Report vor der UN-Klimakonferenz zeigt drastische Daten
08.10.2024 - 16:05:10Von den 35 "planetaren Lebenszeichen", die die Gruppe Jahr fĂŒr Jahr analysiert, haben 25 ihrem Report zufolge einen Rekordwert erreicht. Die meisten waren negativ fĂŒr das Klima. Mit der aktuellen Politik sei die Welt auf einem Kurs zu einer Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur um 2,7 Grad bis 2100.
Der Report des Teams um William Ripple von der Oregon State University (USA) ist im Fachjournal "BioScience" erschienen. Zu den Autoren gehören auch Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts fĂŒr Klimafolgenforschung (PIK), und der dort arbeitende Forscher Stefan Rahmstorf.
Zahlreiche Rekordwerte
Schon seit einem halben Jahrhundert werde die globale ErwÀrmung richtigerweise vorhergesagt, schreibt das Team. "Trotz dieser Warnungen bewegen wir uns immer noch in die falsche Richtung; die Emissionen fossiler Brennstoffe sind auf ein Allzeithoch gestiegen", mahnen die Autoren, die zahlreiche Studien ausgewertet haben.
Einige planetare Lebenszeichen mit Rekordwerten sind laut Report:
TREIBHAUSGASE: Die jĂ€hrlichen energiebezogenen Treibhausgas-Emissionen stiegen 2023 um 2,1 Prozent und damit auf einen Rekordwert: Sie entsprechen nun erstmals der Klimawirkung von ĂŒber 40 Milliarden Tonnen CO2. Die drei gröĂten Emittenten China, USA und Indien sind zusammen fĂŒr mehr als die HĂ€lfte der weltweiten Emissionen verantwortlich.
MEERE: Die Meere haben noch nie so viel WĂ€rmeenergie gespeichert und hatten noch nie einen so hohen SĂ€uregehalt wie 2023. Die Hitzewellen in den Jahren 2021 und 2023 verursachten Massensterben von Fischen.
WĂLDER: Der weltweite Verlust durch WaldbrĂ€nde lag mit 11,9 Millionen Hektar 2023 ebenfalls auf Rekordniveau. Der gesamte jĂ€hrliche Waldverlust war 2023 der dritthöchste. Die Entwaldungsrate im brasilianischen Amazonasgebiet sei zurĂŒckgegangen, hieĂ es.
NUTZTIERE: Der Bestand an Nutztier-WiederkĂ€uern (Rinder, Schafe, Ziegen), die das Treibhausgas Methan ausstoĂen, war nie höher als 2023.
ENERGIE: Zwar ist auch die Energienutzung aus Wind- und Solarkraft auf dem höchsten je registrierten Stand und lag 2023 um 15 Prozent höher als im Jahr zuvor. Doch scheinen sie im Wesentlichen nur die Steigerung des Energiebedarfs zu kompensieren. "Der Verbrauch fossiler Brennstoffe ist nach wie vor etwa 14-mal höher als der Verbrauch von Solar- und Windenergie", heiĂt es in der Studie. Die Subventionen fĂŒr fossile Brennstoffe haben 2022 einen Rekordwert erzielt.
Einer vom Autorenteam zitierten Umfrage zufolge sind Klimaforscher wenig optimistisch: Von 380 Teilnehmern waren im Jahr 2024 nur sechs Prozent zuversichtlich, dass die ErderwĂ€rmung auf 1,5 Grad begrenzt werden kann. 18 Prozent erwarten eine Erhöhung auf 2 Grad ĂŒber dem vorindustriellen Zeitalter, 35 Prozent um 2,5 Grad und 26 Prozent um 3 Grad. Die ĂŒbrigen 16 Prozent waren noch pessimistischer. "Wir befinden uns bereits mitten in einem abrupten Klimaumbruch, der das Leben auf der Erde in einem AusmaĂ bedroht, wie es die Menschheit noch nie erlebt hat", mahnt Ripple laut einer Mitteilung seiner UniversitĂ€t.
Es gibt Lösungen
"In einer Welt mit endlichen Ressourcen ist unbegrenztes Wachstum eine gefĂ€hrliche Illusion", schreiben die Forscher und schlagen Lösungen vor: Der rasche Ausstieg aus der Nutzung fossiler Brennstoffe könne zum Teil mit einem ausreichend hohen globalen Kohlenstoffpreis erreicht werden, "der die Emissionen der Wohlhabenden begrenzen und potenzielle Mittel fĂŒr dringend benötigte Klimaschutz- und Anpassungsprogramme bereitstellen könnte." Auch Methanemissionen sollten Geld kosten.
"Wir brauchen einen mutigen, transformativen Wandel: eine drastische Reduzierung des ĂŒbermĂ€Ăigen Konsums und der Verschwendung, vor allem bei den Wohlhabenden", betonen die Forscher. Nötig sei auch eine Verminderung der Geburtenrate durch die StĂ€rkung der Bildung und der Rechte von MĂ€dchen und Frauen. Weiter nennen sie die Förderung der pflanzenbasierten ErnĂ€hrung und die EinfĂŒhrung einer ökologischen und nicht auf Wachstum ausgerichteten Wirtschaftsweise, die soziale Gerechtigkeit gewĂ€hrleistet. Ăkosysteme mĂŒssten wiederhergestellt werden. "Die Zukunft der Menschheit hĂ€ngt von unserer KreativitĂ€t, Moral und Beharrlichkeit ab", schreibt das Team.

