Nachhaltigkeit, Lebensmittel

Nachhaltigkeit in der Fischerei? Präzision statt Zufall / Wie moderne Technik dabei hilft, gezielter zu fischen und Ressourcen zu schonen

07.05.2026 - 09:00:03 | presseportal.de

Hamburg - Nachhaltigkeit ist für viele Verbraucher ein wichtiges Kriterium beim Kauf von Fisch und Meeresfrüchten - und sie beginnt bereits beim Fang. Moderne Technik spielt dabei eine entscheidende Rolle: Sensoren, Echolote und digitale Systeme helfen heute dabei, Fänge gezielter zu planen, Beifang zu reduzieren und Ressourcen zu schonen. Doch was bedeutet nachhaltige Fischerei konkret - und wie viel davon ist schon Realität? Darüber spricht Dr. Tim Dudeck vom Deutschen Fischerei-Verband im Interview mit dem Fisch-Informationszentrum (FIZ). Als Transformationsberater sitzt er an der Schnittstelle zwischen Fischerei, Wissenschaft und Politik und gibt Einblicke in die Praxis moderner Fischerei.

Nachhaltigkeit in der Fischerei? Präzision statt Zufall / Wie moderne Technik dabei hilft, gezielter zu fischen und Ressourcen zu schonen - Foto: presseportal.de
Nachhaltigkeit in der Fischerei? Präzision statt Zufall / Wie moderne Technik dabei hilft, gezielter zu fischen und Ressourcen zu schonen - Foto: presseportal.de

In der öffentlichen Wahrnehmung ist Fischerei oft noch mit festen Bildern verbunden: überfischte Meere, zerstörte Lebensräume oder große Trawler auf See. Dabei hat sich die Fischerei in den vergangenen Jahrzehnten deutlich weiterentwickelt. Strengere Regeln, bessere Daten und moderne Technik ermöglichen heute ein gezielteres und ressourcenschonenderes Arbeiten - insbesondere in der EU und auch in Deutschland. Gleichzeitig stellen veränderte Umweltbedingungen wie steigende Temperaturen oder schwankende Bestände die Fischerei vor neue Herausforderungen. Wie sich all das in der Praxis auswirkt, zeigt ein Blick hinter die Kulissen.

Was bedeutet nachhaltige Fischerei eigentlich konkret?

Dr. Tim Dudeck: Nachhaltige Fischerei heißt vor allem, einem Fischbestand nur so viel zu entnehmen, wie nachwächst. Also nur das, was der Bestand selbst wieder produziert. Dieses Prinzip nennt man maximalen Dauerertrag - und daran orientieren sich auch die Fangquoten. Heute geht es aber um mehr: Neben der biologischen Nachhaltigkeit spielen auch weitere ökologische Aspekte wie der Schutz des Meeresbodens und die Vermeidung von Beifang eine Rolle. Dazu kommt auch eine soziale sowie eine wirtschaftliche Nachhaltigkeit, zum Beispiel faire Bedingungen für die Fischer wie eine gerechte Verteilung der Fangquoten und die Sicherung der Betriebe.

Hat sich die Fischerei in den letzten Jahren in Richtung Nachhaltigkeit verändert?

Dr. Tim Dudeck: Ja, deutlich. In den letzten 20 bis 25 Jahren hat sich viel getan. Nachhaltigkeit ist stärker in den Fokus gerückt - auch bei den Fischern selbst. Es wird mehr ausprobiert, etwa bei neuen Fanggeräten, die Beifang und Bodenkontakt reduzieren, oder bei Maßnahmen, um Treibstoff zu sparen und Emissionen zu senken. Gleichzeitig stehen die Bestände durch den Klimawandel unter Druck, weil sich die Umweltbedingungen verändern.

Wie hilft Technik dabei, nachhaltiger zu fischen?

Dr. Tim Dudeck: Moderne Technik macht die Fischerei vor allem präziser. Auf größeren und modernen Schiffen gibt es heute sehr gute Sensorik und Echolote. Damit kann genau erkannt werden, wo sich Fischschwärme befinden, wie groß sie sind und wie sich das Netz im Wasser verhält. So können Fischer gezielt entscheiden, ob sich ein Fang lohnt - und vermeiden unnötige Fahrten und Beifang.

Können Sie ein konkretes Beispiel nennen?

Dr. Tim Dudeck: Ein Beispiel ist die Steuerung von Grundschleppnetzen. Moderne Systeme zeigen genau, wie nah das Netz am Meeresboden ist. Wenn sich der Zielfisch ein paar Meter über dem Boden befindet, muss das Netz den Boden gar nicht berühren. Jede unnötige Bodenberührung wird vermieden - auch, weil sie mehr Treibstoff kostet. Das schont gleichzeitig die Umwelt.

Und was passiert beim Thema Beifang?

