GewaltprÀvention, Selbstcheck

GewaltprĂ€vention: Selbstcheck „Alarming“ prĂŒft Schutz in fĂŒnf Fragen

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Selbstchecks, Schulungen und technische Vorkehrungen stÀrken den Schutz von BeschÀftigten und Einrichtungen vor Gewalt und NotfÀllen.
Ein heller, ruhiger Flur in einem modernen VerwaltungsgebÀude mit klaren Linien und dezentem Lichteinfall. Illustration mit AI erstellt.

Um BeschĂ€ftigte im öffentlichen Dienst, im Gesundheitswesen und in Bildungseinrichtungen besser vor Eskalationen zu schĂŒtzen, gewinnen praxisnahe Hilfsinstrumente an Bedeutung.

Neue Informationsangebote und strukturierte Selbstchecks sollen FachkrĂ€fte gezielt dabei unterstĂŒtzen, praxistaugliche Schutzkonzepte zu etablieren. Sie ermöglichen es Mitarbeitenden, in bedrohlichen Situationen oder bei aggressiven Kontakten unauffĂ€llig und ohne zusĂ€tzliche EigengefĂ€hrdung UnterstĂŒtzung anzufordern.

Schnelle Risikoanalyse fĂŒr Verwaltungen und Betriebe

Ein Beispiel fĂŒr diese UnterstĂŒtzung ist der Selbstcheck „Alarming“. Mit fĂŒnf Fragen, die sich innerhalb von zwei Minuten bearbeiten lassen, können Verwaltungen und Organisationen ermitteln, wie gut sie auf bedrohliche Lagen, aggressive BĂŒrgerkontakte oder akute NotfĂ€lle vorbereitet sind. Der Schwerpunkt liegt darauf, Verfahren zu prĂŒfen, mit denen das Personal diskret Hilfe herbeirufen kann, um die Situation nicht zusĂ€tzlich zu verschĂ€rfen.

Der Handlungsbedarf in Unternehmen und Behörden ist erheblich. Bei Verkehrsunternehmen wird inzwischen fast jeder zehnte Arbeitsunfall durch Übergriffe Dritter auf das Personal verursacht, was zunehmend psychologische Beratung und Behandlungen nach sich zieht.

Entsprechend groß ist die Nachfrage nach branchenspezifischen GewaltprĂ€ventionstrainings, bei denen Betriebe vermehrt auf die Ausbildung interner Multiplikatoren setzen.

Auch im kommunalen Raum gibt es gezielte Initiativen: So organisiert die Ehrenamtsagentur Odenwaldkreis gemeinsam mit der Polizeidirektion Odenwald, dem Netzwerk gegen Gewalt und der Gemeinde Höchst im Odenwald am 31. Oktober 2026 den Workshop „Gewalt-Sehen-Helfen“ im dortigen BĂŒrgersaal.

Belastungen und Schutzmaßnahmen im Gesundheitswesen

Besonders stark betroffen sind medizinische Einrichtungen und Pflegeberufe. Nach Angaben der NiedersĂ€chsischen Krankenhausgesellschaft berichten 72 % der befragten Kliniken des Bundeslandes von einer Zunahme verbaler oder körperlicher Übergriffe innerhalb der vergangenen fĂŒnf Jahre, vor allem in Notaufnahmen und Pflegestationen.

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Als Gegenmaßnahme beteiligt sich beispielsweise das Sana Klinikum Hameln-Pyrmont an einer landesweiten Kampagne und setzt auf bauliche sowie organisatorische Schritte wie verglaste Tresen, Sicherheitsdienste in der Nacht und Deeskalationsschulungen.

Um VorfĂ€lle systematisch zu erfassen, betreiben die LandesĂ€rztekammern in Baden-WĂŒrttemberg und Hessen eine gemeinsame Meldestelle. Dort können Ärztinnen und Ärzte verbale und körperliche Gewalt, SachbeschĂ€digungen oder Verleumdungen gegen sich und Praxisangehörige anonym melden.

Auch internationale Erhebungen spiegeln das Problem wider: Nach einer Befragung des niederlĂ€ndischen Statistikamts CBS fĂŒr das Jahr 2024 erlebten 57 % der BeschĂ€ftigten in Pflege und Wohlfahrt Aggressionen durch Patienten oder Angehörige, darunter 48 % verbale und 21 % körperliche Aggression.

Im klinischen Alltag werden daher neue AnsĂ€tze erprobt; am UniversitĂ€tsklinikum Heidelberg thematisierte das Personal im Rahmen eines Pilotprojekts die EinfĂŒhrung einer sogenannten Deeskalationsvisite zur Entlastung des Pflegealltags. Der DRK Kreisverband Görlitz Stadt und Land e.V. bietet zudem Schulungen zu NĂ€he und Distanz in der Pflege fĂŒr einen Teilnahmebeitrag von 155 Euro an.

Umfassende Schutz- und Brandschutzkonzepte in Einrichtungen

Ganzheitliche Sicherheitskonzepte beschrĂ€nken sich nicht allein auf GewaltprĂ€vention durch Dritte. Bei einer Informationsveranstaltung des Kreisjugendrings Pfaffenhofen am 22. Oktober 2026 betonte die Fachberaterin Petra Kufner von Wirbelwind e.V., dass institutionelle Schutzkonzepte eine gelebte Kultur der Achtsamkeit schaffen mĂŒssten.

Zu den zentralen Elementen gehören Risiko- und GefÀhrdungsanalysen, verbindliche Verhaltensregeln, geregelte Beschwerdewege sowie die direkte Einbindung von Kindern und Jugendlichen.

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ErgÀnzt werden organisatorische Schutzvorkehrungen durch technische Notfallkonzepte. Beim Bau von KindertagesstÀtten verlangen die Bauordnungen zwingend ein Brandschutzkonzept, andernfalls kann der Bauantrag abgewiesen werden.

Dass Vorbereitung und regelmĂ€ĂŸige Übungen greifen, zeigte eine unangekĂŒndigte BrandschutzĂŒbung Anfang Oktober 2026 in einem Kindergarten in Suhl, bei der das GebĂ€ude innerhalb weniger Minuten ruhig gerĂ€umt wurde.

Parallel dazu rĂŒckt die medizinische Erstversorgung in Unternehmen in den Fokus: Da bei einem plötzlichen Herz-Kreislaufstillstand laut dem Deutschen Rat fĂŒr Wiederbelebung bereits nach 3 bis 5 Minuten irreversible SchĂ€den drohen, empfiehlt die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung Betrieben, im Rahmen ihrer GefĂ€hrdungsbeurteilung auch die Anschaffung und Bereitstellung automatisierter externer Defibrillatoren zu prĂŒfen.

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