Handwerk, Mittelstand

Handwerk und Mittelstand fordern Steuerentlastungen von der Koalition

12.05.2026 - 03:45:27 | boerse-global.de

Handwerk und Mittelstand fordern von der Koalition spĂĽrbare Entlastungen bei Steuern, Energie und BĂĽrokratie.

Handwerk und Mittelstand fordern Steuerentlastungen von der Koalition - Foto: ĂĽber boerse-global.de
Handwerk und Mittelstand fordern Steuerentlastungen von der Koalition - Foto: ĂĽber boerse-global.de

Am heutigen Dienstag treffen sich die Regierungsfraktionen zu einer Klausur – und die Branche fordert spürbare finanzielle Entlastungen.

Im Zentrum der Kritik steht die wachsende Belastung kleiner und mittlerer Unternehmen. Hohe Energiekosten, ĂĽberbordende BĂĽrokratie und unsichere Steuerperspektiven setzen den Betrieben zu. Viele Hilfsprogramme, so der Vorwurf, erreichten den Kern des deutschen Mittelstands nicht.

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Steuerreform: Drei Viertel der Handwerksbetriebe betroffen

Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), schlägt Alarm. Rund drei Viertel aller Handwerksbetriebe sind als Personengesellschaften oder Einzelunternehmen organisiert. Sie unterliegen der Einkommens- und nicht der Körperschaftsteuer – und reagieren damit besonders empfindlich auf Veränderungen im Spitzensteuersatz.

„Viele Betriebsinhaber haben das Gefühl, dass sich höherer Einsatz finanziell nicht mehr lohnt“, warnt Dittrich. Die aktuelle Steuerpolitik gefährde Leistungsanreize.

Verschärft wird die Lage durch die jüngste Entscheidung des Bundesrats: Am 8. Mai lehnte die Länderkammer eine steuerfreie Prämie von bis zu 1.000 Euro ab. Dabei zeichnet sich ein massives Steuerloch ab: Die Prognosen gehen von 87,5 Milliarden Euro weniger Steuereinnahmen in den nächsten fünf Jahren aus – allein 17,8 Milliarden Euro fehlen im laufenden Jahr.

Während einige Fraktionen den Grundfreibetrag auf 13.400 Euro anheben wollen, fordern andere, den Spitzensteuersatz von 45 Prozent erst ab 125.000 Euro greifen zu lassen. Die Regierungsspitze signalisiert, dass eine Reform ab 2027 keine neuen Lasten bringen dürfe.

Energiepreise: Hilfen fĂĽr die Industrie, nicht fĂĽrs Handwerk

Die Stromkosten bleiben ein entscheidender Standortfaktor. Der deutsche Industriestrompreis gilt rückwirkend zum 1. Januar 2026 und läuft bis Ende 2028. Die EU-Kommission gab Mitte April grünes Licht – doch die Entlastung erreicht nur rund 9.500 Unternehmen aus energieintensiven Branchen wie Chemie, Glas oder Halbleiterfertigung.

Für Berechtigte gilt ein Mindestpreis von 5 Cent pro Kilowattstunde. Die Förderung deckt bis zu 50 Prozent des Verbrauchs ab. Im Gegenzug müssen die Betriebe mindestens die Hälfte der erhaltenen Hilfen in Klimaschutz investieren. Branchenkenner schätzen die Entlastung auf 1,87 Cent pro Kilowattstunde.

Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) kritisiert die strengen EU-Auflagen und die zeitliche Begrenzung. Viele kleinere Handwerksbetriebe fallen durchs Raster – sie erfüllen die Kriterien der sogenannten „Kuebll-Liste“ nicht.

Das Saarland geht eigene Wege: Seit dem 1. April fördert das Wirtschaftsministerium mit drei Millionen Euro Energiespeicher für den Mittelstand. Pro Kilowattstunde Speicherkapazität gibt es 200 Euro – vorausgesetzt, der Betrieb installiert eine neue Photovoltaikanlage.

Investitionsdynamik: KfW verzeichnet Rekordzahlen

Trotz aller Klagen zeigt der Mittelstand Investitionsbereitschaft. Die KfW meldet fĂĽr das erste Quartal 2026 einen Anstieg der Neuzusagen um 36 Prozent auf 24,1 Milliarden Euro. Die Kredite an den Mittelstand legten sogar um 44 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro zu. Schwerpunkte: Innovation, Klima und Umwelt. Die Zusagen fĂĽr erneuerbare Energien schnellten um 70 Prozent nach oben.

Die Bundesregierung hat weitere Anreize geschaffen. Seit dem 17. April gibt es eine neue Prämie für Elektroautos: bis zu 6.000 Euro für batterieelektrische Fahrzeuge, rückwirkend zum 1. Januar. Das Angebot gilt für Haushalte und kleine Betriebe – allerdings mit Einkommensgrenzen.

Das Verkehrsministerium legte am 15. April einen 500-Millionen-Euro-Fonds für Ladeinfrastruktur auf. Gefördert werden Ladestationen an Mehrfamilienhäusern und in kleinen Unternehmen. Antragsfristen: Oktober und November 2026.

BĂĽrokratie: Neue EU-Auflagen ab August

Während Deutschland über Entlastungen diskutiert, zeichnet sich europaweit ein trend zur Vereinfachung ab – allerdings mit neuen Auflagen. Die EU-Kommission schlug im März 2026 eine supranationale Rechtsform „EU Inc.“ vor. Start-ups könnten damit innerhalb von 48 Stunden für unter 100 Euro gegründet werden. Kritiker bemängeln jedoch, dass der Entwurf zentrale Fragen weiterhin nationalem Recht überlasse.

Ab dem 12. August 2026 tritt die neue EU-Verpackungsverordnung (PPWR) in Kraft. Die Industrie- und Handelskammer Siegen warnt vor zusätzlichen Pflichten für Unternehmen.

Ein Blick ins Ausland zeigt, was möglich wäre: Vietnam verdoppelte zum 1. Januar 2026 die Steuerfreibeträge für Kleinhändler – genau das, was deutsche Verbände fordern.

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Ausblick: Koalitionsklausur als Weichenstellung

Das Jahr 2026 wird zeigen, ob der Mittelstand die Förderprogramme für Klimaneutralität nutzen kann und ob die Regierung Bürokratieabbau liefert. Rund 395.000 Existenzgründungen im Jahr 2025 belegen einen ungebrochenen Gründungsgeist. Verena Pausder vom Startup-Verband nennt Finanzierung und Bürokratie weiterhin als Haupthindernisse.

Für bestehende Handwerksbetriebe rückt die Umsetzung des Industriestrompreises in den Fokus. Die Anträge für das Jahr 2026 können ab Anfang 2027 gestellt werden. Parallel beobachten die Verbände die Diskussion um die Schuldenregulierung. Am 17. Juli 2026 läuft die Dreijahres-Wohlverhaltensphase für Privatinsolvenzen aus – Verbraucherschützer warnen vor Ungleichbehandlungen zwischen Unternehmern und Privatpersonen.

Die heutige Koalitionsklausur wird zeigen, ob die Politik die Zeichen der Zeit erkennt. Der Mittelstand wartet – mit gedämpften Erwartungen, aber klaren Forderungen.

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