Gaspreise, Neu-

Gaspreise: Neu- und Bestandskunden trennen bei 20.000 kWh rund 430 Euro

Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 16:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Höhere Großhandelspreise treiben die Haushaltskosten; mehrere Energieversorger planen ab Januar 2027 neue Tarife.
Gasdruckregelanlage mit stählernen Rohrleitungen und Ventilen in einer industriellen Umgebung bei Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Die Gaspreise für Verbraucher in Deutschland sind seit dem Beginn des Iran-Kriegs spürbar angezogen. Nach Berechnungen des Vergleichsportals Verivox kletterten die Kosten für Haushalte im Schnitt um mehr als 50 Prozent, von zuvor rund 8 Cent auf etwa 12,50 Cent je Kilowattstunde. Angesichts dieser Entwicklung und drohender weiterer Verteuerungen bereiten sich immer mehr Haushalte auf einen Wechsel ihres Energieanbieters vor.

Verivox warnt vor flächendeckenden Preiserhöhungen, die zunehmend auch Bestandskunden treffen dürften. Derzeit liege Gas im Schnitt bei rund 13 Cent je Kilowattstunde und sei damit knapp 20 Prozent teurer als im Vorjahr.

Am Großhandelsmarkt verzeichnet das Portal einen Preissprung von rund 200 Prozent über das Vorjahresniveau: Kostete die Megawattstunde im Februar noch 32 Euro, liegt der Wert inzwischen bei 96 Euro.

Im Neukundensegment zahlen Verbraucher laut Verivox-Daten typischerweise bereits 14 Cent je Kilowattstunde, basierend auf dem Sieben-Tage-Mittel für eine Musterfamilie mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch bei Tarifen mit einjähriger Preisgarantie.

Empfehlungen für Verbraucher und Sparpotenziale

Verbraucherschützer der Stiftung Warentest raten Haushalten, bestehende Verträge genau zu prüfen. Relevant seien vor allem die Vertragslaufzeit, eine verlässliche Preisgarantie sowie die Aufteilung in Arbeits- und Grundpreis. Ein Wechsel sei häufig bereits vier bis sechs Monate vor dem eigentlichen Vertragsende möglich.

Empfohlen werden Verträge mit Preisgarantie und ohne Bonusregelungen, zudem lohne sich der Blick auf regionale Stadtwerke-Tarife. Falls eine Preisgarantie in Kürze auslaufe, könne ein Neuabschluss ratsam sein, da sich die Großhandelspreise für Erdgas seit Ausbruch des Konflikts fast verdoppelt hätten.

Anzeige

Wer sich mit steigenden Energiekosten befasst, muss auch die korrekte Umlegung dieser Belastungen im Blick behalten. Dieser kostenlose PDF-Ratgeber erklärt in nur 5 Minuten, worauf es bei der rechtssicheren Abrechnung von Heizung und anderen Nebenkosten ankommt. Betriebskostenabrechnung 2026: So holen Vermieter jeden zulässigen Euro zurück

Auch Daten der Bundesnetzagentur verdeutlichen die Spreizung am Markt. Nach Erhebungen der Plattform SMARD lagen die Neukundenpreise im Oktober 2026 im bundesweiten Durchschnitt bei 12,5 Cent je Kilowattstunde, was einem Anstieg von 10,3 Prozent gegenüber September entspricht.

Für Bestandskunden verharrte der Schnitt zunächst stabil bei 10,35 Cent je Kilowattstunde. Eine Modellrechnung zeigt bei einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden eine rechnerische Differenz von rund 430 Euro im Jahr zwischen Neu- und Bestandskunden.

Für Bestandskunden verharrte der Schnitt zunächst stabil bei 10,35 Cent je Kilowattstunde. Eine Modellrechnung zeigt bei einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden eine rechnerische Differenz von rund 430 Euro im Jahr zwischen Neu- und Bestandskunden.

Anzeige

Angesichts massiv steigender Preise für Heizung und Instandhaltung bleiben viele Eigentümer auf Kosten sitzen, die sie eigentlich vertraglich umlegen dürften. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Experten-Report, welche Positionen oft vergessen werden und wie Sie rechtssicher abrechnen. Diese „sonstigen Betriebskosten“ vergessen die meisten Vermieter – jetzt gratis nachlesen

Nach Erhebungen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) liegen Neuverträge 2026 für ein Einfamilienhaus bei 12,23 Cent und für eine Wohnung im Mehrfamilienhaus bei 11,67 Cent je Kilowattstunde. In der Grundversorgung lagen die Kosten laut Verivox zuletzt rund 1.100 Euro pro Jahr über günstigen Neukundentarifen.

Versorger kündigen Anpassungen an

Mehrere regionale Energieversorger haben Preisanpassungen angekündigt. So erhöht die EnBW zum 1. Januar 2027 in der Grund- und Ersatzversorgung den Gaspreis um 8,4 Prozent sowie den Haushaltsstrom um 3,3 Prozent.

Für einen Musterhaushalt mit 20.000 Kilowattstunden Gas bedeutet dies ein Plus von 17,93 Euro monatlich bei einem Grundpreis von 11,29 Euro im Monat und einem Arbeitspreis von 13,17 Cent je Kilowattstunde.

Auch die Stadtwerke Amberg heben die Preise zum 1. Januar 2027 an, ebenso wie die Versorger EWE und SWB. Erste Vergleichsportale gehen von einem durchschnittlichen Anstieg der Tarife um 20 Prozent aus.

Die Füllstände der deutschen Erdgasspeicher lagen nach Angaben der Bundesnetzagentur am 5. November 2026 bei 60,6 Prozent, was 149,8 Terawattstunden entspricht. Damit wurde das Ziel von rund 70 Prozent zum 1. November verfehlt.

Während die Behörde die Versorgungslage dennoch als gesichert einstuft und Marktbeobachter einen baldigen Gasmangel nicht erwarten, warnt die Initiative Energien Speichern (INES) vor einem dünnen Puffer für die Spätwintermonate Februar und März. Vor diesem Hintergrund rückt für Verbraucher vor allem die finanzielle Belastung in den Vordergrund.

Disclaimer...
de | wirtschaft | 70474955 |