Kreislaufwirtschaft: Garant fĂŒr europĂ€ische RessourcensouverĂ€nitĂ€t
01.10.2025 - 08:00:15Europa ringt um Ressourcen, Resilienz und weniger AbhĂ€ngigkeiten von Big Playern wie China, Russland und den USA. Offizielle Daten zeigen erste Fortschritte - vor allem in puncto ZirkularitĂ€t: so lag 2022 die Recyclingquote von Verpackungen EU-weit bei rund 65 Prozent, bei Plastikverpackungen bei etwa 41 Prozent. In Deutschland meldete das Umweltbundesamt fĂŒr 2023 eine werkstoffliche Recyclingquote von 68,9 Prozent bei Kunststoffverpackungen aus Haushalten. Zugleich wĂ€chst der Druck, Designs, Wiederverwendung und RĂŒcknahme schneller zu skalieren, um EU-Vorgaben, u. a. aus dem Green Deal, zu erreichen. Die EU peilt bis 2030 rund 70 Prozent Recycling fĂŒr alle Verpackungen an; bei Kunststoffen sind 55 Prozent bis 2030 vorgeschrieben. ErgĂ€nzend arbeiten Politik und Industrie an neuen Standards, digitaler Produktkennzeichnung sowie innovativen Sortiertechnologien. Auch Konsumenten spielen mit bewussteren Kaufentscheidungen und richtiger MĂŒlltrennung eine zunehmend wichtige Rolle im Wandel. Wie die Unternehmen der Schwarz Gruppe mit diesen Herausforderungen umgehen, erlĂ€utert Florian SchĂŒtze, GeschĂ€ftsleiter Corporate Responsibility der Schwarz Corporate Affairs, am Beispiel der ganzheitlichen Kreislaufwirtschaftsstrategie REset Resources.
Herr SchĂŒtze, die Unternehmen der Schwarz Gruppe haben ihre, seit 2018 bestehende Plastikstrategie, zu einer umfassenden Kreislaufwirtschaftsstrategie weiterentwickelt. Warum war dieser Schritt notwendig - und was unterscheidet REset Resources von der VorgĂ€ngerstrategie REset Plastic?
Als weltweit tĂ€tige Handelsgruppe tragen wir groĂe Verantwortung und haben einen starken Hebel fĂŒr positive VerĂ€nderung. Kreislaufwirtschaft ist fĂŒr uns kein Selbstzweck: Um langfristig handlungsfĂ€hig zu bleiben, möchten wir unsere AbhĂ€ngigkeit von globalen VersorgungsengpĂ€ssen reduzieren und dringend benötigte Rohstoffe im Kreislauf halten. Mit unserer ganzheitlichen Kreislaufwirtschaftsstrategie REset Resources schlieĂen wir WertstoffkreislĂ€ufe, sichern den Zugang zu wichtigen Rohstoffen und leisten damit einen Beitrag zur europĂ€ischen RessourcensouverĂ€nitĂ€t.
REset Resources ist die ganzheitliche Weiterentwicklung unserer bisherigen Plastikstrategie REset Plastic. Nun decken wir nicht mehr nur Kunststoff, sondern sĂ€mtliche Materialströme, unser Produkt- und Verpackungsportfolio sowie all unsere Wertschöpfungsprozesse mit konkreten Zielen ab. Sie reichen von der Gestaltung von Produkten und unserer Eigenmarkenverpackungen ĂŒber die Logistik bis zur stofflichen Verwertung.
Sie haben REset Resources in fĂŒnf Handlungsfelder gegliedert: REdesign, REduce, REuse, REcollect und REcycle. Können Sie erlĂ€utern, was dahintersteckt?
Wir haben REset Resources so konzipiert, dass alle zentralen Bereiche einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft abgedeckt sind: REdesign fĂŒr die kreislauffĂ€hige Gestaltung von GeschĂ€ftsmodellen, REduce zur Reduzierung des Ressourceneinsatzes und von Verschwendung, REuse zur Förderung der Wiederverwendung, REcollect, um Zugang zu Wertstoffen zu schaffen, und REcycle zur StĂ€rkung hochwertiger Verwertungsverfahren und des Rezyklateinsatzes.
Im Bereich REdesign wollen Sie Eigenmarkenverpackungen bis 2030 maximal recyclingfÀhig gestalten. Was bedeutet das konkret?
