Pleitewelle im Einzelhandel: MĂ€c Geiz meldet Insolvenz an
12.05.2026 - 14:50:06 | dpa.deDer stationĂ€re Einzelhandel in Deutschland dĂŒnnt aus. Laut Prognose des Branchenverbandes HDE dĂŒrfte die Zahl der GeschĂ€fte in diesem Jahr erstmals unter 300.000 sinken. Jahr fĂŒr Jahr schlieĂen deutlich mehr LĂ€den als neue eröffnen. Womöglich wird auch der Non-Food-Discounter MĂ€c Geiz bald einige seiner Filialen aufgeben.
Die MĂ€c Geiz Handelsgesellschaft mbH hat in dieser Woche einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung beim Amtsgericht Halle (Saale) gestellt. Dies wurde auf der amtlichen Internetseite Insolvenzbekanntmachungen.de mitgeteilt. Der GeschĂ€ftsbetrieb in den gut 180 Filialen soll vorerst weiterlaufen. SchlieĂungen sind jedoch möglich. Das teilte das Unternehmen mit, das in Landsberg in Sachsen-Anhalt beheimatet ist und knapp 1.200 Menschen beschĂ€ftigt.Â
MĂ€c Geiz nennt fĂŒr den Insolvenzantrag Ă€hnliche GrĂŒnde wie andere EinzelhĂ€ndler, die es zuletzt getroffen hat: die anhaltende KonsumzurĂŒckhaltung, die wirtschaftlichen Unsicherheiten sowie den wachsenden Onlinehandel. Viele Discounter profitieren derzeit vom ausgeprĂ€gten Preisbewusstsein der Kunden. Das Beispiel MĂ€c Geiz zeigt jedoch erneut, dass dies allein nicht genĂŒgt.
Jeder sechste EinzelhÀndler sieht Existenz bedroht
Jeder sechste EinzelhĂ€ndler in Deutschland fĂŒrchtet laut der monatlichen Konjunkturumfrage des Ifo-Instituts inzwischen um die Existenz. Im April schĂ€tzten 17,4 Prozent der Unternehmen ihre Lage als existenzbedrohend ein, so viele wie nie zuvor. Die Zahl der Insolvenzen in der Branche befindet sich auf dem höchsten Stand seit zehn Jahren. Der Kreditversicherer Allianz Trade verzeichnete im vergangenen Jahr 2.571 FĂ€lle. Branchenexperten erwarten weiter steigende Insolvenzzahlen.
Viele HĂ€ndler sind in den vergangenen Jahren in die Insolvenz geraten: Die Unternehmensgruppe BrĂŒder Schlau, zu der die Fachmarktkette Hammer gehört, stellte im Juni 2025 einen Insolvenzantrag und Anfang 2026 erneut. Zahlreiche Filialen schlossen zuletzt nach Ende des RĂ€umungsverkaufs.
Der Discounter Pepco und der DekohĂ€ndler Depot machten 2025 insolvenzbedingt jeweils einen groĂen Teil ihrer Filialen dicht. Zuvor traf es unter anderem den Non-Food-Discounter Kodi, der MĂ€c Geiz kĂŒrzlich ĂŒbernommen hat, und die Warenhauskette Galeria. Betroffen sind Unternehmen aus allen Einzelhandelsbranchen.
Immer mehr lokale VersorgungslĂŒcken
Der Einzelhandel befindet sich im Umbruch. Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts IFH Köln werden nur noch 64 Prozent der UmsĂ€tze mit Waren der Kernbranchen - wie Mode, Schmuck, Elektronik, Heimwerken, Wohnen und Produkten des tĂ€glichen Bedarfs - in VerkaufsrĂ€umen erzielt. Der reine Produktverkauf verliere an Bedeutung, dafĂŒr gewĂ€nnen handelsferne Bereiche wie Gesundheit, Freizeit und andere Dienstleistungen an Relevanz.Â
Laut IFH ist die Branche zunehmend geschwĂ€cht. Die sinkende Zahl der GeschĂ€fte spiegelt den Bedarf der Konsumenten kaum noch wider. Weil immer mehr lokale VersorgungslĂŒcken entstehen, Ă€ndert sich das Einkaufsverhalten. Kunden weichen deshalb stĂ€rker ins Internet aus.Â
IFH-Experte Ralf Deckers sieht Fachhandel und Discounter gleichermaĂen unter Druck. Sie stĂŒnden im wachsenden Wettbewerb mit asiatischen Shoppingplattformen, die vor allem bei jĂŒngeren Konsumenten beliebt seien.Â
SchÀtzung: Temu und Shein kosten Einzelhandel Milliarden
Das Forschungsinstitut IW Consult hat im Auftrag des HDE untersucht, wie stark die OnlinehĂ€ndler Temu und Shein dem Einzelhandel zusetzen. Der Branche entgehen demnach jĂ€hrlich UmsĂ€tze in Höhe von 2,5 Milliarden Euro - weil Verbraucher dort statt im deutschen Handel kaufen.Â
MÀc Geiz verkauft wie Action, Tedi oder Woolworth Produkte des tÀglichen Bedarfs wie Haushaltswaren und Drogerieartikel sowie Schreibwaren. Vieles davon können Verbraucherinnen und Verbraucher auch bequem im Internet kaufen - bei Temu, Amazon oder auf anderen Plattformen.
Ende 2015 gab es laut HDE noch etwa 372.000 GeschĂ€fte in Deutschland. In den vergangenen Jahren haben, nicht nur insolvenzbedingt, bereits Zehntausende geschlossen. HDE-PrĂ€sident Alexander von Preen warnte jĂŒngst vor den Folgen: «Viele InnenstĂ€dte leiden heute schon sichtlich unter LeerstĂ€nden. So kann und darf es nicht weitergehen.» Besserung sei nicht in Sicht.
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