HandwerksprÀsident, VerlÀsslichkeit

HandwerksprÀsident zweifelt an VerlÀsslichkeit der Regierung

18.07.2025 - 06:14:16

HandwerksprÀsident Jörg Dittrich kritisiert den Kurs der Bundesregierung und zweifelt an der VerlÀsslichkeit der schwarz-roten Koalition.

Der PrĂ€sident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks spricht mit Blick auf die "gebrochene Zusage" einer Stromsteuersenkung von einem Vertrauensverlust. "Wenn eine klare Zusage einfach einkassiert und ohne jede Vorwarnung oder Einbindung der betroffenen Gruppen verkĂŒndet wird, dann erzeugt das Frust", sagte Dittrich der Deutschen Presse-Agentur. "Vertrauen kann man nicht an- und ausschalten wie Licht. Es entsteht durch VerlĂ€sslichkeit. Und daran fehlt es aktuell."

EnttÀuschung im Handwerk

Der Koalitionsvertrag sei an vielen Stellen ambitioniert, sagte Dittrich. Die Umsetzung werde jedoch erst einmal durch die Sommerpause unterbrochen. Das sei unglĂŒcklich, weil diese Pause zu einem Zeitpunkt komme, an dem sich viele Menschen nach VerĂ€nderungen sehnen. "Stattdessen gibt es durch das Handeln der neuen Regierung die ersten ErnĂŒchterungen."

Auf der einen Seite stĂŒnden konkrete, einfach umsetzbare Punkte im Koalitionsvertrag - wie die Abschaffung der Bonpflicht sowie Erweiterungen der Sonn- und FeiertagsbeschĂ€ftigung fĂŒr BĂ€ckereien. "Das ist nicht umgesetzt", sagte der HandwerksprĂ€sident. "Auf der anderen Seite kommt eine zunĂ€chst fĂŒr alle versprochene Stromsteuersenkung nicht, sondern es bleibt bei dieser Senkung nur fĂŒr die Industrie, das produzierende Gewerbe und nun ergĂ€nzt um die Land- und Forstwirtschaft. Das ist WillkĂŒr."

Die EnttĂ€uschung darĂŒber sei groß. "Und das bleibt ĂŒber den Sommer im GedĂ€chtnis." Der von der Regierung bis zur Sommerpause prognostizierte deutliche Stimmungsumschwung zum Positiven sei im Handwerk bislang nicht festzustellen.

CDU, CSU und SPD hatten im Koalitionsvertrag eine Senkung der Stromsteuer fĂŒr alle auf das EU-Mindestmaß angekĂŒndigt, wenn auch unter Finanzierungsvorbehalt.

Zweifel an Zusagen

Die Entscheidung der Bundesregierung zur Stromsteuer lasse viele Betriebe ratlos zurĂŒck, sagte Dittrich. "Die stellen sich natĂŒrlich die Frage nach dem Wert von politischen und sogar schriftlichen Zusagen. Wenn jetzt alles Zugesagte nur unter Vorbehalt gilt, womit sollen sie planen? Gilt das dann auch fĂŒr die Bonpflicht oder die Arbeitszeitflexibilisierung? Oder muss jetzt immer damit gerechnet werden, dass sich die Regierung aus Zugesagtem mit dem Hinweis hinausschleicht: Geht gerade nicht."

Steigende SozialversicherungsbeitrĂ€ge und Lohnkosten erzeugten zusĂ€tzlichen Kostendruck im Handwerk. Umso dringlicher wĂ€re eine Stromsteuersenkung fĂŒr alle Betriebe gewesen. "Gerade energieintensive Bereiche wie die Textilreiniger, die KrankenhĂ€user, Alten- und Pflegeheime mit hygienischer WĂ€sche versorgen und einen gigantischen Energieverbrauch haben, brauchen dringend Entlastung. Doch fĂŒr sie wird die Stromsteuer nicht gesenkt." Es gebe nach wie vor die klare Erwartung, dass die Entscheidung zur Stromsteuer korrigiert wird, betonte der HandwerksprĂ€sident.

Wird der Mittelstand vernachlÀssigt?

Mittelstand und Handwerk erlebten derzeit, dass sie bei konkreten Maßnahmen nicht im Fokus stĂŒnden, so Dittrich. "Das ist ein Signal, das hĂ€ngen bleibt." Es gehe um WertschĂ€tzung, aber auch um PrioritĂ€tensetzung und eine klare Mittelstandsorientierung. "Das Handwerk ĂŒbernimmt bei der Ausbildung, bei der FachkrĂ€ftesicherung, bei der Integration Verantwortung. Was wir erwarten, sind faire und planbare Rahmenbedingungen fĂŒr unternehmerisches Handeln."

Es gehe um VerlĂ€sslichkeit. "Offenbar wurde die VerlĂ€sslichkeit gegenĂŒber Mittelstand und Handwerk als nicht so dringlich erachtet. Das hinterlĂ€sst den Eindruck: "Wir sind der Politik wohl doch nicht so wichtig." Und das erschĂŒttert Vertrauen, was jedoch Grundlage jeder tragfĂ€higen Wirtschaftspolitik ist."

@ dpa.de