Gewerbe, Wohnen

Gewerbe zu Wohnen: 300 Millionen Euro ZuschĂŒsse ab Juli

27.05.2026 - 13:31:07 | boerse-global.de

Bis zu 30.000 Euro Zuschuss pro Wohneinheit möglich, wĂ€hrend WohngeldkĂŒrzungen drohen und regionale Unterschiede sichtbar werden.

Gewerbe zu Wohnen: 300 Millionen Euro ZuschĂŒsse ab Juli - Foto: ĂŒber boerse-global.de
Gewerbe zu Wohnen: 300 Millionen Euro ZuschĂŒsse ab Juli - Foto: ĂŒber boerse-global.de

Das neue Programm „Gewerbe zu Wohnen“ stellt 300 Millionen Euro bereit – doch gleichzeitig drohen massive KĂŒrzungen beim Wohngeld.

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Bis zu 30.000 Euro pro Wohneinheit

Die schwarz-rote Koalition unter Kanzler Friedrich Merz setzt auf Umnutzung statt Neubau. Über die KfW werden nicht rĂŒckzahlbare ZuschĂŒsse vergeben: Pro geschaffener Wohneinheit gibt es bis zu 30.000 Euro, maximal 30 Prozent der förderfĂ€higen Kosten. Pro Betrieb sind bis zu 300.000 Euro möglich.

Voraussetzung: Der energetische Standard EH 85 EE muss eingehalten werden. AntrÀge sind vor Baubeginn zu stellen, die Tranche lÀuft bis Ende 2026.

Kleinere Projekte wie das Ruinenareal in Elsterwerda zeigen den Trend: BrachflĂ€chen und leerstehende BestĂ€nde werden zu modernem Wohnraum. Experten sehen darin großes Potenzial, um den FlĂ€chenfraß im Außenbereich zu stoppen.

Haushaltsstreit: Wohngeld-KĂŒrzung um eine Milliarde

Doch die neue Förderung ist nur eine Seite der Medaille. Finanzminister Klingbeil verlangt von allen Ressorts pauschale Einsparungen von einem Prozent. Besonders umstritten: Die Mittel fĂŒrs Wohngeld sollen von 2,49 Milliarden auf 1,5 Milliarden Euro sinken.

Bauministerin Hubertz protestiert bereits. Die Berliner SPD warnt: Allein in der Hauptstadt wÀren rund 55.000 Menschen betroffen. Der Haushaltsentwurf soll Anfang Juli 2026 im Kabinett beschlossen werden.

Auch andere soziale Leistungen stehen auf dem PrĂŒfstand: KĂŒrzungen beim Elterngeld, eine Anhebung des Renteneintrittsalters. SozialverbĂ€nde schlagen Alarm. Geplante Steuerentlastungen fĂŒr kleine und mittlere Einkommen sollen die Akzeptanz erhöhen – ihre Finanzierung ist aber unklar.

Frankfurt meldet Erfolg – Potsdam erlebt Protest

WÀhrend die Bundespolitik streitet, zeigen sich regionale Unterschiede. In Frankfurt stieg der Bestand an geförderten Wohnungen erstmals seit 20 Jahren auf rund 31.000 Einheiten. Grund: Ein Baulandbeschluss schreibt bei Neubaugebieten mindestens 30 Prozent geförderten Wohnraum vor.

Hessen startete zudem eine Initiative fĂŒr Frauen nach Frauenhaus-Aufenthalten. Das Land stellt 2026 mindestens 16 Millionen Euro fĂŒr Belegungsrechte bereit. Rund 20 Prozent der Frauen bleiben derzeit lĂ€nger als sechs Monate in Schutzeinrichtungen.

Radikaler ging es in Potsdam zu: Ende Mai rĂ€umte die Polizei eine einwöchige Hausbesetzung in der Tornowstraße. Die Aktivisten forderten eine Zwischennutzung vor dem geplanten Abriss. Hunderte demonstrierten gegen die Diskrepanz zwischen spekulativem Leerstand und fehlendem bezahlbarem Wohnraum.

Stiglitz lobt Sondervermögen – Experten sehen 30 „Schieflagen“

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NobelpreistrĂ€ger Joseph Stiglitz lobte Ende Mai das deutsche Sondervermögen fĂŒr Infrastruktur und Klimaschutz. Doch eine Analyse des Sozial- und Steuerstaates offenbart strukturelle Probleme: Experten identifizierten rund 30 „Schieflagen“ mit einem Volumen von 150 bis 210 Milliarden Euro jĂ€hrlich.

Dazu zĂ€hlen Beamtenpensionen (90 Milliarden Euro fĂŒr 2024) und das Ehegattensplitting (20 bis 25 Milliarden pro Jahr). Auch die Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung (5.812,50 Euro monatlich fĂŒr 2026) bleibt umstritten.

International zeigt sich: Die Wohnungsnot ist ein globales PhĂ€nomen. Im Kanton ZĂŒrich stimmt man am 14. Juni ĂŒber eine staatliche Wohnbaugesellschaft mit 500 Millionen Franken Startkapital ab. Vietnam drĂ€ngt auf bezahlbare Langzeitmietwohnungen fĂŒr Arbeiter und Studenten.

Entscheidende Wochen fĂŒr die Koalition

Bis Ende Juni muss das Reformpaket stehen. Die Abwicklung von „Gewerbe zu Wohnen“ ab Juli wird zum Testfall fĂŒr staatliche Effizienz. Ob die Wohngeld-KĂŒrzungen Bestand haben, ist offen – der Widerstand aus Kommunen und Teilen der Koalition ist massiv.

Die Herausforderung: Haushaltsdisziplin und bezahlbarer Wohnraum unter einen Hut bringen, ohne den sozialen Frieden zu gefĂ€hrden. CDU-LandesverbĂ€nde fordern bereits hĂ€rtere Sanktionen bei Arbeitsverweigerung und grĂ¶ĂŸere Unterschiede zwischen Sozialleistungen und Erwerbseinkommen. Die Verhandlungen versprechen, zĂ€h zu werden.

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