Gesundheitsförderung, Betrieb

Gesundheitsförderung im Betrieb: Bis zu 600 Euro pro BeschÀftigtem steuerfrei

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 03:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Viele BeschÀftigte passen hybride ArbeitsplÀtze ergonomisch kaum an; Muskel-Skelett-Erkrankungen verursachen die hÀufigsten ArbeitsausfÀlle.

Ergonomischer Arbeitsplatz: Bewegungsmangel, Ausstattung und Kosten im Fokus
Ein minimalistisch gestalteter, heller Arbeitsplatz mit höhenverstellbarem Schreibtisch und ergonomischem BĂŒrostuhl. Illustration mit AI erstellt.

Ratgeber und aktuelle Produktberichte widmen sich verstĂ€rkt Konzepten, die Bewegung und Haltungskorrektur direkt in den Arbeitsalltag integrieren. Vor dem Hintergrund langer Sitzzeiten rĂŒcken dabei verstellbare Schreibtische, ergonomische BĂŒrostĂŒhle sowie kompakte LaufbĂ€nder und Walking Pads in den Mittelpunkt der betrieblichen und privaten Arbeitsplatzgestaltung.

Ergonomie und Bewegung gegen langes Sitzen

Erhebungen wie der DKV-Report verdeutlichen das Problem des Bewegungsmangels: Die Bevölkerung in Deutschland sitzt demnach bis zu 10,5 Stunden am Tag.

Bereits fĂŒnf bis zehn Minuten zusĂ€tzliche Bewegung tĂ€glich können das Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern. Um dem Bewegungsmangel im Arbeitszimmer entgegenzuwirken, rĂŒcken technische Lösungen wie das Walking Pad FoldiMix 5L des Herstellers UREVO WELLNESS US CO., LTD. in den Fokus.

Das GerĂ€t bietet einen Gehmodus von 1 bis 6 km/h sowie einen Laufmodus bis 12 km/h auf einer LaufflĂ€che von 40 × 100 cm. Das knapp 30 kg schwere Laufband besitzt neun motorisierte Steigungsstufen bis maximal 9 Prozent, trĂ€gt eine Volllast von bis zu 136 kg und integriert eine ArbeitsflĂ€che fĂŒr Laptops sowie Halterungen fĂŒr Tablets.

ErgĂ€nzend dazu betonen Fachratgeber grundlegende ergonomische Anforderungen. Der regelmĂ€ĂŸige Wechsel zwischen Sitzen und Stehen schont den Bewegungsapparat. Beim Sitzen sollten die FĂŒĂŸe flach auf dem Boden stehen und die Knie einen 90-Grad-Winkel bilden.

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Der BĂŒrostuhl erfordert idealerweise eine verstellbare Sitzhöhe, Armlehnen, eine RĂŒckenlehne und eine LordosenstĂŒtze. FĂŒr Bildschirme wird ein Abstand von 50 bis 70 cm beziehungsweise etwa einer ArmlĂ€nge empfohlen, wobei sich die Bildschirmoberkante auf Augenhöhe befinden sollte.

Tastatur und Maus sind so zu fĂŒhren, dass Unterarme horizontal und Handgelenke gerade aufliegen. Normen wie die ArbeitsstĂ€ttenverordnung und die DIN EN ISO 9241 fordern zudem eine BeleuchtungsstĂ€rke von mindestens 500 Lux sowie Schreibtischmaße von mindestens 160 cm Breite und 80 cm Tiefe.

Ausstattungsdefizite und Vorgaben im Arbeitsalltag

Trotz vorliegender Richtlinien besteht in der Praxis Nachholbedarf. Einer Untersuchung des Instituts fĂŒr Gesundheit und Ergonomie (IGR) zufolge nahmen 60 Prozent der befragten BeschĂ€ftigten an hybriden ArbeitsplĂ€tzen keine ergonomisch relevanten Anpassungen an Sitzhöhe, Tischhöhe oder Monitorposition vor.

Nur knapp 24 Prozent nutzten einen elektrisch höhenverstellbaren Tisch, und lediglich knapp 16 Prozent setzten auf eine ergonomische Maus oder Tastatur.

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Laut Angaben von PwC arbeiteten 2025 in Deutschland 24 Prozent der ErwerbstĂ€tigen zumindest teilweise im Homeoffice, 15 Prozent sogar ĂŒberwiegend oder ausschließlich. Dabei meldeten 18 Prozent Probleme infolge einer unzureichenden Arbeitsausstattung und 17 Prozent das Fehlen einer rĂ€umlichen Trennung.

Arbeitsschutzinstitutionen formulieren klare Rahmenbedingungen fĂŒr das BĂŒro: Nach Vorgaben der Bundesanstalt fĂŒr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) betrĂ€gt die MindestflĂ€che fĂŒr Arbeitsbereiche 1600 × 800 mm bei einem Höhenverstellbereich von mindestens 680 bis 1180 mm.

Eine Auswertung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) zeigt, dass 78 Prozent der BeschĂ€ftigten externe Tastaturen oder MĂ€use sowie 76 Prozent externe Monitore nutzen. Zudem aktualisierte die DGUV den Grundsatz 315-410 fĂŒr BĂŒromöbel gemeinsam mit DIN und IBA, um Mindestanforderungen an Sicherheit und Ergonomie an europĂ€ische Regelwerke anzupassen.

Wirtschaftliche Folgen und betriebliche PrÀvention

MĂ€ngel am Arbeitsplatz schlagen sich auch ökonomisch nieder. Nach Angaben von Haufe stellen Muskel-Skelett-Erkrankungen mit 19,8 Prozent die hĂ€ufigste Ursache fĂŒr ArbeitsunfĂ€higkeit dar, gefolgt von Atemwegserkrankungen mit 15,1 Prozent und psychischen Leiden mit 12,5 Prozent. Der Ausfall einer Fachkraft kostet ein mittelstĂ€ndisches Unternehmen pro Tag zwischen 300 und 500 Euro.

DemgegenĂŒber liegen die Anschaffungskosten fĂŒr einen BĂŒrostuhl meist zwischen 150 und 1.500 Euro. Eine Befragung der Hochschule Luzern aus dem Jahr 2014 zeigte zudem, dass 83 Prozent von rund 1.230 ErwerbstĂ€tigen ihre Motivation und Leistung durch die Arbeitsplatzgestaltung beeinflusst sehen.

Betriebe können im Rahmen des Einkommensteuergesetzes nach § 3 Nr. 34 EStG bis zu 600 Euro pro BeschĂ€ftigtem und Kalenderjahr steuer- und sozialabgabenfrei fĂŒr zertifizierte Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung bereitstellen. FörderfĂ€hig sind Angebote der Zentralen PrĂŒfstelle PrĂ€vention in Bereichen wie Bewegung und Stressmanagement, sofern sie zusĂ€tzlich zum regulĂ€ren Arbeitslohn gewĂ€hrt werden.

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