Immobilienmarkt - TrĂŒbe Aussichten fĂŒr HĂ€user mit Ăl- und Gasheizung
17.11.2024 - 13:50:02Schon derzeit sind unsanierte HĂ€user und Wohnungen gĂŒnstiger als energieeffiziente Wohnimmobilien, das PreisgefĂ€lle wird sich nach verbreiteter EinschĂ€tzung in der Branche weiter vergröĂern.
Nach den teilweise krĂ€ftigen PreisrĂŒckgĂ€ngen im vergangenen Jahr sind WohnhĂ€user und Immobilien in diesem Jahr wieder teurer geworden. "Bei den Immobilienpreisen sehen wir seit Jahresbeginn 2024 ĂŒber alle GebĂ€udeklassen hinweg Preissteigerungen", sagt Oliver Adler, der Immobilienexperte der Bausparkasse SchwĂ€bisch Hall - im Schnitt um 2,4 Prozent.
Lage ist nicht mehr alles - die Heizung ist zÀhlt
Doch die ĂŒberlieferte Lehrmeinung, dass der Preis einer Wohnimmobilie hauptsĂ€chlich von deren Lage abhĂ€ngt, gilt offenkundig nicht mehr. "Die Preise schwanken abhĂ€ngig vom Alter, der Lage und zunehmend auch der Energieeffizienzklasse der Immobilie", sagt Adler. "Bei energetisch unsanierten Immobilien mit einer Energieeffizienzklasse von D oder schlechter ist mittel- bis langfristig mit PreisabschlĂ€gen von 20 bis 30 Prozent zu rechnen."
Ăltere Immobilien haben stĂ€rker an Wert verloren
Laut Preisindex des MĂŒnchner Finanzierungsvermittlers Interhyp sanken die Preise fĂŒr Ă€ltere Immobilien mit Baujahr vor 1990 im Zuge der Zinswende im Jahr 2022 um knapp zehn Prozent. Neuere Immobilien mit Baujahr nach 2010 verloren laut Interhyp-Index ledig 5 Prozent ihres Werts. "Seitdem steigen die Preise fĂŒr beide Immobilienklassen jedoch in einem Ă€hnlichen Tempo", sagt VertriebsvorstĂ€ndin Mirjam Mohr. "Plus 4 Prozent bei Ă€lteren Immobilien, plus 3,4 % bei Immobilien, die nach 2010 gebaut wurden."
Schwer verkÀuflich: schlechte Energieeffizienzklassen
Auf der Webseite Immoscout 24 jedoch ignorieren etliche Interessentinnen und Interessenten mittlerweile von vornherein Angebote in den schlechteren Energieeffizienzklassen E bis H. "Viele Kunden filtern mit Energieklasse D oder besser", sagte GeschĂ€ftsfĂŒhrerin Gesa Crockford bei einer Veranstaltung des Frankfurter Maklerhauses von Poll Immobilien.
"Mieter stellen diese Frage nicht, aber fĂŒr KĂ€ufer ist das fast existenziell", sagt Stephan Kippes, der Marktforscher des Immobilienverbands Deutschland SĂŒd. Die KĂ€ufer hĂ€tten ohnehin schon hohe Finanzierungskosten zu tragen, die Energiekosten jedoch wĂŒrden in den nĂ€chsten Jahren voraussichtlich krĂ€ftig steigen.
Erdgasversorgung immer teurer
In den StĂ€dten wird in den nĂ€chsten dreiĂig Jahren eine steigende Zahl von WĂ€rmepumpen und FernwĂ€rmeanschlĂŒssen allmĂ€hlich alte Gas- oder Ălheizungen ersetzen. Je weniger Haushalte ans Gasnetz angeschlossen sind, desto teurer wird der Betrieb fĂŒr Stadtwerke und Energieversorger. Die Kosten werden in Form der Gas-Netzentgelte auf die angeschlossenen Haushalte umgelegt. Schon im nĂ€chsten Jahr stehen krĂ€ftige Steigerungen in Aussicht. Hinzu kommt die CO2-Abgabe, die ebenfalls steigen werden wird. In Mannheim peilt der Energieversorger MVV DE000A0H52F5 eine Abschaltung des dortigen Gasnetzes schon fĂŒr das Jahr 2035 an. Ăhnliche Ăberlegungen gibt es in vielen anderen StĂ€dten.
Der Einfluss des Klimawandels
Das "Network for the Greening of the FInancial System" - eine internationale Arbeitsgemeinschaft von Zentralbanken und Aufsichtsbehörden - geht davon aus, dass der Klimawandel in den kommenden Jahrzehnten in vielen LĂ€ndern einen groĂen Effekt auf die Immobilienpreise haben könnte. Im ungĂŒnstigsten Fall fĂŒr EigentĂŒmer könnten die Immobilienpreise demnach bis 2050 krĂ€ftig fallen - in Deutschland um fast ein Viertel.
Die Volkswirte des Versicherungskonzerns Allianz haben diese EinschĂ€tzung in der jĂŒngsten Ausgabe ihres jĂ€hrlichen "Global Wealth Report" aufgegriffen. "Das sind keine Prognosen, sondern Szenarien", sagt der Ăkonom Arne Holzhausen. "Geopolitische Risiken und andere Faktoren, die die Entwicklung beeinflussen könnten, sind darin nicht enthalten."
VerspÀtetes Handeln könnte teuer werden
Dennoch gilt auch nach EinschĂ€tzung des gröĂten deutschen Versicherers: "Insgesamt sehen wir die Gefahr, dass halbherzige oder verzögerte Klimapolitik den gesamten Immobilienmarkt nach unten ziehen könnte. Die HĂ€user, die energetisch nicht Schritt halten, werden am Markt bestraft werden", sagt Holzhausen. "Wenn man sich nicht rechtzeitig vorbereitet, wird die Rechnung am Ende meistens teurer."
Das PreisgefĂ€lle zwischen energetisch effizienten und unsanierten Immobilien ist jedoch regional unterschiedlich. "In regionalen MĂ€rkten mit höherer Leerstandsquote dĂŒrfte eine weitere Steigerung der PreisabschlĂ€ge wahrscheinlich sein", erwartet Sören Gröbel, Leiter der Wohnungsmarktforschung des Immobiliendienstleisters JLL in Deutschland.
GröĂeres PreisgefĂ€lle auf dem Land
In Regionen mit höheren Leerstandsquoten waren Wohnimmobilien der beiden schlechten Kategorien G und H demnach im ersten Quartal bereits um ĂŒber die HĂ€lfte billiger als diejenigen der besten Effizienzklassen A und A+. "EigentĂŒmer energetisch schlechter Immobilien werden in Zukunft immer gröĂere Schwierigkeiten bei der Vermietung, beim Verkauf und auch bei der Finanzierung ihrer Immobilien bekommen", sagt Gröbel.
Im nÀchsten Jahr Anstieg der Durchschnittspreise zu erwarten
Im nĂ€chsten Jahr sind nach EinschĂ€tzung der meisten Fachleute im Schnitt keine weiter sinkenden Immobilienpreise zu erwarten. "Der Wunsch der Menschen nach den eigenen vier WĂ€nden ist ungebrochen groĂ- auch, weil der Mietmarkt zunehmend unattraktiver wird", sagtInterhyp-Vorstandschef Jörg Utecht zu den schier unaufhaltsam steigenden Mieten. "Wegen der ungebrochen groĂen Nachfrage sowie des begrenzten Angebots aufgrund des lahmenden Neubaus gehen wir davon aus, dass die Immobilienpreise auch im kommenden Jahr weiter steigen werden."

