Grundsicherung ersetzt Bürgergeld: 30-Prozent-Kürzung bei Pflichtverstößen
Veröffentlicht: 01.07.2026 um 23:42 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Juni zu. Das Portal soll den Zeitaufwand für Unternehmen um schätzungsweise 73 Prozent senken. Bisher müssen Arbeitgeber je nach Zielland unterschiedliche nationale Systeme nutzen – eine Hürde besonders für kleine und mittlere Betriebe.
Bürokratieabbau mit Haken
Die Zahlen zeigen die Dimension: 2023 verzeichnete Deutschland rund 300.000 Entsendungen ins Ausland, während etwa 1,5 Millionen Arbeitnehmer aus anderen EU-Staaten hierzulande arbeiteten. Das neue Portal soll all diese Meldungen zentral bündeln.
Doch die formelle Bestätigung durch EU-Parlament und Rat steht noch aus. Experten sehen die Initiative dennoch als wichtigen Schritt zur Stärkung des Binnenmarktes.
Neue Regeln für Sozialkoordinierung ab 2028
Parallel zur Verfahrensvereinfachung kommen grundlegende Änderungen auf Unternehmen zu. Bereits am 22. April hatten sich EU-Rat und Parlament auf eine Revision der Sozialverordnungen geeinigt.
Die wichtigste Neuerung: Kurze Geschäftsreisen von maximal drei Arbeitstagen innerhalb von 30 Tagen werden ab 2028 von der A1-Bescheinigung befreit. Ausnahme bleibt das Baugewerbe. Für reguläre Entsendungen gelten künftig schärfere Regeln:
- Mindestens drei Monate Vorversicherungszeit im Entsendestaat
- Bei wiederholten Einsätzen: Unterbrechungsfrist von über zwei Monaten
- Bei Mitarbeiter-Ablösungen: Gesamtdauer auf maximal 24 Monate begrenzt
Die neuen EU-Regeln zur Entsendung und Sozialkoordinierung erhöhen den administrativen Druck auf Unternehmen deutlich. Wer jetzt noch kein rechtssicheres System zur Dokumentation nutzt, riskiert bei Prüfungen empfindliche Bußgelder. In 10 Minuten zur gesetzeskonformen Arbeitszeiterfassung
Tachografenpflicht für Transporter ab heute
Zum 1. Juli traten neue Anforderungen im Transportgewerbe in Kraft. Das EU-Mobilitätspaket verlangt nun intelligente Tachografen der Version 2 für leichte Nutzfahrzeuge über 2,5 Tonnen im internationalen Güterverkehr.
Betroffen sind Transporter und Fahrzeugkombinationen zwischen 2,5 und 3,5 Tonnen bei grenzüberschreitenden gewerblichen Fahrten. Reine Inlandstransporte und die Handwerkerregelung bleiben ausgenommen.
Deutschland ersetzt Bürgergeld durch neue Grundsicherung
Parallel zu den EU-Regelungen vollzieht sich in Deutschland ein Systemwechsel. Das Bürgergeld wird heute durch eine neue Grundsicherung abgelöst. Die Reform setzt auf härtere Sanktionen und stärkeren Vermittlungsvorrang.
Bei Pflichtverstößen drohen Kürzungen um 30 Prozent. Wer drei Termine ohne triftigen Grund versäumt, riskiert die vollständige Streichung der Bezüge. Die Vermögensfreibeträge wurden auf 5.000 bis 20.000 Euro gesenkt, die Wohnkostenübernahme früher gedeckelt. Der Regelsatz bleibt bei 563 Euro, der Bund plant 2026 Ausgaben von 41 Milliarden Euro.
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Workation im öffentlichen Dienst: Ungleiche Entwicklung
Während die Regeln für klassische Entsendungen gestrafft werden, zeigen sich bei modernen Arbeitsformen unterschiedliche Ansätze. Das Kraftfahrt-Bundesamt erlaubt bis zu 40 Tage mobiles Arbeiten aus dem Ausland – über 87 Prozent der Belegschaft sind dazu berechtigt.
Die Bundeszentrale für politische Bildung gestattet bis zu 30 Tage im EU-Ausland, das BSI sogar bis zu 60 Prozent ortsunabhängiges Arbeiten. Das bayerische Staatsministerium dagegen setzt wieder auf verstärkte Präsenz und hat Workation-Optionen gestrichen.