REdesign bedeutet, dass wir Produkte und Verpackungen von Beginn an so konzipieren, dass sie langlebig, reparierbar und recyclingfĂ€hig sind. Bei unserem Verpackungsziel gibt es eine Herausforderung: Die genaue Berechnungslogik fĂŒr "maximal recyclingfĂ€hig" wird aktuell mit der PPWR ausdifferenziert. Bis dahin orientieren wir uns an dem deutschen Mindeststandard. Nach dieser Methodik sind die PrimĂ€r-Kunststoffverpackungen der Lidl- und Kaufland-Eigenmarken im GeschĂ€ftsjahr 2024 zu circa 63 Prozent recyclingfĂ€hig.
Ein Beispiel fĂŒr nachhaltiges Produktdesign ist die kreislauffĂ€hige Textilkollektion von Lidl. Sie wurde nach den Richtlinien des "Jeans Redesign"-Projekts der Ellen MacArthur Foundation entwickelt. Die KleidungsstĂŒcke bestehen zu mindestens 98 Prozent aus zellulosebasierten Fasern. Alle Kleinteile wie Knöpfe sind leicht entfernbar, um die Sortierung und das Recycling zu vereinfachen. So ermöglicht das Produktdesign die spĂ€tere KreislauffĂ€higkeit.
Unter REduce planen Sie, den Einsatz von Neuware in Einwegverpackungen bis 2030 um 15 Prozent absolut zu senken. Wie erreichen Sie dieses Ziel, ohne QualitÀt oder Versorgungssicherheit zu gefÀhrden?
Von 2017 bis zum GeschĂ€ftsjahr 2024 konnten wir 34 Prozent Plastik unserer EigenmarkenprimĂ€rverpackungen und Transporthilfen aus Kunststoff einsparen. Das schaffen wir, indem wir Verpackungen weglassen, wo möglich, und so wenig Verpackungsmaterial einsetzen, wo nötig. AuĂerdem nutzen wir Post-Consumer-Rezyklaten (PCR). Die QualitĂ€t haben wir dabei immer im Blick: PreZero Polymers entwickelt PCR, das von akkreditierten Laboren getestet und zertifiziert wird und Produktsicherheit garantiert.
Abseits von Kunststoff setzen wir auf Naturmaterialien wie Silphie-Fasern als Alternative fĂŒr Papier. Entwickelt wird die innovative Verpackung von der PreZero-Marke OutNature. So reduzieren wir den Einsatz von Neuware und schaffen neue, nachwachsende Wertstoffquellen.
Das Handlungsfeld REuse sieht vor, dass bis 2027 nahezu 100 Prozent der innerbetrieblichen Kommissionierung auf Mehrwegpaletten umgestellt wird. Wie realistisch ist dieses Ziel und was bedeutet es fĂŒr Ihre Logistik?
Wie jedes unserer REset Resources Verpackungsziele ist das Ziel ambitioniert formuliert. FĂŒr die Logistik bieten Mehrwegpaletten Vorteile wie Ressourcenschonung und Effizienz: Die Kunststoff-LadungstrĂ€ger von PreTurn, einer Logistiklösung von PreZero, sind stabiler, leichter und langlebiger als herkömmliche Holzpaletten. Sie erreichen signifikant mehr UmlĂ€ufe und verringern dadurch den Bedarf an Neuproduktion. Kaufland nutzt eine eigens von der Schwarz Beschaffung entwickelte Kaufland-Klapp-Palette fĂŒr Transport und Kommissionierung zwischen Verteilzentren und Filialen. Diese Palette bietet ergonomische Vorteile und spart durch stabile SeitenwĂ€nde jĂ€hrlich mindestens 20 Prozent Verpackungsfolie.
Bei REcollect wollen Sie so viele Wertstoffe sammeln, wie Sie mit Eigenmarkenverpackungen und Handzetteln in Umlauf bringen. Wie funktioniert das in der Praxis?
Dank unseren eigenen Sammel- und Sortiersystemen sowie Trennkonzepten in Vertrieb, Logistik, Produktion und Zentralstandorten sammeln wir Wertstoffe, die massenbilanziell unseren in Verkehr gebrachten Eigenmarkenverpackungen gegenĂŒbergestellt werden. Auf unserer Road to Zero Waste feiern wir Erfolge: Im GeschĂ€ftsjahr 2024 umfasst der Anteil des gesamten Abfalls der Unternehmen der Schwarz Gruppe, der recycelt, wiederverwendet, vergĂ€rt, kompostiert oder als Tierfutter eingesetzt wird, 88,6 Prozent. Indem wir mit unserem einzigartigen Ăkosystem relevante Prozessschritte entlang der Wertschöpfungskette selbst abdecken, differenzieren wir uns deutlich von unseren Marktbegleitern: So ĂŒbernimmt unsere Umweltsparte PreZero umfassende Leistungen im Bereich Abfall- und Recyclingmanagement - fĂŒr externe Kunden sowie innerhalb der Schwarz Gruppe. Sie bĂŒndeln die Entsorgung und Sortierung von AbfĂ€llen, die Aufbereitung sowie das Recycling verschiedenster Wertstofffraktionen unter einem Dach.
