverwalter
Zum vorlÀufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht den Rechtsanwalt Frank Kebekus. Nach dem Beschluss zum Aktenzeichen 502 IN 258/26 darf er Bankguthaben und sonstige Forderungen von Galeria einziehen sowie eingehende Gelder entgegennehmen.
Kebekus war bereits als Sachwalter in den Insolvenzverfahren des Konzerns 2020 und 2022 tĂ€tig. Der Sanierungsexperte Manfred Hunkemöller kritisierte seine Bestellung und sprach sich fĂŒr einen nicht vorbefassten Verwalter aus.
83 Filialen bleiben vorerst geöffnet
Galeria hatte am Freitag beim Amtsgericht DĂŒsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Es ist der vierte Insolvenzantrag des Unternehmens innerhalb von sechs Jahren.
Ob und welche Standorte schlieĂen mĂŒssen, ist offen. Der GeschĂ€ftsbetrieb in den 83 Filialen soll zunĂ€chst weiterlaufen.
Insolvenzgeld fĂŒr BeschĂ€ftigte unklar
Die rund 12.000 BeschĂ€ftigten mĂŒssen um ihre ArbeitsplĂ€tze bangen. Unklar ist, ob sie Insolvenzgeld erhalten können, weil das Amtsgericht Essen die PlanĂŒberwachung nach dem vorherigen Insolvenzverfahren bislang nicht aufgehoben hat.
Ein Sprecher der Bundesagentur fĂŒr Arbeit hatte im Juni erklĂ€rt, bei fortbestehender PlanĂŒberwachung könne mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erneut Insolvenzgeld gezahlt werden. Die konkrete Situation mĂŒsse jedoch jeweils individuell geprĂŒft werden. Das Insolvenzgeld wird von der Bundesagentur ausgezahlt und ĂŒber eine Umlage der Arbeitgeber finanziert.
Neue EigentĂŒmer seit 2024
Galeria Karstadt Kaufhof hatte vor gut zweieinhalb Jahren, nach der Schieflage des damaligen Mutterkonzerns Signa, den bislang letzten Insolvenzantrag gestellt. Damals mussten neun der 92 WarenhĂ€user schlieĂen.
Seit Sommer 2024 gehört Galeria der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden aus dem Firmennamen.
Vierte Sanierung in kurzer Folge
Der neue Insolvenzantrag steht in einer langen Reihe von Rettungsversuchen. Galeria und seine VorgĂ€ngerunternehmen durchliefen seit 2020 bereits drei Insolvenzverfahren. 2020 wurden 40 Filialen geschlossen, 2022 folgte eine weitere Verkleinerung des Netzes. Nach der Signa-Pleite 2024 blieben 83 WarenhĂ€user ĂŒbrig.
Strukturelles Problem des Warenhausmodells
Die wiederkehrenden Verfahren verweisen auf mehr als eine vorĂŒbergehende Finanzierungskrise. GroĂe VerkaufsflĂ€chen, hohe Miet- und Betriebskosten sowie der Wettbewerb durch Onlinehandel, FachgeschĂ€fte und Discounter belasten das klassische Warenhaus. Besonders das Sortiment Mode, auf das ein erheblicher Teil des GeschĂ€fts entfĂ€llt, steht unter Druck.
Folgen fĂŒr BeschĂ€ftigte und InnenstĂ€dte
FĂŒr die rund 12.000 BeschĂ€ftigten hĂ€ngt zunĂ€chst viel von der weiteren Entscheidung im Verfahren und der Finanzierung der Löhne ab. FĂŒr die 83 StĂ€dte mit Galeria-Standorten geht es zugleich um zentrale Immobilien und die Funktion ihrer InnenstĂ€dte. Einzelne HĂ€user in guten Lagen könnten grundsĂ€tzlich bessere Ăberlebenschancen haben als das Filialnetz insgesamt; entscheidend werden ein tragfĂ€higes Konzept, ausreichende Investitionen und die Bereitschaft der EigentĂŒmer sein, Standorte langfristig zu entwickeln.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: âGaleria insolvent: Geben Amtsrichter noch eine Chance?â (05.10.2026)
Der Bericht habe die Entscheidung des Amtsgerichts DĂŒsseldorf als entscheidenden Schritt fĂŒr die FortfĂŒhrung des GeschĂ€ftsbetriebs eingeordnet. Anders als die nun vorliegende Gerichtsentscheidung habe der Beitrag zum Veröffentlichungszeitpunkt noch die mögliche Ablehnung des Antrags und deren Folgen fĂŒr BeschĂ€ftigte und Filialen beschrieben; zugleich habe er auf die Möglichkeit einer FortfĂŒhrung mit weniger Standorten verwiesen.
Der Artikel hebe die strukturellen SchwĂ€chen des Warenhauskonzerns hervor und fĂŒhre die wiederkehrenden Insolvenzen auf ungelöste Probleme beim GeschĂ€ftsmodell, bei der UnternehmensfĂŒhrung und bei der WettbewerbsfĂ€higkeit zurĂŒck. Er betone zugleich, eine FortfĂŒhrung einzelner wirtschaftlich tragfĂ€higer Standorte sei möglich, wĂ€hrend eine dauerhafte Rettung des bisherigen Filialnetzes als wenig realistisch eingeschĂ€tzt werde.
Beide Berichte stellten die wiederholte Sanierung und die Zukunft der Filialen in den Mittelpunkt. WÀhrend der WDR den gerichtlichen Verfahrensschritt und die unmittelbaren Folgen betone, richte FOCUS online den Schwerpunkt stÀrker auf die langfristigen Ursachen und die Grenzen weiterer Rettungsversuche.
