Niedrigster, Herbst

Niedrigster Stand seit Herbst: 2,0 Prozent Inflation im Juni

10.07.2025 - 08:54:40

Gute Nachrichten fĂŒr Deutschlands Verbraucher: Bei der Teuerungsrate geht es weiter nach unten. Entwarnung auf ganzer Linie wollen Volkswirte aber nicht geben.

  • Beim tĂ€glichen Einkauf spĂŒren Verbraucherinnen und Verbraucher die Teuerung. - Foto: Soeren Stache/dpa

    Soeren Stache/dpa

  • Tanken und Heizen waren im Juni gĂŒnstiger als vor einem Jahr. - Foto: Soeren Stache/dpa

    Soeren Stache/dpa

  • Wie geht es weiter mit den Spritpreisen? (Archivbild) - Foto: Jens BĂŒttner/dpa

    Jens BĂŒttner/dpa

Beim tĂ€glichen Einkauf spĂŒren Verbraucherinnen und Verbraucher die Teuerung. - Foto: Soeren Stache/dpaTanken und Heizen waren im Juni gĂŒnstiger als vor einem Jahr. - Foto: Soeren Stache/dpaWie geht es weiter mit den Spritpreisen? (Archivbild) - Foto: Jens BĂŒttner/dpa

Etwas Entspannung fĂŒr Deutschlands Verbraucher: Mit 2,0 Prozent Inflation hat sich das Leben hierzulande im Juni so wenig verteuert wie zuletzt im Oktober 2024. Im MĂ€rz hatten die Verbraucherpreise um 2,2 Prozent ĂŒber dem Niveau des Vorjahresmonats gelegen, im April und Mai waren es je 2,1 Prozent. Von Mai auf Juni 2025 blieb das Preisniveau unverĂ€ndert.

«Neben den weiterhin fallenden Energiepreisen ging insbesondere der Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln zurĂŒck», erklĂ€rte die PrĂ€sidentin des Statistischen Bundesamtes, Ruth Brand, anlĂ€sslich der BestĂ€tigung der vorlĂ€ufigen Zahlen. «Inflationstreibend wirkte dagegen nach wie vor die ĂŒberdurchschnittliche Teuerung bei Dienstleistungen.»

Ölpreis als ein entscheidender Faktor

Wie es bei der Inflation weitergeht, hĂ€ngt nach EinschĂ€tzung von Volkswirten zu einem großen Teil von den Ölpreisen ab. Der Krieg zwischen Israel und Iran hatte die Preise fĂŒr Rohöl und Benzin zwischenzeitlich krĂ€ftig steigen lassen - die Entspannung und der dann wieder abstĂŒrzende Ölpreis kamen zuletzt nur zögerlich an der ZapfsĂ€ule an.

«Zumindest auf kurze Sicht dĂŒrfte die deutsche Inflation ihren AbwĂ€rtstrend fortsetzen und in den kommenden Monaten wahrscheinlich unter zwei Prozent fallen», prognostiziert ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski.

«Vorsicht immer noch geboten»

Ökonomen weisen allerdings darauf hin, dass die sogenannte Kerninflation - also die Rate ohne die schwankungsanfĂ€lligen Preise fĂŒr Nahrungsmittel und Energie - weiterhin erhöht ist: Nach 2,8 Prozent im Mai waren es im Juni 2,7 Prozent. Vorsicht sei daher immer noch geboten, argumentiert DZ-Bank-Chefvolkswirt Michael Holstein: «Der Preis- und Lohndruck ist vor allem im Dienstleistungssektor weiter vorhanden.»

Seit Monaten ĂŒberdurchschnittliche Teuerung bei Dienstleistungen

Die erhöhte Teuerung bei Dienstleistungen hĂ€lt sich seit Monaten hartnĂ€ckig. Im Juni stiegen in diesem Bereich die Preise um 3,3 Prozent und damit nur unmerklich weniger als im Mai. Ein Grund: gestiegene Löhne. Fahrdienste waren 11,4 Prozent teurer als ein Jahr zuvor, Versicherungen verteuerten sich um 8,1 Prozent, fĂŒr den GaststĂ€ttenbesuch musste 4,1 Prozent mehr gezahlt werden.

Energie im Juni gĂŒnstiger als vor einem Jahr

Energie war nach Berechnungen der Wiesbadener Statistiker im Juni 3,5 Prozent gĂŒnstiger als ein Jahr zuvor. Das dĂ€mpft die Teuerungsrate. Allerdings war die Differenz zum Vorjahresmonat im April und Mai noch grĂ¶ĂŸer gewesen.

Binnen Jahresfrist gingen im Juni 2025 die Preise fĂŒr Kraftstoffe (minus 4,6 Prozent) zurĂŒck. Brennstoffe wie Heizöl und Holzpellets (jeweils minus 5,6 Prozent) sowie Strom (minus 2,4 Prozent) waren ebenfalls gĂŒnstiger.

Anstieg der Lebensmittelpreise flaut ab 

Zugleich fielen Preissteigerungen fĂŒr Lebensmittel mit 2,0 Prozent im Juni geringer aus als in den Monaten zuvor. Beim Einkaufen merken Konsumenten dies gleichwohl: So haben sich Obst (plus 7,4 Prozent) und Molkereiprodukte (plus 3,6 Prozent) stĂ€rker verteuert als der gesamte Warenkorb. Kaffee kostete im Juni 19,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, die Schokoladenpreise zogen um 17,4 Prozent an, Butter war 13,9 Prozent teurer.

Kein Wunder daher, dass die Inflation trotz des AbwĂ€rtstrends nach wie vor zu den grĂ¶ĂŸten Sorgen der Deutschen zĂ€hlt: Gut 40 Prozent von 1.000 Erwachsenen, die Anfang Juni fĂŒr die Direktbank ING befragt wurden, nannten die Teuerung als grĂ¶ĂŸte Belastung mit Blick auf die eigene finanzielle Situation - knapp hinter der allgemeinen Lage in Deutschland (rund 44 Prozent).

Im Gesamtjahr etwa zwei Prozent Inflation erwartet

Die Bundesbank geht davon aus, dass die Inflationsrate in Deutschland in den kommenden Monaten um die Zwei-Prozent-Marke schwanken wird. Der SachverstÀndigenrat («Wirtschaftsweise») rechnet damit, dass auch im Jahresschnitt 2025 ein Wert um zwei Prozent herauskommen wird.

Im Gesamtjahr 2022 war die Inflation in Deutschland auf 6,9 Prozent geschnellt, 2023 waren es 5,9 Prozent. Nach dem russischen Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 waren die Preise fĂŒr Energie und Lebensmittel sprunghaft geklettert. Im vergangenen Jahr flaute die Teuerung auf 2,2 Prozent ab. Je höher die Inflationsrate, umso geringer die Kaufkraft der Menschen.

@ dpa.de