Studie: EU-GeschÀft kann wegbrechende US-Exporte ausgleichen
25.03.2025 - 07:10:38StĂ€rkeres Wachstum innerhalb Europas könnte ein schrumpfendes US-GeschĂ€ft sogar mehr als ausgleichen, so die WirtschaftsprĂŒfungsgesellschaft Deloitte in einer neuen Studie zur Entwicklung bis 2035. Voll zum Tragen kommen könne das aber nur, wenn die EU noch bestehende Handelsschranken abbaut.
Allein die bis Mitte MĂ€rz angekĂŒndigten Handelsbarrieren dĂŒrften die deutschen Exporte in die USA bis 2035 im Schnitt um 3,2 Prozent pro Jahr schrumpfen lassen, so die Deloitte-Experten. Ergebnis: Das US-GeschĂ€ft wĂŒrde binnen zehn Jahren von derzeit 84 Milliarden auf 59 Milliarden Euro schrumpfen. Im vergangenen Herbst hatten sie - ohne die inzwischen von US-PrĂ€sident Donald Trump angekĂŒndigten oder eingefĂŒhrten Zölle - bis 2035 noch ein Wachstum von 1,8 Prozent pro Jahr im US-GeschĂ€ft vorhergesagt.
Europa-GeschÀft dominiert
Nach oben korrigiert haben sie dagegen ihre Prognosen fĂŒr Europa: Ausfuhren in die zehn wichtigsten AbnehmerlĂ€nder dĂŒrften demnach im Schnitt um 2,5 Prozent pro Jahr zulegen anstatt der im Herbst erwarteten 1,8 Prozent. Das könnte das wegbrechende US-GeschĂ€ft sogar mehr als ausgleichen - zumindest nominal, ohne BerĂŒcksichtigung der Inflation. Schon jetzt liege das Volumen der zehn gröĂten Abnehmer in Europa mit zusammen 357 Milliarden Euro mehr als viermal so hoch wie das in den USA, rechnen die Deloitte-Experten vor. 2035 wĂ€ren es mit dann 467 Milliarden Euro sogar fast achtmal so viel.
"Der EU-Binnenmarkt ist ein schlafender Riese fĂŒr die deutsche Industrie", sagt Oliver Bendig, Partner und Leiter der Industrieberatung bei Deloitte, einer Mitteilung zufolge. Voll ausschöpfen lasse sich dieses Potenzial aber nur, wenn die EU noch bestehende Handelshemmnisse abbaue. Dann wĂ€ren der Studie zufolge noch deutlich stĂ€rkere ZuwĂ€chse möglich. "Angesichts zunehmend protektionistischer Tendenzen im Welthandel kann die Industrie in Deutschland einen Wachstums-Boost aus BrĂŒssel gut gebrauchen."
Handelshemmnisse auch ohne Zoll
Auch 30 Jahre nach EinfĂŒhrung des europĂ€ischen Binnenmarktes gebe es - trotz Zollfreiheit - noch erhebliche Belastungen im GeschĂ€ft mit dem EU-Ausland: abweichende Produktregeln und Zertifizierungen, unterschiedliche Bestimmungen zu Verpackungen und deren Entsorgung, wachsende Berichtspflichten und komplexe Steuervorgaben etwa. "Die bĂŒrokratische Belastung von deutschen Unternehmen, die in Europa Handel treiben, ist sehr hoch und in den letzten Jahren weiter gestiegen", sagt Bendig.
In Summe entspreche das bei IndustriegĂŒtern einem Aufschlag von bis zu 44 Prozent, so Deloitte mit Verweis auf Berechnungen des Internationalen WĂ€hrungsfonds (IWF). Wenn allein die HĂ€lfte dieser Lasten wegfalle, wĂŒrde dies der Studie zufolge bis 2035 zu einem zusĂ€tzlichen Wachstum von einem Prozent pro Jahr im GeschĂ€ft mit den meisten EU-LĂ€ndern fĂŒhren. WĂŒrden die Hemmnisse komplett beseitigt, so wĂ€re demnach oft sogar eine Verdoppelung der Wachstumsrate möglich- mit mindestens einem weiteren Prozent Plus pro Jahr in den meistenEU-LĂ€ndern.
Profitieren wĂŒrden vor allem der Maschinenbau und die Elektroindustrie, heiĂt es in der Studie. Denn hier seien die Belastungen bisher besonders hoch. Deutlich geringer falle der Effekt bei Autos und Chemieprodukten aus. Hier seien die Belastungen durch Handelshemmnisse innerhalb Europas schon derzeit am geringsten.

