ROUNDUP, Handwerk

Handwerk fordert von Regierung Taten statt 'Fensterreden'

28.02.2024 - 14:17:41 | dpa.de

HandwerksprÀsident Jörg Dittrich hat von der Bundesregierung mehr Taten statt Worte gefordert.

Die Regierung mĂŒsse BĂŒrokratie abbauen, Steuern senken und den Standort Deutschland wieder wettbewerbsfĂ€hig machen: "Wir brauchen keine Fensterreden mehr, wir brauchen Handeln", sagte Dittrich am Mittwoch zum Auftakt der Internationalen Handwerksmesse in MĂŒnchen. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (GrĂŒne) sagte, die Regierung mĂŒsse ihre Hausaufgaben zĂŒgig machen. "Die konjunkturelle Lage ist herausfordernd."

Die grĂ¶ĂŸte Herausforderung sehe er im ArbeitskrĂ€ftemangel: Er drohe zu einer Wachstumsbremse zu werden, sagte der Vizekanzler in seiner Eröffnungsrede. In Deutschland gebe es inzwischen 1,4 Millionen Menschen im Alter von 20 und 30 Jahren ohne qualifizierenden Berufsabschluss. "Die ökonomische Hauptaufgabe ist, Menschen in Arbeit zu bringen."

Habeck rĂ€umte auch ein: "Es gibt viel zu viele Vorschriften. Wir mĂŒssen es hinbekommen, es einfacher, schlanker pragmatischer zu machen." Dabei mĂŒssten jedoch alle mitziehen.

Dittrich sagte, das Handwerk erwarte jetzt Taten, "nicht nur VerstĂ€ndnis". Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft und im Handwerk sei schlecht. In vielen Betrieben leerten sich die AuftragsbĂŒcher. Investitionen wĂŒrden ausgebremst. Es fehle an politischer VerlĂ€sslichkeit. Die Bundesregierung mĂŒsse handeln, wo sie es selbst in der Hand habe: "Die BĂŒrokratie liegt nicht an Russland oder Putin", sagte der PrĂ€sident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH).

Bei einer aktuellen Betriebsumfrage des ZDH beklagten die Unternehmen in erster Linie hohe Steuern und Abgaben und zu viele Dokumentations- und Nachweispflichten. Danach folgen FachkrÀftemangel und hohe Energiepreise.

Mit Blick auf 20 000 unbesetzte Ausbildungsstellen forderte Dittrich auch eine Wende in der Bildungspolitik, um nichtakademischen Bildungs- und Berufswegen mehr gesellschaftliche Anerkennung zu verschaffen. Gegen den FachkrĂ€ftemangel brauche es außerdem "qualifizierte und leistungsbereite Zuwanderung", sagte Dittrich: "Alle, die leistungsbereit sind, sind im Handwerk willkommen."

Der ZDH fordert eine flĂ€chendeckende Berufsorientierung bundesweit an allen Schulformen inklusive der Gymnasien. Habeck bekam bei der Messeeröffnung großen Beifall fĂŒr seine AnkĂŒndigung, dafĂŒr zu werben, dass kĂŒnftig alle BundeslĂ€nder einen Tag des Handwerks auch in Gymnasien veranstalten.

Eine andere Sorge, die nicht nur dem Handwerk auf der Seele brennt, ist laut Dittrich eine sichere und bezahlbare Energieversorgung. DarĂŒber kam es bei einem Forum bei der Messeeröffnung zu einem Schlagabtausch zwischen Habeck und dem bayerischen MinisterprĂ€sidenten Markus Söder: Der CSU-Vorsitzende kritisierte das Aus fĂŒr die deutschen Atomkraftwerke als unvernĂŒnftig und verwies auf den Ausbau der Atomkraft in anderen europĂ€ischen LĂ€ndern. Habeck sagte, Atomstrom sei viel zu teuer. Der Gaspreis in Deutschland sei jetzt wieder auf dem Niveau vor dem Ukraine-Krieg. Unternehmen könnten fĂŒr ihre Energieversorgung auch mehr SolardĂ€cher und WindrĂ€der auf ihrem BetriebsgelĂ€nde errichten.

In Deutschland gibt es eine Million Handwerksbetriebe mit rund 5,7 Millionen BeschÀftigten und 350 000 Auszubildenden. Sie haben im Jahr 2022 rund 735 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet.

Bei einem Messerundgang besuchten Habeck, Söder und Dittrich am Mittwochnachmittag noch mehrere StÀnde. Am Freitag steht auf der Handwerksmesse das alljÀhrliche SpitzengesprÀch der deutschen Wirtschaft mit Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) auf dem Programm.

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