Grundsicherung: BĂŒrgergeld abgeschafft, Sanktionen um 30%
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 13:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Seit dem 1. Juli 2026 gilt in Deutschland ein neues System der Grundsicherung. Das BĂŒrgergeld ist Geschichte â ersetzt durch strengere Regeln mit hĂ€rteren Sanktionen.
Im Zentrum der Reform steht der sogenannte Kooperationsplan. Er soll Arbeitsuchende verbindlicher in den Arbeitsmarkt integrieren. Das bisherige Schlichtungsverfahren wurde abgeschafft, Jobcenter setzen Mitwirkungspflichten nun direkt per Bescheid fest. Alte Verfahren aus der Zeit vor der Reform laufen noch bis Ende des Jahres aus.
HĂ€rtere Sanktionen bei Pflichtverletzungen
Wer eine zumutbare Arbeit ablehnt, dem drohen deutliche KĂŒrzungen: 30 Prozent der Leistungen fĂŒr drei Monate. FĂŒr Alleinstehende bedeutet das monatlich 168,90 Euro weniger â basierend auf dem unverĂ€nderten Regelbedarf von 563 Euro.
Auch bei MeldeversĂ€umnissen reagieren die Behörden jetzt restriktiver. Das zweite unentschuldigte Fernbleiben kostet 30 Prozent fĂŒr einen Monat. Nach dem dritten verpassten Termin kann der Leistungsanspruch komplett entfallen. ZunĂ€chst wird der Regelbedarf gestrichen, die Unterkunftskosten ĂŒbernimmt das Jobcenter noch einen Monat. Taucht der Betroffene spĂ€ter wieder auf, lebt der Anspruch rĂŒckwirkend auf â bleibt aber mit der 30-Prozent-Sanktion belegt.
Rund 14.000 Personen gelten derzeit als Totalverweigerer. Das entspricht 0,27 Prozent der insgesamt 5,1 Millionen Leistungsbezieher.
Vermögen wird sofort geprĂŒft
Die bisherige Karenzzeit fĂŒr Vermögen und Wohnkosten ist weggefallen. Seit Anfang Juli prĂŒfen die Jobcenter die BedĂŒrftigkeit bei jedem Antrag sofort. Antragsteller mĂŒssen umfassende Vermögensauskunft geben â inklusive Krypto-BestĂ€nden und Depots. Kontenabrufe sind ebenfalls möglich.
Die FreibetrÀge sind nach Alter gestaffelt:
- Unter 30 Jahren: 5.000 Euro
- Ab 31 Jahren: 10.000 Euro
- Ab 41 Jahren: 12.500 Euro
- Ab 51 Jahren: 20.000 Euro
Innerhalb einer Bedarfsgemeinschaft sind die FreibetrĂ€ge ĂŒbertragbar. Beim Zuverdienst bleiben 100 Euro anrechnungsfrei. Wer 900 Euro brutto verdient, behĂ€lt laut Berechnungen 861 Euro netto inklusive ergĂ€nzender Grundsicherung.
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Erleichterte Förderung fĂŒr Langzeitarbeitslose
Parallel zu den VerschĂ€rfungen gibt es auch Erleichterungen. FĂŒr den Lohnkostenzuschuss nach § 16e SGB II reichen nun 21 Leistungsmonate innerhalb der letzten zwei Jahre â die bisherige zweijĂ€hrige Arbeitslosigkeit ist nicht mehr nötig. Arbeitgeber erhalten im ersten Jahr 75 Prozent, im zweiten Jahr 50 Prozent der Lohnkosten. In den ersten sechs Monaten ist ein begleitendes Coaching vorgesehen.
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