EU-Kommission prĂ€sentiert LockerungsplĂ€ne fĂŒr Gentechnik
05.07.2023 - 11:19:41Die EU-Kommission stellt am Mittwoch neue PlĂ€ne zum Umgang mit Gentechnik in der Landwirtschaft vor. Wie aus bekanntgewordenen EntwĂŒrfen hervorgeht, dĂŒrfte die BrĂŒsseler Behörde vorschlagen, die bestehenden Regeln deutlich zu lockern. Damit könnte es einfacher werden, mit Verfahren wie der Gen-Schere Crispr/Cas neue Pflanzen fĂŒr Nahrungs- und Futtermittel zu zĂŒchten. Eingriffe mit dieser Methode sind prĂ€zise, erzielte Ergebnisse können im Zweifel auch durch herkömmlichen Verfahren entstehen.
Ziel der Deregulierung ist unter anderem, dass schneller neue Pflanzen zum Einsatz kommen, die etwa widerstandsfĂ€higer gegen Wassermangel oder SchĂ€dlinge sind. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler drĂ€ngen schon lĂ€nger darauf, die strengen EU-Regeln fĂŒr sogenannte grĂŒne Gentechnik zu lockern.
Von Vertreterinnen und Vertretern der Ampel-Parteien waren bislang unterschiedliche Positionen zu dem Vorhaben zu hören. «Wer diese Technologie ablehnt, agiert fahrlÀssig und verantwortungslos», sagte Carina Konrad, stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende, der Deutschen Presse-Agentur. Dies sollten auch das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium endlich anerkennen.
Aus dem vom GrĂŒnen Cem Ăzdemir gefĂŒhrten Agrarministerium hieĂ es jĂŒngst, gentechnisch verĂ€nderte Pflanzen sollten eine RisikoprĂŒfung durchlaufen, gekennzeichnet werden und rĂŒckverfolgbar sein. Aus dem Bundesumweltministerium unter Leitung von Steffi Lemke (GrĂŒne) gab es skeptische ĂuĂerungen bezĂŒglich einer Lockerung von Gentechnik-Regeln.
Kritiker fĂŒrchten mehr Kontrolle durch groĂe Konzerne
Auch in den Reihen der SPD gibt es Kritik an der Gentechnik: «Ihr gesellschaftlicher Nutzen wird in der Theorie oft behauptet, aber in der Praxis zielt die Gentechnik auf Patente und Profite», sagte Entwicklungsministerin Svenja Schulze der Funke Mediengruppe.
Kritiker, etwa Nichtregierungsorganisationen, fĂŒrchten, dass groĂe Konzerne noch mehr Kontrolle ĂŒber die Lebensmittelproduktion bekommen könnten. Zudem sehen etwa VerbraucherschĂŒtzer die Gefahr, dass Menschen sich nicht mehr bewusst gegen Essen entscheiden könnten, das durch neue Gentechnikmethoden verĂ€ndert wurde. Mehr Risiken fĂŒr die Gesundheit durch eine Deregulierung wie geplant sehen weder die EU-Kommission noch Forscher. EU-Staaten und Europaparlament mĂŒssen die VorschlĂ€ge noch diskutieren und einen Kompromiss ausarbeiten.
Forschende haben das Vorhaben bislang klar begrĂŒĂt: FĂŒhrende wissenschaftliche Organisationen in Deutschland und Europa bewerteten die Technologie Ă€hnlich wie die Kommission, betonte Nicolaus von WirĂ©n vom Leibniz-Institut fĂŒr Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung. Es gehe von derartig verĂ€nderten Pflanzen kein erhöhtes Risiko fĂŒr Mensch und Natur aus.
Franz-Martin Rausch, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer des Handelsverbands Lebensmittel (BVLH), sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), dass umfassende Verbraucherinformationen ein langjĂ€hriger Grundpfeiler des EU-Lebensmittelrechts sei und Verbrauchern eine Wahlmöglichkeit gelassen werden sollte.


