Google-Strafe: Rekordbuße von 890 Millionen Euro wegen DMA-Verstößen
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 23:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Europäische Kommission hat Google mit einer Rekordstrafe von 890 Millionen Euro belegt. Es ist die bislang höchste Geldbuße auf Grundlage des Digital Markets Act (DMA). Die Brüsseler Behörde wirft dem US-Konzern gleich zwei Verstöße gegen die neuen Wettbewerbsregeln vor.
Bevorzugung eigener Dienste und Blockaden für Entwickler
Die Strafe setzt sich aus zwei Teilbeträgen zusammen: 460 Millionen und 430 Millionen Euro. Laut Kommission hat Google eigene Dienste in den Suchergebnissen systematisch bevorzugt – besonders bei Sportergebnissen und der Hotelsuche.
Zudem soll der Konzern App-Entwickler auf seiner Plattform Google Play behindert haben. Google hat nun 60 Tage Zeit, seine Geschäftspraktiken anzupassen. Verstreicht die Frist, drohen Zwangsgelder von bis zu fünf Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.
Das Unternehmen kritisiert die Entscheidung scharf. Die geforderten Änderungen könnten die Entfernung von Echtzeit-Suchfunktionen erzwingen, warnt Google.
Branchenvertreter sehen das anders. Der Handelsverband Deutschland (HDE) begrüßt den Abschluss der über zweijährigen Ermittlungen. Er fordert diskriminierungsfreie Suchergebnisse, die Direktangebote von Händlern gleichberechtigt neben Plattformlösungen zeigen.
Nationale Behörden ziehen nach
Parallel zum EU-Vorgehen verschärfen auch deutsche Aufseher die Kontrollen. Seit dem 1. Juli 2026 gilt das Verbot von Rückvergütungen für die Weiterleitung von Kundenaufträgen (Payment for Order Flow, PFOF). Die Bafin hat bereits Maßnahmen gegen Umgehungsversuche ergriffen und drei konkrete Praktiken als unzulässig eingestuft.
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Auch die geplante Reform des deutschen Wettbewerbsrechts sorgt für Diskussionen. Juristen äußern in einer aktuellen Stellungnahme Bedenken zur 12. GWB-Novelle. Kritikpunkte: neue Transaktionswertschwellen, die zu Rechtsunsicherheit führen könnten, und eine zunehmende Belastung durch Vorverfahren.
Politisch brisanter Zeitpunkt
Der Zeitpunkt der EU-Sanktionen ist heikel. Am 24. Juli 2026 endet eine Frist der US-Regierung im Zusammenhang mit Handelszöllen. In der Vergangenheit drohten die USA bereits mit Vergeltungsmaßnahmen als Reaktion auf europäische Milliardenstrafen gegen Tech-Konzerne.
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Erst Anfang Juli hatte der Europäische Gerichtshof eine frühere Rekordstrafe von 4,1 Milliarden Euro gegen Google aus dem Jahr 2018 bestätigt.
Neben Google steht ein weiterer Großkonzern im Fokus der Regulierer. Die Kommission hat dem chinesischen Handelsriesen JD.com eine formelle Begründungserklärung zur geplanten Übernahme von Ceconomy zugestellt. Der Verdacht: unzulässige staatliche Beihilfen durch Vorzugsfinanzierungen oder Steuervergünstigungen. Eine vertiefte Prüfung soll bis Anfang Oktober 2026 abgeschlossen sein.
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