Gesundheitsprojekt, Assen

Gesundheitsprojekt in Assen: 1,94 Millionen Euro für 2.050 Beschäftigte

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 20:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Gesundheitsprogramme, neue Bürokonzepte und Pilotprojekte sollen Beschäftigte stärken; internationale Beispiele zeigen unterschiedliche Ansätze.
Ein minimalistischer, heller Büroraum mit natürlichem Licht und Pflanzen, der eine ruhige und gesunde Arbeitsumgebung symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Weltweit verstärken Arbeitgeber ihre Investitionen in Wellnessprogramme und die betriebliche Gesundheitsförderung. Dahinter steht die zunehmende Erkenntnis, dass das physische und mentale Wohlbefinden der Belegschaft eine entscheidende Voraussetzung für Produktivität und nachhaltiges Unternehmenswachstum darstellt.

Angesichts von Fachkräftemangel, steigenden Ausfallzeiten und strukturellen Veränderungen am Arbeitsplatz rückt die Mitarbeitergesundheit in den Fokus strategischer Unternehmensentscheidungen.

Hohe Ausfallzeiten und Produktivitätsverluste belasten Unternehmen

Die Notwendigkeit präventiver Maßnahmen verdeutlichen aktuelle Erhebungen zu Arbeitsunfähigkeit und Produktivität. In Deutschland verursachten psychische Erkrankungen im Jahr 2024 laut der Nationalen Präventionskonferenz (NPK) 147,3 Millionen Krankheitstage sowie 42 Prozent der Erwerbsminderungsrenten.

Die seit 2015 mit der nationalen Präventionsstrategie beauftragte NPK fordert daher eine Stärkung der Gesundheitsförderung und mentalen Gesundheit in Trainings für Führungskräfte, vereinfachte Risikobewertungen, Steueranreize für kleine und mittlere Betriebe sowie staatlich finanzierte Kampagnen zur Entstigmatisierung.

Auf internationaler Ebene zeigen sich ähnliche Belastungen. Der von TELUS Health gemeinsam mit Aon erstellte Mental Health Index für Argentinien ergab, dass 29 Prozent der Beschäftigten eine Beeinträchtigung ihrer Produktivität durch psychische Probleme melden.

Bei den Betroffenen beläuft sich der durchschnittliche Verlust auf 49 Arbeitstage pro Jahr, verglichen mit 23 Tagen bei nicht betroffenen Beschäftigten. Das Land erreichte 60,1 von 100 Punkten, den niedrigsten Wert unter zehn untersuchten Staaten der Region, deren Schnitt bei 64,9 Punkten lag.

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Zudem wiesen 88 Prozent ein mittleres oder hohes Risiko auf, 79 Prozent gingen mindestens an einem Tag pro Woche krank zur Arbeit, und 69 Prozent befürchteten berufliche Nachteile bei einer Offenlegung ihrer Situation.

Anpassung der Arbeitsumgebung und neue Bürokonzepte

Neben individuellen Programmen setzen Unternehmen verstärkt auf die Gestaltung der Arbeitsumgebung. Auf dem Podium Frankfurt Finance & Future Summit warnte der Chef des Büromöbelherstellers Sedus, Daniel Kittner, vor Produktivitätsverlusten durch unproduktive Tätigkeiten und Unterbrechungen von mehr als 20 Stunden pro 40-Stunden-Woche. Das traditionelle Großraumbüro habe ausgedient.

Hinsichtlich des technologischen Wandels erklärte Kittner, Künstliche Intelligenz könne die Produktivität um 20 bis 30 Prozent steigern. Während Michael Verhoeven von der Jobplattform Indeed betonte, KI vernichte Arbeitsplätze nicht, sondern verändere Profile, verwies Mark Fausel von der Kanzlei Bluedex auf drohende Arbeitsplatzverluste durch die Transformation.

In der Praxis modernisieren Betriebe ihre Standorte gezielt zur Steigerung des Wohlbefindens. Der Werkzeughersteller Einhell in Landau an der Isar setzt auf lichtdurchflutete Büros, begrünte Wände und Aufenthaltsbereiche.

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In Japan stellte Panasonic Electric Works am 25. September 2026 den Umbau des Werks Nara in Yamatokoriyama vor. Das Projekt markiert den ersten Well-Being-Umbau für ein Fabrikbüro, nachdem zuvor nur städtische Standorte angepasst worden waren.

Mit Blick auf Fachkräftemangel und Human-Capital-Management peilt der Geschäftsbereich bis 2030 rund 10 Milliarden Yen an. Nach Stand vom August 2026 fungiert das Unternehmen als einziger WELL-Zertifizierungsberater der japanischen Fertigungsindustrie und begleitete 2025 die meisten WELL-Platinum-Zertifizierungen im Land.

Initiativen von Pilotprojekten bis zum kognitiven Training

Auch öffentlich geförderte Programme und betriebliche Initiativen nehmen zu. In den Niederlanden startete am 22. Oktober 2026 in Assen das Projekt „Ondernemend in Leefstijl“ mit Fördermitteln in Höhe von 1.937.322 Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRO) und nationaler Kofinanzierung.

Unter der Federführung von TCNN erproben mindestens neun Arbeitgeber aus den Bereichen Pflege, Logistik und Metallindustrie Praxis-Piloten, um mindestens 2.050 Mitarbeiter zu erreichen und zwölf Lifestyle-Unternehmer einzubinden. Untersuchungsziel des Projekts ist der Nachweis einer Rendite von mindestens zwei Euro pro investiertem Euro.

In Brasilien belegte das Industrieunternehmen WEG mit einer Note von 9,61 den dritten Platz der Industrie im Branchenbericht des Instituts Philos Org hinter ArcelorMittal mit 12,61 Punkten und Embraer mit 10,91 Punkten.

WEG, mit Niederlassungen in 18 Ländern und über 49.000 Mitarbeitern, bot im Jahr 2025 über sein Programm „Viver Bem“ mehr als 3.800 Einzelberatungen in seinen Werken an.

Andere Firmen erweitern das Spektrum um geistige Fitness: Melanie Rosenwasser, Personalchefin bei Dropbox, prüft kognitive Trainings und analoge Klausuren mit Atemtechniken, um Belastungen durch digitale Reizüberflutung entgegenzuwirken.

In China gaben laut einer gemeinsamen Studie von Ping An Health Insurance und Mercer 81 Prozent der befragten Führungskräfte an, den strategischen Wert von Gesundheit voll anzuerkennen; 92 Prozent der Betriebe haben bereits entsprechende Leistungen implementiert.

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