Galeria-Insolvenz: Gericht ordnet vorlÀufiges Verfahren an
Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 13:18 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDas Amtsgericht DĂŒsseldorf hat nach dem vierten Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren das vorlĂ€ufige Insolvenzverfahren fĂŒr die Warenhauskette Galeria angeordnet.
Frank Kebekus als vorlÀufiger Insolvenzverwalter
Nach der Mitteilung des Gerichts auf dem Portal Insolvenzbekanntmachungen.de handelt es sich um ein Regelinsolvenzverfahren mit dem Aktenzeichen 502 IN 258/26. Zum vorlÀufigen Insolvenzverwalter wurde der Rechtsanwalt Frank Kebekus bestellt.
Kebekus soll nun prĂŒfen, ob ein Insolvenzgrund vorliegt und ob das Vermögen des Unternehmens zur Deckung der Verfahrenskosten ausreicht. Galeria S.Ă r.l. & Co. KG hatte am Freitag die Eröffnung des Verfahrens beantragt.
Kritik an der Bestellung
Der Sanierungsexperte Manfred Hunkemöller kritisierte, dass Kebekus Galeria bereits als Sachwalter in den Insolvenzverfahren von 2020 und 2022 begleitet habe. FĂŒr einen echten Neuanfang wĂ€re aus seiner Sicht ein nicht vorbefasster Verwalter geeigneter gewesen.
Ob Filialen schlieĂen mĂŒssen, ist offen. Der GeschĂ€ftsbetrieb in den 83 WarenhĂ€usern soll vorerst weiterlaufen.
Insolvenzgeld fĂŒr BeschĂ€ftigte ungeklĂ€rt
FĂŒr die rund 12.000 BeschĂ€ftigten ist weiterhin offen, ob sie Insolvenzgeld erhalten. Das Amtsgericht Essen hat die PlanĂŒberwachung nach dem letzten Insolvenzverfahren bislang nicht aufgehoben.
Ein Sprecher der Bundesagentur fĂŒr Arbeit hatte im Juni erklĂ€rt, bei fortbestehender PlanĂŒberwachung könne mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht erneut Insolvenzgeld gezahlt werden. Die konkrete Situation mĂŒsse jedoch individuell geprĂŒft werden.
Das Insolvenzgeld wird ĂŒber die Arbeitgeber finanzierte Insolvenzgeldumlage getragen und ersetzt den ausgefallenen Nettolohn fĂŒr die letzten drei Monate vor der Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.
Folgen fĂŒr die FortfĂŒhrung
Der Arbeitsrechtler Gregor ThĂŒsing verwies darauf, dass die laufende PlanĂŒberwachung einen erneuten Anspruch nicht automatisch ausschlieĂe. Entscheidend sei, ob Galeria nach dem Abschluss des Verfahrens 2024 seine allgemeine ZahlungsfĂ€higkeit tatsĂ€chlich wiedererlangt habe.
Falls kein neues Insolvenzereignis vorliege, mĂŒssten die GehĂ€lter aus vorhandenen Mitteln, durch Investoren oder eine andere Finanzierung getragen werden. Ohne ausreichende Finanzierung könnten neue Masseverbindlichkeiten die FortfĂŒhrung erschweren und zu einzelnen FilialschlieĂungen oder im Ă€uĂersten Fall zur vollstĂ€ndigen Betriebseinstellung fĂŒhren.
In einer internen Mitteilung an die Belegschaft erklĂ€rten die GeschĂ€ftsfĂŒhrer Tilo Hellenbock und Norman Krotten, oberste PrioritĂ€t sei die Sicherung der Gehaltszahlungen fĂŒr die kommenden Monate. Das Unternehmen Ă€uĂerte sich auf Anfrage zunĂ€chst nicht weiter.
Neue EigentĂŒmer seit 2024
Galeria hatte den bislang letzten Insolvenzantrag vor gut zweieinhalb Jahren gestellt, nachdem der damalige Mutterkonzern Signa in Schieflage geraten war. Damals mussten neun der 92 WarenhĂ€user schlieĂen.
Seit Sommer 2024 gehört die Kette der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz. Die Namen Kaufhof und Karstadt verschwanden aus dem Firmennamen.
Im April 2026 berichteten mehrere Vermieter ĂŒber ausbleibende Mietzahlungen; die GeschĂ€ftsfĂŒhrung verwies auf LiquiditĂ€tsschwankungen. Im Juni erhielt Galeria eine Kreditfinanzierung von bis zu 160 Millionen Euro durch Gordon Brothers. Die Kreditlinie ist durch WarenbestĂ€nde abgesichert und an einen Sanierungsplan mit weiteren SchlieĂungen geknĂŒpft.
