Gewalt im Nahverkehr: Fast jeder zehnte Arbeitsunfall bei BG BAHNEN
Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deGewalt gegen Beschäftigte im Personenverkehr stellt Verkehrsunternehmen und gesetzliche Unfallversicherungsträger vor zunehmende Herausforderungen. Wie aus Fachpublikationen zur Arbeitssicherheit hervorgeht, ist bei der BG BAHNEN mittlerweile fast jeder zehnte gemeldete Arbeitsunfall auf tätliche Übergriffe und direkte Gewaltanwendung durch Dritte zurückzuführen.
Neben physischen Verletzungen stellen die psychischen Belastungen ein wachsendes Problem dar: Nach Übergriffen ist nach Angaben der Berufsgenossenschaft immer häufiger eine psychologische Beratung oder Behandlung der betroffenen Mitarbeiter erforderlich.
Deeskalation und Multiplikatorenprogramme in Betrieben
Um den steigenden Belastungen entgegenzuwirken, verzeichnet die BG BAHNEN eine anhaltend große Nachfrage nach branchenspezifischen Programmen zur Gewaltprävention. Ein zentraler Ansatzpunkt liegt in der betrieblichen Qualifizierung.
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Durch die gezielte Ausbildung betrieblicher Multiplikatoren sollen Deeskalationsstrategien und Schutzkonzepte direkt in die Verkehrsunternehmen getragen werden. Ziel dieser Schulungsinitiativen ist es, dem Fahr- und Servicepersonal Handlungsoptionen zu vermitteln, um Konfliktsituationen im direkten Kundenkontakt frühzeitig zu entschärfen.
Technische Pilotprojekte und Neuausrichtung der Kontrollpraxis
Parallel zu Schulungsmaßnahmen erproben Bahnunternehmen neue betriebliche und technische Abläufe. Das Verkehrsunternehmen National Express testet auf seinen Linien in Nordrhein-Westfalen den einjährigen Einsatz mobiler Körperkameras.
Auf Strecken wie der Linie RE 4 zwischen Aachen und Dortmund rotieren landesweit 30 Bodycams zwischen den Zügen. Die Geräte befinden sich im Bereitschaftsmodus und werden bei Konflikten vom Personal aktiviert, wobei Reisende hierüber in Kenntnis zu setzen sind.
Den Hintergrund der Maßnahme bildet eine hohe Vorfallsdichte: Auf den nordrhein-westfälischen Linien von National Express wurden im Jahr 2025 rund 3.500 sicherheitsrelevante Ereignisse registriert, die von verbalen Beleidigungen bis hin zu körperlichen Tätlichkeiten reichten.
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Auf betrieblicher Ebene werden zudem strukturelle Trennungen diskutiert. Markus Kaupper, Chef von DB Regio NRW, wies darauf hin, dass insbesondere Fahrscheinkontrollen häufig den Ausgangspunkt für Eskalationen bilden.
Kaupper regte an, die Betreuungs- und Servicefunktionen an Bord klar von den Prüftätigkeiten abzugrenzen. Während Zugbegleiter primär als Serviceansprechpartner dienen sollen, könnten Kontrollen künftig wie bei vielen kommunalen Verkehrsunternehmen durch personell verstärkte Kontrollteams übernommen werden.
DB Regio NRW rät seinen Mitarbeitern grundsätzlich dazu, sich bei eskalierenden Situationen zurückzuziehen; die Umsetzung weitergehender Modelle soll zwischen Verkehrsunternehmen und den zuständigen Aufgabenträgern diskutiert werden.
Kontrollsituationen als betrieblicher Brennpunkt
Dass tarifliche Prüfungen ein besonderes Gefahrenmoment bergen, zeigen Einsatzberichte der Behörden. Nach Angaben der Bundespolizeiinspektion Hamburg wurde am 28. Oktober 2026 ein 20-jähriger Sicherheitsmitarbeiter der Deutschen Bahn auf der S-Bahn-Strecke zwischen Harburg und Wilhelmsburg bei einer tarifrechtlichen Kontrolle unvermittelt in den Bauchraum geschlagen und geschubst, woraufhin der Tatverdächtige bis zum Eintreffen der Beamten fixiert wurde.
Bei einem weiteren gemeldeten Vorfall am Hamburger Hauptbahnhof schlug ein Fahrgast ohne Fahrschein einem Sicherheitsmitarbeiter mit der Faust ins Gesicht, woraufhin dessen Kollege Reizstoffsprühgeräte einsetzte. Beide Fälle mündeten in Strafverfahren wegen Körperverletzung.
