Gasspeicher: Reiche weist Sefe zu zusÀtzlicher Einspeicherung an
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 15:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) weist das bundeseigene Energieunternehmen Sefe an, bis zum 15. Dezember zusÀtzlich 8 Terawattstunden Erdgas zu beschaffen und einzuspeichern.
Staatliche Vorsorge wegen geopolitischer Risiken
Die Anweisung erfolge in Absprache mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), teilte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums mit. Hintergrund seien die anhaltenden geopolitischen Risiken und die Sorge, dass sich die Lage weiter zuspitzen könnte.
Der Iran blockiert im Konflikt mit den USA den Verkehr durch die fĂŒr den weltweiten Ăl- und Gashandel wichtige StraĂe von Hormus weitgehend. Die Ministeriumssprecherin erklĂ€rte, der Bedarf fĂŒr eines der vorbereiteten Instrumente zur Krisenvorsorge sei nun eingetreten.
Sefe erhÀlt konkreten Beschaffungsauftrag
Ein Sefe-Sprecher bestĂ€tigte den Auftrag. Das Unternehmen werde selbst entscheiden, welche Mengen zu welchem Zeitpunkt eingespeichert wĂŒrden, und die zusĂ€tzlichen Lieferungen beschaffen.
Die deutschen Gasspeicher haben insgesamt ein Volumen von rund 247 Terawattstunden. Aktuell sind sie zu knapp 58 Prozent gefĂŒllt. HĂ€ndler kaufen Gas normalerweise im Sommer, wenn die Preise niedriger sind, und verkaufen es im Winter weiter.
Hohe Preise erschweren BefĂŒllung
Wegen der geopolitischen Krise sind die GroĂhandelspreise gestiegen. Dadurch ist die Einspeicherung wirtschaftlich weniger attraktiv, weil Gas derzeit teurer eingekauft werden muss, als es nach den Erwartungen fĂŒr den Winter verkauft werden kann.
Die Erwartung an alle anderen Marktteilnehmer, ihren Verpflichtungen zur BefĂŒllung fĂŒr den Winter nachzukommen, bleibe unverĂ€ndert bestehen. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft begrĂŒĂte die zusĂ€tzliche staatliche Absicherung und verwies auf LNG-Terminals sowie Pipeline-Lieferungen, insbesondere aus Norwegen.
GrĂŒne kritisieren spĂ€tes Handeln
Der GrĂŒnen-Energiepolitiker Michael Kellner bezeichnete die MaĂnahme als ĂŒberfĂ€llig und bezweifelte, dass sie ausreiche. Reiche hatte vor drei Wochen im Bundestag erklĂ€rt, die Regierung habe Vorkehrungen fĂŒr jedes Szenario getroffen.
In einem Bericht des Wirtschaftsministeriums fĂŒr den Bundestag hatte es Mitte September geheiĂen, nach damaligem Erkenntnisstand sei eine Gasmangellage im kommenden Winter nicht zu erwarten. Bereits damals hatte das Ministerium GesprĂ€che mit Sefe ĂŒber zusĂ€tzliche Einspeicherung gefĂŒhrt; eine förmliche Anweisung lag zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor.
Strategische Gasreserve ab 2027 geplant
Reiche plant zusĂ€tzlich eine strategische Gasreserve. Nach einer entsprechenden GesetzesĂ€nderung soll ihr Aufbau 2027 beginnen. Wie die Reserve finanziert wird, ist noch offen: Im GesprĂ€ch sind eine Umlage ĂŒber die Gaskunden, Mittel aus dem Bundeshaushalt oder ein Mischmodell.
Sefe hieĂ frĂŒher Gazprom Germania und war eine Tochter des russischen Staatskonzerns Gazprom. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine und der Energiekrise wurde das Unternehmen verstaatlicht; nach Vorgaben der EU-Kommission muss der Bund Sefe bis Ende 2028 weitgehend privatisieren.
