Greenwashing-Verbot: EU-Regeln ab 27. September 2026 für Restaurants
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 20:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Branche steht unter Druck: Immer mehr Unternehmen in Europas Gastronomie- und Verpflegungssektor legen ihre Nachhaltigkeitsdaten offen. Während Konzerne wie die Schwarz Gruppe konkrete Fortschritte bei Emissionen und Plastikverbrauch vorlegen, bringt ein neues RAL-Gütezeichen messbare Kriterien für Restaurants und Caterer.
Schwarz Gruppe: Weniger CO?, weniger Plastik
Lidl und Kaufland-Mutter Schwarz Gruppe hat ihren siebten Nachhaltigkeitsbericht vorgelegt. Demnach sanken die eigenen Emissionen (Scope 1 und 2) im Vergleich zu 2019 um 44,1 Prozent. Treiber ist der massive Ausbau der Solarenergie: Die Eigenproduktion stieg um 28 Prozent auf über 473.000 Megawattstunden. Bis 2050 will der Konzern Netto-Null erreichen – ein Ziel, das die Science Based Targets Initiative abgesegnet hat.
Auch beim Plastikverbrauch gibt es Fortschritte. Gegenüber 2017 reduzierte die Gruppe den Einsatz um 35,9 Prozent. Die Recyclingfähigkeit der Eigenmarken-Verpackungen liegt bei 67,3 Prozent, der Rezyklat-Anteil bei 26,1 Prozent. Bis 2030 soll die Abfallverwertungsquote von derzeit 90,1 auf 95 Prozent steigen. Gleichzeitig schuf der Konzern 9.000 neue Jobs, 5.000 davon in Deutschland.
Neues Gütesiegel für Restaurants
Seit Juni 2026 gibt es das RAL-Gütezeichen „Nachhaltige Gastronomie“ (RAL-GZ 119). Es umfasst elf Themenfelder – von Personalmanagement über Lebensmittelsicherheit bis Abfall. Pflicht ist ein schriftliches Nachhaltigkeitskonzept. Bei Fleisch gilt mindestens Haltungsform 3, Eier müssen aus Freilandhaltung stammen, Fisch braucht anerkannte Zertifikate.
Der Zeitpunkt ist clever gewählt: Ab dem 27. September 2026 greifen neue EU-Regeln gegen Greenwashing. Sie verbieten Nachhaltigkeitssiegel ohne zertifiziertes System. Das RAL-Gütezeichen, dessen Audit zwei Jahre gültig ist, gibt Betrieben eine rechtssichere Grundlage für ihre Kommunikation.
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Lieferketten: Großes Dunkelfeld
Doch der Schein trügt. Analysen von Marktforschern auf Basis von rund 200.000 Bewertungen zwischen 2021 und 2025 zeigen: Rund 80 Prozent der untersuchten Unternehmen haben keinen dokumentierten Prozess für Nachhaltigkeitsrisiken in ihren Lieferketten. Über 70 Prozent berichten nicht über ihre Scope-3-Emissionen – also die Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Mittelstand macht Tempo
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Während die Großen noch Lücken schließen, gehen Mittelständler voran. Ein Familienbetrieb aus Klagenfurt, der täglich über 3.000 Mahlzeiten für Schulen und Seniorenheime produziert, wurde im Juli mit dem Kärntner Landeswappen ausgezeichnet. Der Betrieb bezieht mehr als 70 Prozent seiner Zutaten von rund 30 regionalen Lieferanten.
Auch in Italien zeigt sich Bewegung. Der Catering-Konzern Serenissima Ristorazione (Umsatz: über 400 Millionen Euro) veröffentlichte seinen ersten Nachhaltigkeitsbericht nach der EU-Richtlinie CSRD. Ziel: den Stromverbrauch pro Mahlzeit um fünf Prozent senken. Die Evoca Group (Kaffeemaschinen) und die SIDAL-Gruppe (Cash & Carry) zogen nach – für mehr Transparenz gegenüber Geschäftspartnern und Behörden.
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