Gasspeicher, Gasversorgung

Gasspeicher: Deutschland verfehlt 70-Prozent-Ziel zum 1. November

Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 12:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die deutschen Gasspeicher liegen zum Beginn der Heizsaison deutlich unter dem gesetzlichen Ziel. Behörden sehen die Versorgung dennoch als stabil an, wÀhrend Branchenvertreter vor Risiken bei KÀlte und steigenden Preisen warnen.

Speicherziele und Wintervorsorge

  • Zum 1. November gilt rechnerisch ein durchschnittliches Speicherziel von 70 Prozent.
  • FĂŒr sechs Speicheranlagen reicht wegen ihrer Eigenschaften ein reduziertes Ziel von 45 Prozent.
  • Die geplante nationale Gasreserve soll 24 Milliarden Kilowattstunden umfassen.
  • Die SpeicherfĂŒllstĂ€nde sind niedriger als in Vorjahren - Anlass zur Sorge? - Bild: Peter Kneffel/dpa
  • Die Gasspeicher sind unterschiedlich stark befĂŒllt. - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa
  • Reiche sieht die Versorgungssicherheit gewĂ€hrleistet. - Bild: Fabian Sommer/dpa
  • Wie kalt wird der Winter? - Bild: Patrick Pleul/dpa
  • Wann wird wie stark geheizt? - Bild: Hendrik Schmidt/dpa
Die SpeicherfĂŒllstĂ€nde sind niedriger als in Vorjahren - Anlass zur Sorge? - Bild: Peter Kneffel/dpa Die Gasspeicher sind unterschiedlich stark befĂŒllt. - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa Reiche sieht die Versorgungssicherheit gewĂ€hrleistet. - Bild: Fabian Sommer/dpa Wie kalt wird der Winter? - Bild: Patrick Pleul/dpa Wann wird wie stark geheizt? - Bild: Hendrik Schmidt/dpa

Deutsche Gasspeicher verfehlen November-Ziel deutlich

Die deutschen Gasspeicher sind zum 1. November nur zu rund 61,2 Prozent gefĂŒllt und liegen damit klar unter dem rechnerischen gesetzlichen Ziel von 70 Prozent. Das Wirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur halten die Gasversorgung fĂŒr den Winter dennoch fĂŒr gesichert.

Keine unmittelbare Sanktion vorgesehen

Die verfehlte Vorgabe hat zunĂ€chst keine direkten Folgen. Das Gesetz sieht dafĂŒr keine Sanktionen vor; Ministerium und Bundesnetzagentur könnten theoretisch aber ungenutzte, gebuchte SpeicherkapazitĂ€ten neu vergeben lassen, um zusĂ€tzliche BefĂŒllungen zu ermöglichen.

Die Bundesnetzagentur bewertet die Gefahr einer angespannten Gasversorgung nach aktuellem Erkenntnisstand weiterhin als gering. Das Ministerium verweist darauf, dass neben den Speichern auch laufende Importe, die Ausspeicherung und weitere Vorsorgemaßnahmen entscheidend seien.

Importe sollen Versorgung absichern

Gas kommt nach Angaben des Ministeriums insbesondere ĂŒber Pipelines aus Norwegen, LNG-Terminals und europĂ€ische NachbarlĂ€nder. Deutschland könne deshalb auch wĂ€hrend der Heizperiode zusĂ€tzliche Mengen auf dem Weltmarkt beschaffen.

Der Vorstand des Verbands Gas- und Wasserwirtschaft, Timm Kehler, verwies auf rund 150 Terawattstunden Gas in den Speichern. Diese Menge liege ĂŒber dem Verbrauch, der im vergangenen Winter aus den Speichern entnommen worden sei.

Warnung vor Risiken im SpÀtwinter

Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Initiative Energien Speichern, Sebastian Heinermann, bezeichnete das Verfehlen der Vorgaben als ernstzunehmendes Warnsignal. Mit geringeren Reserven steige die Verwundbarkeit besonders bei außergewöhnlicher KĂ€lte oder zusĂ€tzlichen Störungen der Gasimporte.

Problematisch könnte vor allem das Ende des Winters werden. Sinkt der FĂŒllstand, nimmt auch die technisch verfĂŒgbare Ausspeicherleistung ab; hohe Verbrauchsspitzen im Februar oder MĂ€rz könnten dann schwerer abgefedert werden.

Hohe Preise erschweren Einspeicherung

Als Grund fĂŒr die niedrigen FĂŒllstĂ€nde gelten unter anderem hohe und schwankende Großhandelspreise infolge geopolitischer Konflikte. FĂŒr HĂ€ndler ist es dadurch weniger attraktiv, Gas im Sommer teuer einzukaufen und im Winter zu verkaufen.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche wies das bundeseigene Energieunternehmen Sefe Ende September an, zusĂ€tzlich Erdgas einzuspeichern. Weitere Ausschreibungen sollen verhindern, dass Gasmengen zu frĂŒh aus den Speichern entnommen werden; ihre Wirkung zeigt sich teilweise erst nach dem Stichtag.