Niedrige SpeicherstÀnde erhöhen den Vorsorgedruck
Die deutschen Gasspeicher sind mit knapp 58 Prozent deutlich weniger gefĂŒllt als in den vergangenen Jahren. Damit steht vor der Heizperiode weniger physischer Puffer zur VerfĂŒgung. Nach EinschĂ€tzung des Leipziger GashĂ€ndlers VNG reicht die vorhandene Menge fĂŒr einen normalen Winter; lĂ€ngere KĂ€lteperioden, geringere Importe oder technische AusfĂ€lle könnten die Lage jedoch verschĂ€rfen.
Die zusĂ€tzliche Beschaffung durch Sefe ist deshalb vor allem eine staatliche VorsorgemaĂnahme. Sie soll einen Teil des Risikos abfedern, das aus hohen Weltmarktpreisen und unsicheren LNG-Lieferungen entsteht. Zugleich bleibt Deutschland auf laufende Importe angewiesen: FlĂŒssiggas-Terminals, Pipeline-Lieferungen und die Beschaffung der ĂŒbrigen Marktteilnehmer mĂŒssen gemeinsam zur Versorgung beitragen.
Preise und EU-Vorgaben
Die geopolitische Krise wirkt unmittelbar auf den Gasmarkt. Eine anhaltende Blockade der StraĂe von Hormus kann LNG verteuern und den Wettbewerb Europas mit asiatischen Abnehmern verschĂ€rfen. Niedrige SpeicherstĂ€nde bedeuten dann nicht automatisch eine Mangellage, erhöhen aber die Kosten und verringern den Spielraum bei einer unerwartet hohen Nachfrage.
Auf EU-Ebene gelten weiterhin BefĂŒllungsvorgaben, zugleich wurde den Mitgliedstaaten angesichts der hohen Preise mehr FlexibilitĂ€t eingerĂ€umt. Deutschland plant darĂŒber hinaus eine strategische Gasreserve, deren Aufbau nach einer GesetzesĂ€nderung 2027 beginnen soll. Offen ist, ob dafĂŒr Gaskunden, der Bundeshaushalt oder ein Mischmodell aufkommen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
MDR: âEntwickelt in Bayern, gebaut bei Leipzig: Flugzeugproduktion startet am Flughafen Leipzig/Halleâ (30.09.2026)
Der Beitrag ordne ein, die GasvorrĂ€te reichten nach EinschĂ€tzung des Leipziger HĂ€ndlers VNG fĂŒr einen normalen Winter. Zugleich hebe er hervor, bei lang anhaltender KĂ€lte, geringeren Importen oder technischen Problemen könnten Schwierigkeiten entstehen; zusĂ€tzlich seien höhere Heizkosten möglich. Damit bestĂ€tige der Bericht die Vorsorgeentscheidung, setze den Schwerpunkt aber auf die EinschĂ€tzung der grundsĂ€tzlichen Versorgungssicherheit.
Euronews: âGeht uns das Gas aus? So sicher ist die EU fĂŒr den Winterâ (28.09.2026)
Der Bericht beschreibe die europĂ€ischen SpeicherstĂ€nde als niedrig und verweise auf den teuren Wettbewerb um LNG. Zugleich schreibe er, die EU-Kommission sehe derzeit kein unmittelbares Risiko fĂŒr die Versorgungssicherheit und erlaube mehr FlexibilitĂ€t bei den BefĂŒllungszielen. Anders als der MDR-Beitrag betone Euronews stĂ€rker die europĂ€ische Dimension, die Preisrisiken und mögliche Folgen fĂŒr den Strommarkt.
Beide BeitrÀge stellten keine unmittelbare Gasmangellage fest. Unterschiede gebe es beim Schwerpunkt: WÀhrend der MDR die normale Winterversorgung in Deutschland hervorhebe, richte Euronews den Blick auf geopolitische Risiken, EU-Regeln und steigende Beschaffungskosten.
