Gesundheitswesen, BeschÀftigte

Gesundheitswesen: 26.000 BeschĂ€ftigte streiken gegen SparkĂŒrzungen

15.06.2026 - 14:51:36 | boerse-global.de

Warnstreiks an vier Unikliniken und bundesweite Proteste richten sich gegen geplante MilliardenkĂŒrzungen im Gesundheitswesen.

Gesundheitsstreiks: Klinikpersonal protestiert gegen SparplÀne
Gesundheitswesen - Nahaufnahme von medizinischem Personal in Arbeitskleidung mit ernsten AusdrĂŒcken, vor einem unscharfen Hintergrund eines Protests oder Krankenhauses. 15.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

WĂ€hrend an Unikliniken in Baden-WĂŒrttemberg fĂŒr höhere Löhne gestreikt wird, richtet sich der bundesweite Widerstand gegen die SparplĂ€ne der Bundesregierung.

Warnstreiks an vier Unikliniken in Baden-WĂŒrttemberg

An den UniversitĂ€tskliniken in Freiburg, Heidelberg, Ulm und TĂŒbingen finden heute und morgen zweitĂ€ge Warnstreiks statt. Rund 26.000 BeschĂ€ftigte sind betroffen, wie die Gewerkschaft ver.di mitteilt. Die Notfallversorgung bleibt gesichert, doch Patienten mĂŒssen mit lĂ€ngeren Wartezeiten und verschobenen Operationen rechnen.

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Hintergrund ist die laufende Tarifrunde mit dem Arbeitgeberverband Uniklinika (AGU). ver.di fordert 7,5 Prozent mehr Lohn, mindestens 320 Euro pro Monat. FĂŒr Azubis verlangt die Gewerkschaft eine Steigerung um 250 Euro plus MobilitĂ€tszuschuss. Die Arbeitgeber haben bislang kein Angebot vorgelegt – und kĂŒndigten zudem den bestehenden Rationalisierungsschutz-Tarifvertrag. Der AGU-Vorstand bezeichnet die Forderungen als derzeit nicht finanzierbar und verweist auf die unsichere Refinanzierung durch die geplante GKV-Reform. Die nĂ€chste Verhandlungsrunde ist fĂŒr morgen angesetzt.

Bundesregierung plant milliardenschwere KĂŒrzungen

Die Proteststimmung wird durch zwei Gesetzesvorhaben verschĂ€rft: das GKV-Spargesetz und das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG). Der Referentenentwurf zum PNOG von Anfang Juni sieht vor, das Defizit der Pflegeversicherung durch KĂŒrzungen abzufangen – fĂŒr 2027 wird ein Loch von 7,5 Milliarden Euro erwartet.

Das GKV-Spargesetz zielt auf Einsparungen von 16,3 Milliarden Euro im Jahr 2027 ab. FĂŒr KrankenhĂ€user bedeutet das BudgetkĂŒrzungen um rund 5,1 Milliarden Euro. Zudem sollen die Zuzahlungen fĂŒr Medikamente auf 7,50 bis 15 Euro steigen. Ab 2028 wird zudem die kostenfreie Mitversicherung von Ehepartnern eingeschrĂ€nkt. Besonders kritisch sehen Arbeitnehmervertreter die Aussetzung der Tariflohnpflicht in der Pflege bis 2030 und die nur noch anteilige Refinanzierung von Tarifsteigerungen in Kliniken.

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„Das Sozialsystem wird geschwĂ€cht“

Bereits am 10. und 12. Juni demonstrierten nach Gewerkschaftsangaben insgesamt 15.000 Menschen gegen die KĂŒrzungsplĂ€ne – darunter 8.000 Teilnehmer in Hannover sowie Tausende in Berlin und SĂŒddeutschland. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisiert, die Bundesregierung betone zwar die StĂ€rkung von Tariflöhnen, schwĂ€che sie durch die Reformen aber faktisch. Eine aktuelle DGB-Bilanz beziffert die jĂ€hrlichen Mindereinnahmen fĂŒr die Sozialversicherungen aufgrund fehlender Tarifbindung auf 41,4 Milliarden Euro.

Heute weiteten zudem ServicekrĂ€fte an ĂŒber 120 KrankenhĂ€usern und Pflegeeinrichtungen die Proteste aus. ver.di kritisiert zunehmende Ausgliederungen und wachsenden Kostendruck zulasten der Bezahlung. Die KĂŒrzungsplĂ€ne von Gesundheitsministerin Nina Warken könnten diese Lage weiter verschĂ€rfen.

Weitere Aktionen angekĂŒndigt

Der Protest geht weiter: FĂŒr den 18. Juni ist eine Diskussionsrunde in Hannover geplant, gefolgt von einer Demonstration gegen Sozialabbau in Kassel am 20. Juni sowie einem Protest vor dem niedersĂ€chsischen Landtag am 24. Juni. Experten warnen unterdessen vor einem drohenden Kliniksterben, sollten die RefinanzierungslĂŒcken durch die neuen Gesetze nicht geschlossen werden.

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