Gasreserve ab 2027 geplant

Die geltenden FĂŒllstandsvorgaben treten am 31. MĂ€rz 2027 außer Kraft. Geplant ist eine nationale Gasreserve, die ab dem Winter 2027 schrittweise aufgebaut werden soll.

Die Reserve soll 24 Milliarden Kilowattstunden umfassen und damit etwa zehn Prozent der SpeicherkapazitĂ€t entsprechen. Sie ist fĂŒr ExtremfĂ€lle, Sabotage und seltene Großereignisse vorgesehen und soll ĂŒber eine Umlage finanziert werden.

Die verfehlte November-Vorgabe bedeutet zunĂ€chst keine automatische Sanktion und keine unmittelbare Unterbrechung der Gasversorgung. Das geltende Regelwerk sieht fĂŒr die Zielwerte kein Bußgeld vor; Behörden könnten jedoch unter bestimmten Voraussetzungen gebuchte, nicht genutzte SpeicherkapazitĂ€ten neu vergeben lassen.

FĂŒr die Versorgung zĂ€hlt neben der gespeicherten Gesamtmenge auch, wie schnell Gas aus den Anlagen entnommen werden kann. Mit sinkendem FĂŒllstand nimmt diese Ausspeicherleistung ab. Das erhöht vor allem gegen Ende eines langen, kalten Winters die Bedeutung der Speicher, wenn gleichzeitig hohe Verbrauchsspitzen auftreten können.

Preisrisiko bleibt bestehen

Deutschland verfĂŒgt inzwischen ĂŒber mehrere Importwege: Pipelinegas aus Norwegen, LNG-Terminals und Lieferungen ĂŒber europĂ€ische Nachbarn. Diese Infrastruktur kann EngpĂ€sse abfedern, ersetzt aber nicht vollstĂ€ndig den Sicherheitspuffer in den Speichern. Die Bundesnetzagentur und das Wirtschaftsministerium bewerten die unmittelbare Versorgungslage weiterhin als stabil.

FĂŒr Haushalte und Unternehmen liegt das wichtigste Risiko deshalb zunĂ€chst bei den Preisen. MĂŒssen Versorger bei KĂ€lte oder Störungen zusĂ€tzlich Gas an kurzfristigen MĂ€rkten beschaffen, können Preisspitzen entstehen. Wie stark sie auf Rechnungen durchschlagen, hĂ€ngt von VertrĂ€gen, Preisgarantien und dem Beschaffungsverhalten der Anbieter ab.

Neue Reserve soll LĂŒcke schließen

Die bisherigen FĂŒllstandsvorgaben laufen am 31. MĂ€rz 2027 aus. Geplant ist anschließend eine nationale Gasreserve von 24 Milliarden Kilowattstunden, die schrittweise aufgebaut und ĂŒber eine Umlage finanziert werden soll. Sie wĂ€re vor allem fĂŒr ExtremfĂ€lle, Sabotage und seltene Großereignisse gedacht und ersetzt nicht die laufende Beschaffung fĂŒr den Winter.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „Deutschlands Gasspeicher historisch niedrig gefĂŒllt – was jetzt bei den Gaspreisen droht“ (01.11.2026)

Der Beitrag bestĂ€tigt den niedrigen FĂŒllstand und stellt stĂ€rker als die dpa-Meldung die möglichen Folgen fĂŒr Gaspreise und den Streit mit Italien heraus. Zugleich verweist er auf die stabile EinschĂ€tzung der Bundesnetzagentur und auf zusĂ€tzliche Beschaffung durch Sefe.

ZDFheute: „Gasspeicher-FĂŒllstĂ€nde: Warum der Winter teuer werden könnte“ (01.11.2026)

Der Beitrag betont, dass ein Gasmangel derzeit nicht erwartet werde, ein sehr kalter Winter aber Preisspitzen auslösen könne. Anders als die dpa-Meldung ordnet er die Lage stÀrker in den europÀischen Gasmarkt und die Entwicklung der Importpreise ein.

Übereinstimmung besteht beim niedrigen Speicherstand und der weiterhin gewĂ€hrleisteten unmittelbaren Versorgung. Unterschiede liegen vor allem bei der Gewichtung von Preisrisiken, europĂ€ischer SolidaritĂ€t und der Frage, wie stark zusĂ€tzliche Importe einen fehlenden Puffer ausgleichen können.

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