Die Zukunft der Arbeit: Wie KI unsere Berufe verÀndert
01.08.2024 - 07:50:00Herr Nissl, ist das eines Ihrer letzten Interviews, das Sie persönlich fĂŒhren? Werden Sie das zukĂŒnftig von KI erledigen lassen?
Reinhard Nissl: Definitiv nicht. KI kann uns zwar unterstĂŒtzen, aber eine persönliche Verbindung zwischen Menschen kann sie nicht ersetzen.
Wir hören immer wieder, KI zieht eine tiefgreifende VerĂ€nderung aller Berufsbilder nach sich. Was sind das konkret fĂŒr VerĂ€nderungen?
Reinhard Nissl: Da stecken wir mittendrin, das herauszufinden. Wenn wir einer McKinsey-Studie aus dem vergangenen Jahr mit dem Titel "Generative KI kann zum ProduktivitĂ€tsbooster werden" glauben, so wird sie in Deutschland und Europa erstmal fĂŒr einen ProduktivitĂ€tsschub sorgen.
Inwiefern?
Reinhard Nissl: KĂŒnstliche Intelligenz verĂ€ndert vor allem klassische BĂŒroberufe. Durch sie kann die Effizienz gesteigert und die QualitĂ€t von Dienstleistungen verbessert werden. In unserem internen Microsoft HR Service Center beantwortet KI beispielsweise Anfragen schneller und prĂ€ziser. Auch in der medizinischen Forschung sehen wir durch KI beschleunigte Ergebnisse. Die Hoffnung ist, dass Ărzt:innen auf diese Weise wieder mehr Zeit finden, den Kontakt mit den Patient:innen zu suchen.
Viele haben aber auch Angst, dass wegen KI ArbeitsplÀtze verloren gehen.
Reinhard Nissl: Sicher werden Arbeitsfelder verschwinden, aber es werden auch neue hinzukommen. Das stimmt mich optimistisch. Bei Microsoft haben wir eine starke Partnerschaft mit unserem Betriebsrat, um offen zu besprechen, wo wir KI nutzen wollen und welche Risiken das birgt. Wir betrachten das als gutes Mittel, den Mitarbeitenden die Angst zu nehmen.
Welche Arbeitsfelder werden sich denn konkret verÀndern?
Reinhard Nissl: Der Engineering-Bereich muss neu gelernt werden, das Coden mit KI. Mathematiker und IT-ler werden in Zukunft mit Hilfe von KI agiler arbeiten können. So kann KI repetitive und zeitaufwĂ€ndige Aufgaben wie Code-ĂberprĂŒfung und Fehlerbehebung automatisieren. Dies ermöglicht Entwicklern, sich auf komplexere und kreativere Aufgaben zu konzentrieren. Es wird auch spannende neue Berufsfelder geben, wie man zum Beispiel KreativitĂ€t in Designberufen mit KI neu denkt.
Wie können sich junge Menschen fĂŒr diesen neuen Arbeitsmarkt wappnen?
Reinhard Nissl: Sie sollten vor allem ihre Soft Skills stĂ€rken, wie Resilienz, kontinuierliches Lernen, Offenheit fĂŒr VerĂ€nderungen, Empathie, KreativitĂ€t und ethisches Bewusstsein. Die stĂ€ndigen VerĂ€nderungen in allen Industriebereichen benötigen ein hohes MaĂ an Aufgeschlossenheit - und an Risikobereitschaft. Ich muss bereit sein, das Altbekannte fĂŒr etwas Neues zu verlassen, in der Hoffnung noch erfolgreicher zu sein. Ich selbst habe mich ĂŒbrigens auch stetig weiterentwickelt. Ich habe eine Ausbildung als MĂŒller in einer GroĂindustrie-MĂŒhle gemacht und erst danach den Weg ĂŒber ein Betriebswirtschaftsstudium und Praktika in den Personalbereich gefunden.
Haben Sie einen Tipp, welche StudiengÀnge besonders erfolgsversprechend in Zukunft sein werden?
Reinhard Nissl: Technologieunternehmen wie wir werden vor allem nach Talenten mit IT- oder Wirtschaftsinformatik-Studium suchen. FĂŒr den deutschen Markt sind StudiengĂ€nge wie Medizin, BWL, Sozialwissenschaften, PĂ€dagogik und kĂŒnstlerische Bereiche genau so vielversprechend. Wichtig ist, sich in ihnen mit KI zu beschĂ€ftigen, weil KI in allen Berufsbildern eine Rolle spielen wird.
Microsoft hat sich mit der Carl Remigius Fresenius Education Group zusammengetan und gemeinsam mit dem IT-Dienstleister scioneers "NextGeneration:AI" auf die Beine gestellt. "NextGeneration:AI" ist eine eigene datenschutzkonforme Plattform fĂŒr die Sprachmodelle ChatGPT, Mistral und Llama. Seit dem Sommersemester 2024 haben alle 36.000 Studierenden, Lehrenden, Mitarbeitenden der 17 Bildungsmarken der CRFEG einen Zugang erhalten. Was ist der Vorteil, wenn Hochschulen ihren Studierenden eine KI zur VerfĂŒgung stellen?
Reinhard Nissl: Studierende sollten so frĂŒh wie möglich den professionellen Umgang mit KI lernen. Das bereitet sie optimal auf die Anforderungen des modernen Arbeitsmarktes vor.
Doch die Angst besteht, dass sie sich Haus- und Bachelor-Arbeiten schreiben lassen. WofĂŒr sollten Studierende eine KI nutzen?
Reinhard Nissl: Wenn ich ĂŒberlege, was bei mir in meinem Studium hĂ€ngen geblieben ist, so sind es die Diskussionen mit den Professor:innen, der Austausch mit Studierenden, die Kollaboration in Projektarbeiten, das Miteinander-Arbeiten und Voneinander-Lernen. Zudem die Methodik des wissenschaftlichen Arbeitens. Das ist durch KI nicht zu ersetzen. KI hĂ€tte mich bei Recherchearbeiten, beim Verfassen von Texten, einer Datenanalyse und der Automatisierung von Routineaufgaben unterstĂŒtzen können - so können Studierende sie sinnvoll einsetzen.
Wie profitierenden die Lehrenden von einem KI-Tool?
Reinhard Nissl: Sie können sich die Frage stellen: Wie stelle ich sicher, dass meine Studierenden zu Persönlichkeiten heranwachsen mit starken Kompetenzen im Soft-Skill-Bereich? Sie können die LehrplÀne an die neuen Anforderungen anpassen und verstÀrkt auf die Vermittlung von Sozialkompetenzen und technologischem Wissen setzen. Kooperationen mit Unternehmen und der Einsatz moderner Technologien im Unterricht sind ebenfalls wichtig.
In Deutschland herrscht FachkrĂ€ftemangel. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft Köln fehlen derzeit am deutschen Arbeitsmarkt etwa 573.000 qualifizierte ArbeitskrĂ€fte. Wenn Unternehmen diesen FachkrĂ€ftebedarf decken könnten, wĂŒrde das deutsche Produktionspotenzial in 2024 um 49 Milliarden Euro höher liegen. Können KIs diese LĂŒcke fĂŒllen?
Reinhard Nissl: Sie werden sicherlich dabei helfen, den FachkrĂ€ftemangel zu mildern, indem sie bestimmte Aufgaben automatisieren und effizienter gestalten. Lösen werden sie das Problem aber nicht. DafĂŒr wird es notwendig sein, in die Ausbildung und Weiterbildung von FachkrĂ€ften zu investieren, um den Bedarf langfristig zu decken.
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