Gasspeicher erreichen zum 1. November nur 61,2 Prozent
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 12:24 Uhr | dpa, AD HOC NEWSWinterversorgung zwischen Reserve und Importen
- Zum 1. November sollten die deutschen Speicher durchschnittlich 70 Prozent erreichen.
- FĂŒr sechs Speicher gilt ein reduziertes Ziel von 45 Prozent, fĂŒr die ĂŒbrigen Anlagen grundsĂ€tzlich 80 Prozent.
- Die geplante nationale Gasreserve soll ab 2027 schrittweise 24 Milliarden Kilowattstunden umfassen.
Gasspeicher bleiben zum Winterstart unter Vorgabe
Die deutschen Gasspeicher sind zum 1. November nur zu rund 61,2 Prozent gefĂŒllt und verfehlen damit die gesetzliche Durchschnittsvorgabe von 70 Prozent. Das Bundeswirtschaftsministerium und die Bundesnetzagentur halten die Gasversorgung fĂŒr den Winter dennoch fĂŒr gesichert.
Vorgabe ohne unmittelbare Sanktion
Die Unterschreitung hat zunĂ€chst keine direkten Folgen, weil das Gesetz keine Sanktionen vorsieht. Wirtschaftsministerium und Bundesnetzagentur könnten theoretisch MaĂnahmen einleiten, etwa ungenutzte gebuchte KapazitĂ€ten entziehen und fĂŒr zusĂ€tzliche BefĂŒllung einsetzen.
Nach Angaben des Verbands Gas- und Wasserwirtschaft lagern derzeit rund 150 Terawattstunden Gas in den Speichern. Das sei mehr, als im vergangenen Winter entnommen worden sei, erklÀrte Verbandsvorstand Timm Kehler.
Behörden verweisen auf mehrere Bezugswege
Eine Sprecherin der Bundesnetzagentur bezeichnete die Versorgung als stabil und die Gefahr einer angespannten Lage nach aktuellem Erkenntnisstand als gering. Eine Sprecherin von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sagte, Deutschland werde voraussichtlich gut durch den Winter kommen.
FĂŒr die Versorgung seien nicht allein die SpeicherstĂ€nde entscheidend, sondern auch laufende Importe, die Ausspeicherung und weitere VorsorgemaĂnahmen. Gas kommt insbesondere ĂŒber Pipelines aus Norwegen, LNG-Terminals und europĂ€ische NachbarlĂ€nder.
Warnung vor SpÀtwinter-Risiken
Der Speicherverband Initiative Energien Speichern wertet die verfehlte Vorgabe als ernstzunehmendes Warnsignal. Geringere Reserven erhöhten die Verwundbarkeit bei auĂergewöhnlicher KĂ€lte oder zusĂ€tzlichen Störungen der Gasimporte, sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrer Sebastian Heinermann.
Besonders kritisch könnten niedrige SpeicherstĂ€nde im Februar und MĂ€rz werden. Mit sinkendem FĂŒllstand nimmt auch die technisch verfĂŒgbare Ausspeicherleistung ab, sodass die Anlagen an kalten Tagen weniger Gas pro Tag bereitstellen können.
Hohe Preise bremsen die BefĂŒllung
Als Grund fĂŒr die niedrigen FĂŒllstĂ€nde gilt unter anderem die wirtschaftlich unattraktive Einspeicherung. Wegen hoher GroĂhandelspreise ist Gas im Sommer derzeit nur begrenzt gĂŒnstiger als der erwartete Winterpreis.
GrĂŒnen-Energiepolitiker Michael Kellner warf Reiche mangelnde Vorsorge vor und warnte vor höheren Gas- und Strompreisen. Kehler verwies ebenfalls auf mögliche Preisspitzen an den SpotmĂ€rkten, falls geringe Reserven mit KĂ€lteperioden zusammentreffen.