Dr. Tim Dudeck: Auch hier gibt es viele Ansätze. In der Ostsee gibt es zum Beispiel freiwillige Vereinbarungen, um den Beifang von Schweinswalen und Seevögeln zu reduzieren. Netze werden dann in bestimmten Bereichen gar nicht erst ausgelegt, gezielt angepasst oder mit akustischen Signalen ausgestattet, damit Tiere sie besser wahrnehmen und umschwimmen können. Selektive Netze sortieren derweil schon Unterwasser nicht-Zielfische aus und oft werden größere Maschenweiten eingesetzt als vorgeschrieben. Die Fischer betreiben da wirklich viel Aufwand.

Spielt auch der Treibstoffverbrauch eine Rolle für die Nachhaltigkeit?

Dr. Tim Dudeck: Ja, aber bislang noch keine große. Wenn Fischer dank besserer Daten und neuer Technologie gezielter arbeiten können, müssen sie weniger suchen und können gezielter Fangtechnik einsetzen. Das spart Zeit und Sprit. Moderne Technik sorgt also nicht dafür, dass mehr Fisch gefangen wird, sondern dass effizienter, emissionsarmer und umweltschonender gefischt wird. Denn für die Menge gibt es im Sinne der Nachhaltigkeit klare Quoten und Vorgaben, die nicht überschritten werden dürfen.

Wie wird eigentlich kontrolliert, dass nachhaltig gefischt wird?

Dr. Tim Dudeck: Die Fischerei gehört zu den am strengsten kontrollierten Bereichen der Lebensmittelproduktion. Fangmengen müssen dokumentiert werden, es gibt Kontrollen an Bord und im Hafen, und die Einhaltung der Quoten wird überprüft. In der EU ist das klar geregelt.

Welche hartnäckigen Irrtümer über Fischerei würden Sie gern endlich aufklären?

Dr. Tim Dudeck: Da gibt es zwei, die mir besonders am Herzen liegen: Der Eindruck, dass grundsätzlich alles überfischt ist, hält sich hartnäckig - stimmt so aber für die EU-Fischerei nicht. In der EU gilt eine gemeinsame Fischereipolitik mit klaren Regeln. Hier gibt es praktisch keine illegale Überfischung mehr. Ein weiterer Mythos ist, dass beim Grundschleppnetz pauschal der Meeresboden "umgepflügt" wird. Tatsächlich versuchen Fischer, den Bodenkontakt so gering wie möglich zu halten. Und wenn es doch nötig ist, sind moderne Fanggeräte so gebaut, dass sie möglichst leicht über den Boden gleiten - etwa durch Rollen oder spezielle Vorrichtungen, die verhindern, dass sich Netze festsetzen oder stark in den Untergrund eingreifen. Auch wirtschaftlich haben Fischer kein Interesse daran, den Boden unnötig zu berühren: Das erhöht den Treibstoffverbrauch und führt zu mehr Verschleiß. Darum werden auch sensible Bereiche wie Riffe oder felsige Untergründe bewusst gemieden. Dort besteht die Gefahr, dass Netze beschädigt werden oder verloren gehen. Entsprechend wird der Einsatz so präzise wie möglich gesteuert.

Worauf können Verbraucher achten?

Dr. Tim Dudeck: Wer beim Fischkauf auf Nachhaltigkeit achten möchte, kann sich an einigen einfachen Kriterien orientieren: Nachhaltigkeitssiegel wie das MSC-Siegel bieten eine schnelle Orientierung. Ein Blick auf das Etikett lohnt sich aber in jedem Fall: Herkunft und Fanggebiet geben Hinweise darauf, wo und unter welchen Bedingungen der Fisch gefangen wurde. Fisch aus EU-Fischerei unterliegt strengen Kontrollen und ist in der Regel gut rückverfolgbar. Und auch die Auswahl spielt eine Rolle: Wer nicht immer die gleichen, stark nachgefragten Arten kauft, sondern auf Vielfalt setzt, kann zusätzlich dazu beitragen, Fischbestände zu entlasten. Am besten geht das beim Fischer vor Ort, der kann Ihnen auch erzählen, wie, wo und wann er den Fisch genau gefangen hat.

Pressekontakt:

Fisch-Informationszentrum (FIZ) e.V.
Dipl. oec. troph. Julia Steinberg-Böthig
Große Elbstraße 133
D-22767 Hamburg
Tel. 040 / 389 25 97
Mobil: 0151 420 360 58
Mail: jboethig@fischinfo.de
Web: www.fischinfo.de

Original-Content von: FIZ Fisch-Informationszentrum e. V. übermittelt durch news aktuell

http://ots.de/5fad50

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - trading-notes lesen ist besser!

Wirtschaftsnachrichten lesen ist gut - <b>trading-notes</b> lesen ist besser!
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | wirtschaft | 69287692 |