Handwerk-Ausbildung: 67.800 NeuvertrĂ€ge im H1 2026 â höchster Wert seit 2018
Veröffentlicht am: 01.09.2026 um 10:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das deutsche Handwerk verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 eine signifikante Zunahme bei den neu abgeschlossenen AusbildungsvertrÀgen. Mit insgesamt 67.800 NeuvertrÀgen stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,9 Prozent. Damit wurde der höchste Juni-Wert seit dem Jahr 2018 erreicht.
Branchenbeobachter fĂŒhren diese Entwicklung unter anderem auf eine verĂ€nderte Wahrnehmung der beruflichen Sicherheit im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung zurĂŒck.
Regionale ZuwÀchse und Kontrast zur Industrie
Besonders deutlich zeigt sich der Trend in Baden-WĂŒrttemberg. WĂ€hrend die Industrie- und Handelskammern (IHK) im Land einen RĂŒckgang der NeuvertrĂ€ge um 9 Prozent auf 31.413 verzeichneten, meldete das Handwerk zum Stand 31. August 2026 ein Plus von 3 Prozent auf 17.342 VertrĂ€ge. HandwerksprĂ€sident Rainer Reichhold betonte in diesem Zusammenhang, dass dieser RĂŒckenwind fĂŒr die Branche zur richtigen Zeit komme.
Auch in anderen Regionen setzten sich die ZuwÀchse fort. Die Handwerkskammer Unterfranken meldete zum 1. September 2026 insgesamt 2.408 neue AusbildungsvertrÀge, was einer Steigerung von 3,8 Prozent entspricht. Damit wurde dort im vierten Jahr in Folge ein Anstieg registriert und das Niveau von vor der Pandemie wieder erreicht.
In der Region Niederbayern-Oberpfalz stieg die Zahl der NeuvertrÀge sogar um 7,4 Prozent auf 5.386. Dabei verzeichnete die Oberpfalz mit 10,16 Prozent ein zweistelliges Wachstum, wÀhrend Niederbayern um 4,8 Prozent zulegte.
Handwerk als krisensichere Alternative zu BĂŒrojobs
Ein wesentlicher Faktor fĂŒr die AttraktivitĂ€t der Branche scheint die BestĂ€ndigkeit gegenĂŒber der Automatisierung durch KĂŒnstliche Intelligenz (KI) zu sein. Laut einer YouGov-Umfrage vom Mai 2026 schĂ€tzen zwei Drittel der Befragten handwerkliche Berufe als KI-sicherer ein als klassische BĂŒrotĂ€tigkeiten.
Diese EinschÀtzung korrespondiert mit Erhebungen des Beratungshauses Kienbaum, wonach 35 Prozent der Personalverantwortlichen bis zum Jahr 2030 mit weniger Neueinstellungen aufgrund von KI-Anwendungen planen.
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PrĂ€sident Franz Xaver Peteranderl von der Handwerkskammer MĂŒnchen und Oberbayern erklĂ€rte dazu, dass KI das Handwerk niemals vollstĂ€ndig ersetzen werde. In seinem Kammerbezirk begannen zum 1. September 2026 in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach 321 Auszubildende ihren Dienst.
Dass Handwerksberufe auch fĂŒr Abiturienten zunehmend attraktiv sind, zeigt die Statistik der Region Stuttgart: Hier verfĂŒgen 20 Prozent der neuen Auszubildenden ĂŒber das Abitur oder die Fachhochschulreife.
FachkrÀftemangel und Internationalisierung
Trotz der positiven Entwicklung bleibt der FachkrĂ€ftemangel eine strukturelle Herausforderung. Nach Daten des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) waren im Jahr 2025 rund 100.000 Stellen im Handwerk unbesetzt. Eine offene Stelle in der Branche bleibt durchschnittlich 242 Tage unbesetzt, wĂ€hrend der Durchschnitt ĂŒber alle Berufe hinweg bei 167 Tagen liegt. Ende August 2026 waren bundesweit noch immer rund 17.500 AusbildungsplĂ€tze offen.
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Um die LĂŒcken zu schlieĂen, setzt die Branche verstĂ€rkt auf Internationalisierung. Ende 2025 waren bundesweit 56.286 auslĂ€ndische Auszubildende im Handwerk beschĂ€ftigt, ein Plus von 18,7 Prozent. In Unterfranken besitzen mittlerweile 22 Prozent der Auszubildenden keine deutsche Staatsangehörigkeit; sie stammen aus 90 verschiedenen Nationen.
Besonders beliebt bleiben Berufe wie der Kfz-Mechatroniker, der in Unterfranken von jedem fĂŒnften Auszubildenden gewĂ€hlt wurde. In der Region Stuttgart fĂŒhren jedoch die Anlagenmechaniker fĂŒr SanitĂ€r-, Heizungs- und Klimatechnik (449 VertrĂ€ge) vor den Elektronikern (402) die Liste der beliebtesten Handwerksberufe an.