Im Handlungsfeld REcycle haben Sie sich vorgenommen, bis 2030 einen Rezyklatanteil von 65 Prozent in Eigenmarkenverpackungen zu erreichen. Schon heute besteht der Korpus Ihrer PET-Einwegflaschen in Deutschland zu 100 Prozent aus Rezyklat. Welche Wirkung hat das auf Ihre CO2- und Kunststoffbilanz?
Sie meinen die Kreislaufflasche von Lidl und Kaufland, deren Flaschenkorpus seit 2021 zu 100 Prozent aus Rezyklat besteht. Jede neue Flasche wird von der Schwarz Produktion vollstĂ€ndig aus alten Flaschen geformt und ist aufgrund ihres geringen Gewichts besonders ressourcenschonend. SĂ€mtliche Schritte des PET-Wertstoffkreislaufs werden in Deutschland abgedeckt: von der Sammlung der Pfandflaschen ĂŒber Sortierung, Recycling und Herstellung bis hin zu AbfĂŒllung und Verkauf. So konnten wir im Vergleich zu PET-Flaschen ohne Rezyklat im GeschĂ€ftsjahr 2024 knapp 65.000 Tonnen Neuplastik und circa 109.000 Tonnen CO2 einsparen. Auch darĂŒber hinaus können wir Erfolge verbuchen: Im Schnitt werden 20 Prozent Rezyklat in unseren Eigenmarken-PrimĂ€rverpackungen aus Kunststoff eingesetzt. Bei Bauprojekten konnten wir erhebliche Mengen an Neukunststoff einsparen - beispielsweise 489 Tonnen durch Rammschutz-Elemente aus Kunststoffrezyklat sowie 348 Tonnen mit Dachbahnen aus recycelten Folien.
Nachhaltigkeit ist auch eine ökonomische Frage. Wie stellen Sie sicher, dass REset Resources auch wirtschaftliche Vorteile bringt?
Wir sind ĂŒberzeugt, dass sich Wachstum und Ressourcenschonung nicht ausschlieĂen, sondern bedingen. Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft verbindet ökologische Verantwortung mit ökonomischer Weitsicht. Unsere aktuelle Bilanz zeigt, dass wir trotz unseres Wachstums messbare Fortschritte bei der Ressourcenschonung erzielen. Zwar machen nachhaltige Entscheidungen auch höhere Investitionen erforderlich. Aber wir sind uns sicher, dass sie sich langfristig auszahlen und entscheiden uns fĂŒr Kreislaufwirtschaft aus strategischen GrĂŒnden. Wir nennen das ĂŒbrigens: Voraushandeln.
REset Resources - ganzheitliche Kreislaufwirtschaftsstrategie der Unternehmen der Schwarz Gruppe
- REdesign: Wir gestalten unsere GeschÀftsmodelle kreislauffÀhig.
- REduce: Wir reduzieren den Einsatz und verhindern die Verschwendung von Ressourcen.
- REuse: Wir setzen auf Wiederverwendung.
- REcollect: Wir schaffen Zugang zu Wertstoffen.
- REcycle: Wir stÀrken hochwertige Verwertungsverfahren und den Einsatz von recycelten Materialien.
Die Schwarz Gruppe ist eine international fĂŒhrende Handelsgruppe mit rund 14.200 Filialen, rund 595.000 Mitarbeitern und einem Gesamtumsatz von 175,4 Milliarden Euro im GeschĂ€ftsjahr 2024. Zu den Unternehmen der Schwarz Gruppe gehören die Handelssparten Lidl und Kaufland, der Eigenmarken- und Verpackungsproduzent Schwarz Produktion, der Umweltdienstleister PreZero sowie die IT- und Digitalsparte Schwarz Digits. Damit decken sie den gesamten Wertschöpfungskreis ab: von der Produktion ĂŒber den Handel bis hin zu Recycling und Digitalisierung.
Mehr Informationen unter: www.reset-resources.schwarz
Weitere Informationen:
Schwarz Corporate Affairs GmbH & Co. KG
Telefon 07132 30-788600
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