Greenwashing-Regeln, EU-Richtlinie

Greenwashing-Regeln: EU-Richtlinie schärft Klimaschutz-Vorgaben ab September

01.07.2026 - 17:16:36 | boerse-global.de

Verschärfte EU-Vorgaben zwingen Firmen zu präziseren Klimanachweisen. ClimatePartner reformiert Zertifizierung, während der Mittelstand unter Bürokratie leidet.

EU verschärft Greenwashing-Regeln: Neue Pflichten für Unternehmen
Greenwashing-Regeln - Geschäftsleute prüfen Finanz- und Nachhaltigkeitsberichte in einem modernen Büro, das Transparenz und Zusammenarbeit symbolisiert. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die EU verschärft die Vorgaben gegen Greenwashing.

ClimatePartner überarbeitet Zertifizierung

Der Dienstleister ClimatePartner hat sein Zertifizierungsprogramm grundlegend reformiert. Grundlage ist die EU-Richtlinie 2024/825, deren Regeln ab Ende September 2026 greifen. Die neuen Labels werden von unabhängigen Stellen wie der DEKRA geprüft. Eine öffentliche Datenbank soll für Transparenz sorgen.

Moritz Lehmkuhl, Gründer von ClimatePartner, sieht darin einen Gewinn: „Die neuen EU-Vorgaben schaffen Klarheit und stärken das Vertrauen in die Klimaschutzkommunikation."

Baugewerbe fordert bessere Daten

Parallel dazu drängt die Branche auf präzisere Datengrundlagen. Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB) fordert gemeinsam mit mehreren Industrieunternehmen, produktspezifische Ökobilanzdaten in der staatlichen Förderung (QNG) anzuerkennen. Bisher kommen oft nur generische Branchendurchschnittswerte zum Einsatz.

Das Problem: CO?-optimierte Produkte erhalten dadurch keinen marktrelevanten Vorteil.

Mittelstand leidet unter Bürokratie

Die neuen Regeln bremsen allerdings die Kreditvergabe. Eine Umfrage des Genoverbands unter 277 Bankvorständen zeigt: Knapp die Hälfte der Firmenkunden ist mit der Bereitstellung der geforderten Nachhaltigkeitsdaten überfordert.

Felix Pakleppa, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), bringt es auf den Punkt: „Die ökologische Transformation scheitert derzeit eher an datengetriebener Regulierung als am Engagement der Beteiligten." Er fordert Bürokratieabbau und vereinfachte Berichtsstandards für kleine und mittlere Unternehmen.

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Lücken in der Lieferkette

Auch bei der Umsetzung konkreter Umweltvorgaben gibt es Nachholbedarf. Der aktuelle Futtermittelradar der Deutschen Umwelthilfe (DUH) zeigt: Zwar befürworten 15 von 23 befragten Unternehmen die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR). Doch einige große Handelsunternehmen haben noch keine systematischen Prüfverfahren für ihre Lieferketten etabliert.

Politische Weichenstellungen

Die Regierungskoalition hat sich auf ein Naturinfrastruktur-Gesetz geeinigt. Es ermöglicht schnellere Ausgleichsmaßnahmen für Eingriffe in die Natur. Bundesumweltminister Carsten Schneider betont: „Intakte Ökosysteme sind essenziell für die künftige Wasserverfügbarkeit."

Die EU-Kommission legte Ende Juni zudem Reformvorschläge für eine Tax-Omnibus-Richtlinie vor. Vorgesehen sind unter anderem Anpassungen bei der Zinsschranke mit einem verpflichtenden Freibetrag von drei Millionen Euro sowie Ausnahmen bei der Hinzurechnungsbesteuerung für KMU.

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Ausgezeichnete Kommunikation

Trotz aller Komplexität gelingt einigen Konzernen die transparente Berichterstattung. Ende Juni wurde der Deutsche Investor Relations Preis 2026 verliehen. In der Kategorie „Beste ESG-Kommunikation" gewannen die GEA Group, RWE und Infineon. Laut einer begleitenden Studie liegt Deutschland bei der Qualität der Kapitalmarktkommunikation im europäischen Vergleich vorn.

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