Im Juli kĂŒndigte Galeria an, 33 WarenhĂ€user auf den PrĂŒfstand zu stellen und mit Vermietern ĂŒber Mietkonditionen zu verhandeln.
Vierte Insolvenz in sechs Jahren
Der erneute Antrag markiert fĂŒr Galeria nicht nur ein weiteres Sanierungsverfahren, sondern eine grundlegende BewĂ€hrungsprobe fĂŒr das Warenhausmodell. Nach den Verfahren von 2020, 2022 und 2024 verfĂŒgt die Kette noch ĂŒber 83 Filialen und rund 12.000 BeschĂ€ftigte. Jede weitere Sanierung muss deshalb zeigen, ob sie mehr bewirkt als eine vorĂŒbergehende Entlastung bei Schulden, Mieten und Kosten.
Die strukturellen Probleme liegen im Wettbewerb mit Onlinehandel, FachgeschĂ€ften und Discountern. Hinzu kommen hohe laufende Kosten, groĂe VerkaufsflĂ€chen und ein Sortiment, das sich nach EinschĂ€tzung von Handelsexperten nicht ausreichend profiliert habe. Die Finanzierung von bis zu 160 Millionen Euro verschafft kurzfristig Spielraum, ist aber an einen Sanierungsplan mit weiteren StandortprĂŒfungen gebunden.
Was fĂŒr BeschĂ€ftigte und Kunden zĂ€hlt
FĂŒr die BeschĂ€ftigten ist die Frage des Insolvenzgelds besonders dringlich. Die Leistung ersetzt grundsĂ€tzlich den ausgefallenen Nettolohn fĂŒr bis zu drei Monate; ob nach der noch laufenden PlanĂŒberwachung ein neues Insolvenzereignis vorliegt, hĂ€ngt von der konkreten rechtlichen und wirtschaftlichen Situation ab. Eine schnelle Entscheidung ist deshalb fĂŒr die Lohnsicherheit und die FortfĂŒhrung des Betriebs von groĂer Bedeutung.
Kunden können zunĂ€chst mit einem weiterlaufenden GeschĂ€ftsbetrieb rechnen. Mittelfristig dĂŒrften jedoch Standortentscheidungen, Mietverhandlungen und das kĂŒnftige Sortiment bestimmen, welche WarenhĂ€user bestehen bleiben. FĂŒr InnenstĂ€dte geht es dabei nicht nur um einzelne Filialen, sondern auch um LeerstĂ€nde, Besucherfrequenz und die Rolle groĂer KaufhĂ€user als zentrale Handelsstandorte.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WDR: âGaleria insolvent: Geben Amtsrichter noch eine Chance?â (05.10.2026)
Der Bericht betone, dass die gerichtliche Entscheidung ĂŒber die Zulassung fĂŒr die FortfĂŒhrung des GeschĂ€ftsbetriebs entscheidend sei, und beschreibe bei einer Ablehnung das Risiko einer sofortigen ZahlungsunfĂ€higkeit. Anders als die dpa-Meldung richte der Beitrag den Schwerpunkt auf den möglichen Ausgang der gerichtlichen PrĂŒfung und die Folgen fĂŒr BeschĂ€ftigte. Zugleich verweise er auf die Perspektive, Galeria mit deutlich weniger Standorten fortzufĂŒhren.
Der Artikel stelle die wiederkehrenden Sanierungen und die aus seiner Sicht unverĂ€nderten strukturellen Probleme in den Mittelpunkt. Er fĂŒhre zusĂ€tzlich die Entwicklung seit 2020 sowie die PrĂŒfung von 33 Filialen aus und lasse Handelsexperten unterschiedliche Zukunftsaussichten bewerten. Einigkeit bestehe darin, dass der Betrieb zunĂ€chst weiterlaufen solle; offen bleibe, ob eine verkleinerte Kette wirtschaftlich tragfĂ€hig werde.
Die Berichte bestÀtigten den erneuten Insolvenzantrag und die Bedeutung der gerichtlichen und finanziellen nÀchsten Schritte. Unterschiede gebe es vor allem beim Schwerpunkt: WÀhrend der WDR die unmittelbare Gerichtsentscheidung betone, ordne FOCUS online die Krise stÀrker als langfristiges Problem des GeschÀftsmodells ein.
