Deutschland, Arbeit

Jeder zehnte junge Mensch nicht in Bildung oder Arbeit

Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 09:19 Uhr | dpa.de

Gegen den europĂ€ischen Trend steigt in Deutschland der Anteil junger Menschen, die ohne Job oder Bildungsplatz ins Leben starten. Das birgt fĂŒr sie und fĂŒr die Gesellschaft zahlreiche Risiken.

  • Ohne Job oder Ausbildung: Der Anteil steigt in Deutschland. (Archivbild)  - Bild: Helena Dolderer/dpa
    Ohne Job oder Ausbildung: Der Anteil steigt in Deutschland. (Archivbild) - Bild: Helena Dolderer/dpa
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    Ohne Job oder Ausbildung: Der Anteil steigt in Deutschland. (Archivbild) - Bild: Helena Dolderer/dpa
Ohne Job oder Ausbildung: Der Anteil steigt in Deutschland. (Archivbild)  - Bild: Helena Dolderer/dpa Ohne Job oder Ausbildung: Der Anteil steigt in Deutschland. (Archivbild)  - Bild: Helena Dolderer/dpa

In Deutschland steigt der Anteil junger Menschen, die ohne Job, Bildungs- oder Ausbildungsplatz dastehen. Im vergangenen Jahr traf das auf 10,0 Prozent der Menschen im Alter zwischen 20 und 24 Jahren zu, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Im Jahr davor waren es noch 9,5 Prozent, 2022 nur 8,8 Prozent. 

Ein hoher Anteil von jungen Menschen, die weder in Bildung, Ausbildung noch im Job stecken, birgt zahlreiche gesellschaftliche Risiken wie Arbeitslosigkeit, geringe Teilhabe, steigende KriminalitÀt oder politische Frustration. 

Auf der Suche nach den GrĂŒnden heißt es im nationalen Bildungsbericht aus dem Jahr 2024, dass etwa ein Viertel der Betroffenen auf Arbeitssuche sei. Rund 10 Prozent standen kurz vor der Aufnahme eines Studiums, einer Ausbildung oder eines Jobs. Nahezu zwei Drittel standen dem Arbeitsmarkt aber erst gar nicht zur VerfĂŒgung. Sie nannten hĂ€ufig Betreuungspflichten und gesundheitliche Probleme als HinderungsgrĂŒnde. 

Echte Ausbildungsgarantie gefordert

Einem wachsenden Teil der Jugendlichen gelinge der Übergang von Schule in Ausbildung und von Ausbildung in Arbeit nicht mehr, stellt Bettina Kohlrausch von der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung fest. «FĂŒr die Jugendlichen und jungen Erwachsenen bedeutet dies eine unsichere Zukunftsperspektive und eine höchstwahrscheinlich sehr holprige Erwerbskarriere. FĂŒr den deutschen Arbeitsmarkt bedeutet es, dass wichtige FachkrĂ€fte verloren gehen.» Abhilfe könne eine echte Ausbildungsgarantie bringen. 

Im internationalen Vergleich lieg die sogenannte NEET-Quote (Not in Employment, Education or Training - Nicht in Ausbildung, Weiterbildung oder BeschÀftigung) in Deutschland zwar deutlich unter dem EU-Schnitt von 12,9 Prozent. In den Niederlanden (5,6 Prozent) sowie Schweden oder Tschechien mit je gut sieben Prozent gibt es aber deutlich niedrigere Werte. Am höchsten ist die Quote in RumÀnien mit fast einem Viertel (22,8 Prozent) unversorgter Jugendlicher, gefolgt von Bulgarien (17,3 Prozent) und Frankreich (16,2 Prozent).

Junge Frauen hĂ€ufiger außen vor

Junge Frauen sind aktuell mit anteilig 10,5 Prozent etwas hĂ€ufiger betroffen als junge MĂ€nner mit 9,6 Prozent. Anders als im europĂ€ischen Bild sind in Deutschland auf dem Land weniger junge Menschen ohne Ausbildung oder BeschĂ€ftigung (7,9 Prozent) als in den grĂ¶ĂŸeren StĂ€dten (10,6 Prozent). 

«Wenn jeder zehnte junge Mensch weder in Bildung, Ausbildung noch in Arbeit ist, lĂ€uft etwas schief», sagt die Vorsitzende des Sozialverbands Deutschland, Michaela Engelmeier. Deutschland suche hĂ€nderingend FachkrĂ€fte, gleichzeitig stĂŒnden zu viele junge Menschen ohne Ausbildung oder Job da. Sie fordert: «Statt in Jobcentern und Arbeitsagenturen immer mehr ĂŒber Druck und Sanktionen zu reden, muss das Fördern wieder stĂ€rker in den Mittelpunkt, mit guter Beratung, Qualifizierung und UnterstĂŒtzung beim Einstieg in Arbeit.»

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