Gesundheitsvorsorge: Ministerium plant Präventionsgesetz für Anfang 2027
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 04:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Trotz massiver finanzieller Aufwendungen hinkt das deutsche Gesundheitssystem bei der nachhaltigen Vorsorge hinterher. Bei einem parlamentarischen Abend in Berlin forderten Vertreter aus Politik und Gesundheitswesen daher einen grundlegenden Wechsel von der reinen Krankheitsbehandlung hin zu einer verstärkten Prävention.
Deutschland investiert jährlich rund 500 Mrd. Euro in das Gesundheitssystem, liegt bei den gesunden Lebensjahren im europäischen Vergleich jedoch unter dem Durchschnitt.
Vor diesem Hintergrund sprachen sich die versammelten Akteure für eine ressortübergreifende Präventionsstrategie, eine verbesserte Zusammenarbeit der Gesundheitsberufe, klare Zuständigkeiten sowie eine verlässliche Finanzierung aus.
Gesetzliche Reformpläne und fünf strategische Hebel
Auf politischer Ebene zeichnen sich für die kommenden Monate konkrete Schritte ab. Nach Gesprächen mit Verbänden und Akteuren der Nationalen Präventionskonferenz plant das Bundesgesundheitsministerium, Anfang 2027 einen Vorschlag für ein weiterentwickeltes Präventionsgesetz vorzulegen.
Die Reform zielt auf eine stärkere Verankerung der Vorsorge im Alltag, eine engere Verzahnung von Verhaltens- und Verhältnisprävention sowie eine abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Kranken- und Pflegekassen, Kommunen und Betrieben ab.
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Vorgesehen ist, mehr gesunde Lebensjahre zu ermöglichen, schwer erreichbaren und sozial benachteiligten Gruppen besseren Zugang zu verschaffen und den künftigen pflegebedarf zu senken. Die genauen Förderkriterien und Finanzierungswege sollen bis zum Referentenentwurf Anfang 2027 konkretisiert werden.
Unterstützung für diesen Kurs kommt auch aus Stiftungsinitiativen. Der Bosch Health Campus der Robert-Bosch-Stiftung definierte mehr gesunde Lebensjahre für alle als zentrales Leitbild und formulierte dazu fünf Hebel:
- die Förderung der allgemeinen Gesundheitskompetenz,
- eine Lebens- und Krankheitsphasen begleitende Prävention,
- der gezielte Einsatz von Personalisierung, Digitalisierung und künstlicher Intelligenz,
- die Stärkung von Gesundheitsangeboten vor Ort sowie
- eine Ausrichtung von Finanzierung und Steuerung an tatsächlichen Gesundheitsgewinnen.
Impulse aus Fachforen und klinischer Praxis
Die Debatte über wirksame Vorsorgeansätze wird auf mehreren Ebenen geführt. Auf dem POLITICO Health Summit in Berlin plädierte Hendrik Streeck für einen Ausbau der Prävention bei Kindern und Jugendlichen, insbesondere mit Blick auf Übergewicht, Suchterkrankungen und mentale Belastungen.
Zudem sprach er sich für eine verbindliche und kontrollierte Altersgrenze bei sozialen Medien sowie Einschränkungen von Funktionen aus, die zu Dauernutzung oder Käufen verleiten.
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Im Rahmen derselben Konferenz hob Charité-Professorin Sylvia Thun hervor, dass Technologien für digitale Gesundheitsanwendungen bereits vorhanden seien, jedoch politische Unterstützung benötigten, während Tobias Kurth davor warnte, dass eine größere Menge an Gesundheitsdaten nicht automatisch mehr Wissen bedeute. Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi mahnte zudem eine größere europäische Unabhängigkeit bei der Arzneimittelversorgung an.
Gleichzeitig entstehen neue Strukturen in der Versorgungslandschaft: An der Uniklinik Köln bündeln acht Bereiche der Universitätsklinik und des CECAD ihre Expertise im neu gegründeten Centrum für Prävention, um wissenschaftliche Erkenntnisse rascher in evidenzbasierte Vorsorgeangebote zu überführen.
Auf dem Gründungssymposium betonte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann den hohen Stellenwert frühzeitiger Vorsorge, während Fachleute unter anderem Impfbarrieren und das präventive Potenzial von Schutzimpfungen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen beleuchteten.
Auch ökonomische Auswertungen untermauern den Handlungsdruck: Laut Berechnungen von WifOR-Gründer Dennis Ostwald summierten sich allein die volkswirtschaftlichen Verluste durch Migräne in Deutschland im Zeitraum von 2011 bis 2021 auf 557 Mrd. Euro.
Mehr zum Thema bei Deutsches Ärzteblatt: „Vorschlag zu weiterentwickeltem Präventionsgesetz soll Anfang 2027 kommen – News“
