ROUNDUP, Israel

Israel beginnt vor MilitÀreinsatz mit Evakuierung von Rafah

06.05.2024 - 11:08:39

GAZA/TEL AVIV - Vor einem erwarteten MilitĂ€reinsatz hat Israels Armee mit der Evakuierung der Stadt Rafah im sĂŒdlichen Gazastreifen begonnen.

(neu: Aktualisierung mit Verteidigungsminister, PrÀzisierung der Armee.)

GAZA/TEL AVIV (dpa-AFX) - Vor einem erwarteten MilitĂ€reinsatz hat Israels Armee mit der Evakuierung der Stadt Rafah im sĂŒdlichen Gazastreifen begonnen. Das MilitĂ€r rief die Einwohner des östlichen Teils der Stadt an der Grenze zu Ägypten am Montag dazu auf, sich in das einige Kilometer nördlich gelegene Al-Mawasi-Lager am Mittelmeer zu begeben. Betroffen sind schĂ€tzungsweise 100 000 Menschen, wie ein MilitĂ€rsprecher sagte. Sie wurden demnach per SMS, Telefon sowie mit FlugblĂ€ttern und ĂŒber arabischsprachige Medien informiert.

Indirekte Verhandlungen Israels mit der islamistischen Terrororganisation Hamas in Kairo ĂŒber eine neue Feuerpause im Gaza-Krieg und die Freilassung von Geiseln im Gegenzug fĂŒr palĂ€stinensische HĂ€ftlinge waren zuvor ohne Ergebnis geblieben. Der israelische Verteidigungsminister Joav Galant sagte nach Angaben seines BĂŒros bei einem Telefonat mit seinem US-Amtskollegen Lloyd Austin, die Hamas habe bei den GesprĂ€chen alle VorschlĂ€ge abgelehnt. Daher sei eine MilitĂ€raktion in Rafah jetzt notwendig und ohne Alternative. "Der Staat Israel wird die fortwĂ€hrende PrĂ€senz von Terrorstrukturen an der Grenze zu seinen Ortschaften nicht dulden." Israels VerbĂŒndete warnen dagegen seit Monaten eindringlich vor einer solchen Offensive in Rafah, weil sich dort Hunderttausende palĂ€stinensische BinnenflĂŒchtlinge drĂ€ngen.

Der MilitĂ€rsprecher sagte, es handele sich um einen "begrenzten Einsatz". Die Menschen sollten sich in eine "erweiterte humanitĂ€re Zone" im Bereich Al-Mawasi begeben. Dort gebe es Nahrungsmittel, Wasser und Medikamente. Die Armee ermögliche dort auch die Einrichtung von FeldkrankenhĂ€usern. Er konnte nicht sagen, wie viel Zeit die Menschen fĂŒr die Evakuierung haben.

Der Sprecher betonte, die Versorgung der Bevölkerung mit humanitĂ€ren HilfsgĂŒtern werde wĂ€hrend des RĂ€umungseinsatzes ungehindert weitergehen. Man könnte diese ĂŒber verschiedene Routen in den KĂŒstenstreifen bringen, etwa ĂŒber den Hafen in Aschdod.

Israel will mit dem MilitĂ€reinsatz in Rafah die verbliebenen Bataillone der islamistischen Terrororganisation Hamas zerschlagen, die sie seit Oktober in dem KĂŒstenstreifen bekĂ€mpft. Es werden auch Geiseln in der Stadt an der Grenze zu Ägypten vermutet.

Der MilitĂ€rsprecher sagte, Israel habe am Vortag eine "gewaltsame Erinnerung an die PrĂ€senz und die operationalen FĂ€higkeiten der Hamas in Rafah erhalten". Mitglieder des militĂ€rischen Hamas-Arms hatten am Sonntag Raketen auf den israelischen GrenzĂŒbergang Kerem Schalom gefeuert und dabei drei israelische Soldaten getötet. Kerem Schalom ist der wichtigste GrenzĂŒbergang fĂŒr die Lieferung von HilfsgĂŒtern aus Israel in den Gazastreifen. Die Armee schloss ihn nach dem Raketenangriff vorĂŒbergehend fĂŒr humanitĂ€re Transporte. Das MilitĂ€r bombardierte im Anschluss nach eigenen Angaben im Gazastreifen den Ort in der NĂ€he des GrenzĂŒbergangs Rafah zu Ägypten, von dem der Angriff ausgegangen war.

Vor KampfeinsĂ€tzen in Rafah will Israel die Stadt nach eigenen Angaben zunĂ€chst evakuieren. Es wird erwartet, dass dies mehrere Wochen dauern könnte. Die Hamas habe ihre KĂ€mpfer in Rafah auf den Einsatz gegen Israel vorbereitet und sie mit Proviant und Waffen versorgt, hieß es aus Israel dazu. Auch die Zahl der WĂ€chter fĂŒr die Geiseln ist nach Medienberichten verstĂ€rkt worden.

Nach Informationen des "Wall Street Journal" will Israel seine Bodenoffensive in Rafah in Etappen durchfĂŒhren. Das Blatt schrieb von zwei bis drei Wochen Evakuierung und sechs Wochen Offensive.

Ranghohe israelische Geheimdienst- und MilitĂ€rbeamte waren im vergangenen Monat in Kairo unter anderem mit dem Ă€gyptischen Geheimdienstchef zusammengetroffen, um Israels geplanten Einsatz seiner Armee in Rafah zu besprechen. Zuvor hatte der Vorsitzende des Ă€gyptischen Staatsinformationsdiensts SIS, Diaa Raschwan, noch erklĂ€rt, man fĂŒhre keine GesprĂ€che mit Israel ĂŒber dessen mögliche MilitĂ€roffensive in Rafah. Ägypten lehne PlĂ€ne fĂŒr solch eine Offensive entschieden ab und habe diese Position auch mehrfach klargestellt. Die Stadt im SĂŒden gilt als die einzige in dem abgeriegelten KĂŒstenstreifen, die noch vergleichsweise intakt ist.

Ägypten befĂŒrchtet unter anderem, es könnte bei einem Einsatz Israels in Rafah zu einem Ansturm von PalĂ€stinensern ĂŒber die Grenze kommen. In Rafah liegt der GrenzĂŒbergang vom Gazastreifen nach Ägypten, es ist auch ein wichtiges Tor fĂŒr humanitĂ€re Hilfslieferungen in den abgeriegelten KĂŒstenstreifen. Heftige KĂ€mpfe in Rafah könnten die Lieferungen von Nahrungsmitteln, Medikamenten und Treibstofff weiter erschweren.

@ dpa.de