Geplante Gasreserve ab 2027
Die geltenden FĂŒllstandsvorgaben laufen am 31. MĂ€rz 2027 aus. Die Bundesregierung plant stattdessen eine nationale Gasreserve, die ab dem Winter 2027 schrittweise ĂŒber mehrere Jahre aufgebaut werden soll.
Die Reserve soll 24 Milliarden Kilowattstunden umfassen, etwa zehn Prozent der SpeicherkapazitĂ€t entsprechen und ĂŒber eine Umlage finanziert werden. Sie ist fĂŒr ExtremfĂ€lle, Sabotage und seltene GroĂereignisse vorgesehen.
Die verfehlte November-Vorgabe verĂ€ndert zunĂ€chst nicht automatisch die Versorgungslage. Das geltende Regelwerk sieht fĂŒr die Zielwerte keine Sanktionen vor; Wirtschaftsministerium und Bundesnetzagentur könnten jedoch theoretisch eingreifen, wenn gebuchte SpeicherkapazitĂ€ten nicht genutzt werden.
Entscheidend ist neben der gespeicherten Gesamtmenge, wie viel Gas an kalten Tagen kurzfristig ausgespeichert werden kann. Mit sinkendem FĂŒllstand nimmt diese technische Leistung ab. Das erhöht die Bedeutung der Importe ĂŒber Pipelines, der LNG-Terminals und der Lieferungen aus europĂ€ischen Nachbarstaaten, besonders in einer lĂ€ngeren KĂ€ltephase.
Risiko fĂŒr SpĂ€twinter und Preise
Die unmittelbare Versorgung gilt nach EinschĂ€tzung der zustĂ€ndigen Behörden weiterhin als stabil. Ein niedrigerer Puffer kann aber die AnfĂ€lligkeit fĂŒr Störungen oder auĂergewöhnlich hohen Verbrauch erhöhen und bei zusĂ€tzlichem Einkaufsbedarf Preisspitzen begĂŒnstigen. FĂŒr Haushalte hĂ€ngt eine mögliche Belastung davon ab, wann Versorger einkaufen, welche VertrĂ€ge bestehen und ob Preisgarantien gelten.
Die politische Debatte richtet sich deshalb auf die Zeit nach dem kommenden Winter. Die bisherigen FĂŒllstandsvorgaben laufen am 31. MĂ€rz 2027 aus. Geplant ist eine nationale Gasreserve von 24 Milliarden Kilowattstunden, die ab 2027 schrittweise aufgebaut und ĂŒber eine Umlage finanziert werden soll. Sie soll vor allem ExtremfĂ€lle, Sabotage und seltene GroĂereignisse abdecken; eine verbindlichere Absicherung der regulĂ€ren WinterbefĂŒllung bleibt davon zu unterscheiden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
BR: âGasversorger verfehlen zum heutigen Stichtag die gesetzliche Vorgabeâ (01.11.2026)
Der Bayerische Rundfunk berichtet, die Versorgungsunternehmen hĂ€tten den gesetzlich geforderten durchschnittlichen FĂŒllstand von 70 Prozent verfehlt und nur gut 61 Prozent erreicht. Im Mittelpunkt steht der Gegensatz zwischen der Warnung des Speicherverbands und der EinschĂ€tzung der Bundesnetzagentur, die Versorgung sei stabil.
Die Frankfurter Rundschau stellt neben der verfehlten Vorgabe mögliche Folgen fĂŒr Gaspreise und Verbraucher in den Vordergrund. Der Beitrag thematisiert zudem VorwĂŒrfe aus Italien sowie die technische Bedeutung der Speicherleistung am Ende eines kalten Winters.
Beide BeitrĂ€ge bestĂ€tigen den niedrigen FĂŒllstand und die verfehlte Vorgabe. Unterschiede bestehen vor allem beim Schwerpunkt: WĂ€hrend der BR die unmittelbare Versorgungslage gegenĂŒber den Warnungen einordnet, betont die Frankfurter Rundschau zusĂ€tzlich Preisrisiken und europĂ€ische Spannungen.
