Gesundheitsreform: Bundestag entscheidet am 10. Juli ĂŒber GKV-Stabilisierung
Veröffentlicht: 07.07.2026 um 08:43 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die gesetzlichen Krankenkassen stecken in einem Dilemma: Der allgemeine Krankenstand bleibt mit 6,1 Prozent stabil, doch die Kosten explodieren. Eine aktuelle Analyse des BKK Dachverbands zeigt: Vor allem langwierige Erkrankungen belasten die Finanzen massiv.
Krankengeld wird zur teuersten Posten
Mehr als 25 Prozent aller Fehltage entfielen 2025 auf FĂ€lle, in denen Krankengeld gezahlt wurde â also AusfĂ€lle, die lĂ€nger als sechs Wochen dauerten. Die Gesamtausgaben der GKV dafĂŒr: 21,6 Milliarden Euro. Innerhalb von zehn Jahren stieg die Zahl der Krankengeldtage um 24,4 Prozent.
Besonders psychische Erkrankungen fallen ins Gewicht. Sie machen zwar nur 5,4 Prozent aller Krankschreibungen aus, ihre durchschnittliche Dauer liegt aber bei ĂŒber fĂŒnf Wochen. Auch die Arbeitgeber spĂŒren die Entwicklung: Die jĂ€hrlichen Kosten fĂŒr Lohnfortzahlung werden auf ĂŒber 80 Milliarden Euro geschĂ€tzt.
Regierung plant schĂ€rfere Regeln â und erntet Kritik
Der Koalitionsausschuss will gegensteuern. Geplant sind eine generelle Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag und die vollstĂ€ndige Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Bundeskanzler Merz begrĂŒndet das mit der Notwendigkeit, den Krankenstand zu senken und Missbrauch zu ahnden. Auch VerschĂ€rfungen im Strafgesetzbuch stehen im Raum.
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Doch die PlĂ€ne stoĂen auf breiten Widerstand. Der HausĂ€rzteverband und die KassenĂ€rztliche Bundesvereinigung (KBV) warnen vor einem bĂŒrokratischen Kollaps: SchĂ€tzungen zufolge könnten jĂ€hrlich 30 Millionen zusĂ€tzliche Arztbesuche anfallen. âDas wĂŒrde die Praxen an die Belastungsgrenze bringenâ, so die KBV.
Auch fachliche Zweifel werden laut. Ein Ăkonom des DIW gab zu bedenken, dass die Attestpflicht sogar zu mehr Fehltagen fĂŒhren könnte â weil sich Kranke in vollen Wartezimmern gegenseitig anstecken. Zudem zeigen Daten: Die telefonische Krankschreibung macht lediglich 0,8 bis 1,2 Prozent aller Bescheinigungen aus. Eine Barmer-Studie fand keinen erhöhten Missbrauch durch die Regelung.
Suche nach Alternativen
Innerhalb der Regierung wird bereits ĂŒber flexiblere Lösungen diskutiert. SPD-GeneralsekretĂ€r KlĂŒssendorf schlug vor, die Attestpflicht per Betriebsvereinbarung zu regeln, statt sie gesetzlich vorzuschreiben. Aus der Union kam Kritik: Der stellvertretende CDA-Vorsitzende BĂ€umler forderte, die PlĂ€ne ganz zu streichen, um die Praxen zu entlasten.
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Der Chef der DAK, Storm, brachte ein Modell aus Skandinavien ins Spiel: die Teilkrankschreibung. BeschĂ€ftigte könnten trotz gesundheitlicher EinschrĂ€nkungen stundenweise arbeiten â das wĂŒrde den vollstĂ€ndigen Ausfall reduzieren. Gesundheitsministerin Warken signalisierte bereits PrĂŒfbereitschaft.
Entscheidung am Freitag
Die Debatte ist Teil einer umfassenden Gesundheitsreform. Am 10. Juli stimmt der Bundestag ĂŒber das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ab. Um das fĂŒr 2027 prognostizierte Defizit von 19 Milliarden Euro abzufangen, sind unter anderem höhere ZuschĂŒsse fĂŒr GrundsicherungsempfĂ€nger geplant â finanziert durch Steuern auf Tabak, Alkohol und zuckerhaltige GetrĂ€nke.
Auch bei der Familienversicherung gibt es Anpassungen: Kinder bleiben bis zum zwölften Lebensjahr beitragsfrei, fĂŒr Ehepartner könnte der Satz leicht steigen. Ziel ist es, den allgemeinen Beitragssatz bei 14,6 Prozent zu stabilisieren. Die AOK-Vorstandsvorsitzende Reimann warnt jedoch: âFĂŒr langfristige StabilitĂ€t sind tiefgreifendere Strukturreformen unumgĂ€nglich.â
