Gasspeicher, Sefe

Gasspeicher: Reiche weist Sefe zu zusÀtzlicher Gasbeschaffung an

Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 11:06 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche lĂ€sst das bundeseigene Energieunternehmen Sefe zusĂ€tzliches Erdgas beschaffen und einspeichern. Bis zum 15. Dezember sollen 8 Terawattstunden in die Speicher gelangen, deren FĂŒllstand derzeit bei knapp 58 Prozent liegt.

  • Wirtschaftsministerin Reiche: «Wir haben Vorkehrungen getroffen fĂŒr jedes Szenario.» - Bild: Fabian Sommer/dpa
    Wirtschaftsministerin Reiche: «Wir haben Vorkehrungen getroffen fĂŒr jedes Szenario.» - Bild: Fabian Sommer/dpa
  • Speicher in Rehden. - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa
    Speicher in Rehden. - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa
  • Kommt eine neue Umlage? - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
    Kommt eine neue Umlage? - Bild: Bernd Weißbrod/dpa
  • Die FĂŒllstĂ€nde der Speicher sind niedrig. - Bild: Peter Kneffel/dpa
    Die FĂŒllstĂ€nde der Speicher sind niedrig. - Bild: Peter Kneffel/dpa
Wirtschaftsministerin Reiche: «Wir haben Vorkehrungen getroffen fĂŒr jedes Szenario.» - Bild: Fabian Sommer/dpa Speicher in Rehden. - Bild: Hauke-Christian Dittrich/dpa Kommt eine neue Umlage? - Bild: Bernd Weißbrod/dpa Die FĂŒllstĂ€nde der Speicher sind niedrig. - Bild: Peter Kneffel/dpa

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) lÀsst wegen der niedrigen deutschen GasspeicherstÀnde und anhaltender geopolitischer Risiken das bundeseigene Energieunternehmen Sefe zusÀtzlich Erdgas beschaffen und einspeichern.

Sefe erhÀlt konkrete Vorgabe

Nach Angaben einer Sprecherin des Wirtschaftsministeriums entschied Reiche dies in Absprache mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Sefe bestÀtigte, vom Ministerium die Anweisung erhalten zu haben, bis zum 15. Dezember 8 Terawattstunden Gas zu beschaffen und einzuspeichern.

Das Ministerium bezeichnete den Schritt als zusÀtzlichen Beitrag zur Krisenvorsorge und zur WiderstandsfÀhigkeit der deutschen Gasversorgung. Sefe soll selbst entscheiden, zu welchem Zeitpunkt und in welchen Mengen das Gas eingespeichert wird.

Speicher deutlich weniger gefĂŒllt

Die deutschen Gasspeicher sind derzeit zu knapp 58 Prozent gefĂŒllt. Ihr Gesamtvolumen betrĂ€gt nach Angaben des Branchenverbands Initiative Energien Speichern rund 247 Terawattstunden.

Normalerweise kaufen HĂ€ndler Erdgas im Sommer zu niedrigeren Preisen und verkaufen es im Winter mit Gewinn. Dieser sogenannte Sommer-Winter-Spread schafft den wirtschaftlichen Anreiz fĂŒr die Einspeicherung. Wegen der hohen Großhandelspreise ist dieser Anreiz derzeit begrenzt.

Geopolitische Risiken belasten den Markt

Als zentralen Grund fĂŒr die Maßnahme nannte das Ministerium die weiter andauernden geopolitischen Risiken. Die fĂŒr die Versorgung wichtige Straße von Hormus sei wegen des Iran-Kriegs weiterhin blockiert, was zu höheren Großhandelspreisen fĂŒhre.

Die Erwartung an andere Marktakteure, ihren Verpflichtungen zur Einspeicherung nachzukommen, bleibe nach Angaben des Ministeriums ohne EinschrĂ€nkung bestehen. Reiche hatte vor drei Wochen im Bundestag erklĂ€rt, die Regierung habe Vorkehrungen fĂŒr jedes Szenario getroffen.

Regierung hĂ€lt Gasmangellage nicht fĂŒr wahrscheinlich

In einem Bericht des Wirtschaftsministeriums fĂŒr eine Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses des Bundestags hatte es Mitte September geheißen, nach damaligem Erkenntnisstand sei eine Gasmangellage im kommenden Winter nicht zu erwarten. Zugleich war das Ministerium bereits in GesprĂ€chen mit Sefe ĂŒber eine zusĂ€tzliche Einspeicherung.

Sefe, frĂŒher Gazprom Germania, wurde infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und der Energiekrise verstaatlicht. Nach Vorgaben der EU muss der Bund das Unternehmen bis Ende 2028 wieder weitgehend privatisieren.

Strategische Gasreserve ab 2027 geplant

Reiche plant außerdem eine strategische Gasreserve. Der Aufbau soll nach einer fĂŒr 2027 vorgesehenen GesetzesĂ€nderung beginnen. Sie soll Risiken abdecken, falls EnergieflĂŒsse nach Deutschland in einer Krisensituation gestört werden.

Offen ist die Finanzierung. Als Möglichkeiten gelten eine Umlage ĂŒber die Gaskunden, eine Finanzierung aus dem Bundeshaushalt oder ein Mischmodell.

Niedrige SpeicherstÀnde erhöhen den Handlungsdruck

Mit knapp 58 Prozent liegen die deutschen Gasspeicher Ende September deutlich unter dem Niveau, das fĂŒr den Übergang in die Heizsaison komfortabel wĂ€re. FĂŒr die Versorgungssicherheit zĂ€hlt dabei nicht nur die gespeicherte Menge, sondern auch, wie schnell zusĂ€tzliches Gas beschafft und in die Speicher eingebracht werden kann.

Die EU erlaubt wegen der angespannten Marktbedingungen eine flexiblere BefĂŒllung als das ursprĂŒngliche Ziel von 90 Prozent zum 1. November. FĂŒr Deutschland gilt nach der angepassten Vorgabe ein Ziel von 80 Prozent. Der staatliche Auftrag an Sefe ist deshalb vor allem ein Instrument, um den wirtschaftlich schwachen Anreiz fĂŒr HĂ€ndler teilweise auszugleichen und einen grĂ¶ĂŸeren physischen Puffer aufzubauen.

Preise, Weltmarkt und politische Verantwortung

Die Lage wird durch geopolitische Risiken und die eingeschrĂ€nkte VerfĂŒgbarkeit von FlĂŒssigerdgas verschĂ€rft. Europa konkurriert auf dem Weltmarkt mit asiatischen Abnehmern; ein niedriger Speicherstand kann dadurch zu höheren Beschaffungskosten fĂŒhren. FĂŒr Haushalte und Unternehmen bedeutet das zunĂ€chst vor allem ein erhöhtes Preisrisiko, nicht automatisch eine bevorstehende Mangellage.

Die zusĂ€tzliche Beschaffung verlagert zugleich Verantwortung und Kosten stĂ€rker auf den Staat. Sefe soll bis zum 15. Dezember 8 Terawattstunden einkaufen und einspeichern, wĂ€hrend andere Marktakteure weiterhin selbst fĂŒr ihre Speicherpflichten einstehen sollen. Die geplante strategische Gasreserve ab 2027 soll die Vorsorge verstetigen; offen bleibt, ob sie ĂŒber eine Umlage, aus dem Bundeshaushalt oder ĂŒber eine Mischfinanzierung bezahlt wird.

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