GKV-Reform, Millionen

GKV-Reform: 73 Millionen Versicherte zahlen ab sofort mehr

Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 20:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das neue GKV-Gesetz bringt höhere Beiträge und Zuzahlungen. Versicherte müssen sich auf spürbare Mehrkosten und Einschnitte bei Leistungen einstellen.

GKV-Reform in Kraft: Milliardenentlastung trifft Versicherte hart
Ein Stethoskop und Finanzdokumente auf einem Schreibtisch als Symbol für die GKV-Reform. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ist seit dem 29. Juli offiziell in Kraft. Die Reform soll bis 2027 rund 18,8 Milliarden Euro einsparen – und bringt spürbare Einschnitte für Versicherte.

Höhere Beiträge, höhere Zuzahlungen

Rund 73 Millionen gesetzlich Versicherte müssen sich auf finanzielle Mehrbelastungen einstellen. Die Beitragsbemessungsgrenze steigt um 300 Euro pro Monat, was vor allem höhere Einkommen trifft. Zuzahlungen für Medikamente und Behandlungen klettern auf 7,50 bis 15 Euro. Beim Zahnersatz sinkt der Kassen-Zuschuss von 60 auf 50 Prozent.

Deutlich teurer wird ab 2028 die beitragsfreie Familienversicherung für Ehe- und Lebenspartner: Dann fällt ein Zuschlag von 2,5 Prozent an. Ausnahmen gelten unter anderem für Eltern mit Kindern unter zwölf Jahren, Pflegende und Rentner. Zusätzlich entfällt die Pflicht der Kassen, bei steigenden Zusatzbeiträgen zu informieren – das Sonderkündigungsrecht bleibt zwar bestehen, doch Versicherte müssen künftig selbst den Überblick behalten.

Weniger Leistungen, schärfere Regeln beim Krankengeld

Homöopathie verschwindet aus dem Leistungskatalog der Kassen. Auch das Hautkrebsscreening steht auf dem Prüfstand. Bei geplanten Operationen soll eine Zweitmeinung künftig Standard werden.

Massiv ändert sich das Krankengeld: Ab Januar 2027 gibt es nach Jobverlust nur noch 60 Prozent (67 Prozent für Versicherte mit Kindern). Reha-Anträge müssen binnen vier statt zehn Wochen gestellt sein. Ab 2028 kommt die Teilkrankschreibung. Die Regierung spricht von notwendigen Arbeitsanreizen – Gewerkschaften warnen vor einer sozialen Schieflage.

Psychotherapie: Wartezeiten könnten explodieren

Therapeutenverbände schlagen Alarm: Die neue Budgetierung pro Quartal und gestrichene Zuschläge für Kurzzeittherapien könnten Praxen 20 bis 30 Prozent Einnahmen kosten. Die Wartezeiten für Therapieplätze liegen heute schon bei durchschnittlich 140 Tagen – Experten fürchten, dass sie auf 15 Monate anwachsen könnten. Die Psychotherapeutenkammer Hessen nennt die Kürzungen „Maßnahmen am falschen Ende“: Psychotherapie mache nur ein Prozent der GKV-Gesamtkosten aus. Bereits laufende Behandlungen sollen weiter vergütet werden.

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Kassen müssen sparen – vor allem beim Marketing

Auch die Krankenkassen selbst werden zur Kasse gebeten. Ab 2027 dürfen Verwaltungskosten nur noch im Rahmen der Grundlohnrate steigen. Die Werbebudgets halbieren sich auf 0,075 Prozent der Bezugsgröße – umgerechnet rund 2,97 Euro pro Versichertem und Jahr. 2027 erhofft sich der Gesetzgeber davon 100 Millionen Euro Ersparnis, bis 2030 sollen es 480 Millionen sein. Ausnahmen gibt es nur für IT-Sicherheit und Online-Wahlen.

Streit im Parlament: 318 zu 284 Stimmen

Der Bundestag verabschiedete das Gesetz mit 318 Ja- gegen 284 Nein-Stimmen bei vier Enthaltungen. Gesundheitsministerin Warken (CDU) verteidigte die Reform als alternativlos – ohne sie drohe ein Systemkollaps. Um Härten abzufedern, erhöht der Bund den Bürgergeld-Zuschuss auf eine Milliarde Euro.

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Die Opposition sieht das anders: SPD und Grüne warnen vor einer „Rasenmähermethode“ und schlechterer Versorgung, die Linke spricht von einem sozialen Rückschritt. Auch aus den Ländern kommt Kritik, besonders an den Folgen für die ambulante und psychotherapeutische Versorgung. Wirtschaftsverbände begrüßen die Reform dagegen – die Stabilisierung der Lohnnebenkosten sei überfällig.

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