Alexander Thieme von der A&M Unternehmerberatung ĂŒber die Zahlungsmoral im Handwerk: So verhindern Betriebe ZahlungsausfĂ€lle
23.06.2026 - 07:48:38 | presseportal.de
Was frĂŒher oft reibungslos funktionierte, ist heute fĂŒr viele Handwerksunternehmer zur echten Belastungsprobe geworden. Material wird bestellt, Arbeitszeit investiert, Vorleistung erbracht â und am Ende bleibt die letzte Rechnung offen. Insolvenzen bei BautrĂ€gern und eine zunehmende ZurĂŒckhaltung vieler Auftraggeber verschĂ€rfen die Situation zusĂ€tzlich. Das Problem beginnt dabei meist nicht erst mit der unbezahlten Forderung. HĂ€ufig liegt die Ursache viel frĂŒher: bei der Annahme unpassender Kunden, bei nachgiebigen Zahlungsbedingungen oder bei AuftrĂ€gen, die schon vor Vertragsabschluss klare Warnzeichen senden. âZahlungsmoral war fĂŒr viele Handwerksbetriebe ĂŒber viele Jahre kein groĂes Thema â inzwischen ist sie fĂŒr viele zu einem ernsten wirtschaftlichen Risiko geworden, das LiquiditĂ€t, Gewinn und Betriebssicherheit direkt bedrohtâ, warnt Alexander Thieme, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der A&M Unternehmerberatung.
âDer effektivste Schutz vor ZahlungsausfĂ€llen beginnt nicht bei der offenen Rechnung, sondern bei der Frage, welche Kunden ein Betrieb ĂŒberhaupt annimmt und zu welchen Bedingungenâ, erklĂ€rt Alexander Thieme. Mit der A&M begleitet er Handwerksbetriebe dabei, ihre Nachfrage gezielt zu steigern, passende Kunden zu gewinnen und wirtschaftlich stabile Strukturen aufzubauen. Ziel ist es, Auftragslage, Kalkulation, Prozesse und die betriebswirtschaftliche Steuerung nachhaltig zu verbessern. Aus der tĂ€glichen Praxis weiĂ Alexander Thieme, dass ZahlungsausfĂ€lle selten ein isoliertes Problem sind. HĂ€ufig stehen sie in direktem Zusammenhang mit mangelnder Auslastung, fehlender Auswahl bei Kundenanfragen oder unklaren Zahlungsvereinbarungen. Deshalb betrachtet die A&M das Forderungsmanagement ganzheitlich â von der Kundengewinnung ĂŒber die Auftragsannahme bis hin zur konsequenten Nachverfolgung offener Forderungen. Viele AusfĂ€lle entstehen nicht durch einen einzelnen Fehler, sondern durch eine Reihe von Entscheidungen, die bereits lange vor der eigentlichen Rechnungsstellung getroffen werden.
Die ersten Warnsignale zeigen sich oft vor der Auftragsannahme
ZahlungsausfĂ€lle entstehen selten ohne Vorwarnung. Deshalb lohnt es sich fĂŒr Handwerksbetriebe, bereits vor der Auftragsannahme genauer hinzuschauen â nicht nur darauf, ob ein Kunde zahlen kann, sondern auch darauf, ob er tatsĂ€chlich zahlen will. Besondere Aufmerksamkeit ist geboten, wenn die LebensumstĂ€nde eines Kunden offensichtlich nicht zum geplanten Auftragsvolumen passen oder wenn offen darĂŒber gesprochen wird, dass andere Dienstleister bereits nicht vollstĂ€ndig bezahlt wurden. Solche Aussagen sind oft mehr als nur beilĂ€ufige Bemerkungen. Sie können Hinweise auf ein erhöhtes Ausfallrisiko sein.
âGerade in Zeiten freier KapazitĂ€ten fĂ€llt es vielen Betrieben schwer, einen Auftrag abzulehnen. Dennoch sollte wirtschaftlicher Druck nicht dazu fĂŒhren, erkennbare Warnsignale zu ignorierenâ, betont Alexander Thieme von der A&M. âWer bereits vor Vertragsabschluss Zweifel hat, sollte diese ernst nehmen.â WĂ€hrend BonitĂ€tsprĂŒfungen bei GeschĂ€ftskunden zusĂ€tzliche Anhaltspunkte liefern können, sind sie bei privaten Auftraggebern hĂ€ufig nur eingeschrĂ€nkt aussagekrĂ€ftig. Umso wichtiger ist es, auf das Gesamtbild zu achten â also auf das Verhalten des Kunden, seine Aussagen und die UmstĂ€nde des Auftrags.
Klare Zahlungsbedingungen schĂŒtzen vor teuren Ăberraschungen
Sind Auftrag und Kunde sorgfĂ€ltig geprĂŒft, sollte im nĂ€chsten Schritt festgelegt werden, unter welchen finanziellen Rahmenbedingungen die Zusammenarbeit erfolgt. SchlieĂlich entstehen viele ZahlungsausfĂ€lle nicht erst durch mangelnde Zahlungsbereitschaft, sondern bereits durch unklare Vereinbarungen zu Anzahlungen, Abschlagszahlungen oder Zahlungszielen. Umso wichtiger ist es, diese Punkte frĂŒhzeitig und transparent zu regeln.
Im Handwerk haben sich darum feste Zahlungsmodelle bewĂ€hrt: Eine mögliche Aufteilung besteht beispielsweise aus 50 Prozent Anzahlung, 30 Prozent bei Baubeginn und 20 Prozent nach Fertigstellung. Gerade bei Projekten mit hohem Materialeinsatz hilft die Anzahlung dabei, notwendige Vorleistungen abzusichern und die LiquiditĂ€t des Betriebs zu schĂŒtzen. Werden Kunden nachvollziehbar darĂŒber informiert, wie die Zahlungen eingesetzt werden, stoĂen solche Regelungen in der Praxis meist auf VerstĂ€ndnis. DarĂŒber hinaus können zusĂ€tzliche MaĂnahmen wie Skontoanreize fĂŒr eine schnelle Zahlung oder die Vereinbarung eines SEPA-Lastschriftverfahrens dazu beitragen, den Zahlungseingang verlĂ€sslicher zu gestalten.
Eine absolute Sicherheit bieten auch diese Instrumente nicht. Entscheidend ist vielmehr, dass sÀmtliche Zahlungsbedingungen klar, nachvollziehbar und rechtssicher vereinbart werden. So entstehen von Beginn an verbindliche Rahmenbedingungen, die sowohl dem Handwerksbetrieb als auch dem Kunden Planungssicherheit geben. Betriebe mit einer konstanten Nachfrage und ausreichend passenden Anfragen können solche Standards zudem konsequenter durchsetzen und vermeiden es, aus wirtschaftlichem Druck heraus riskante Sonderregelungen zu akzeptieren.
Warum Kommunikation und konsequentes Nachfassen die Zahlung absichern
Besonders kritisch wird es hĂ€ufig gegen Ende eines Projekts. Zu diesem Zeitpunkt hat der Kunde die vereinbarte Leistung bereits erhalten und kann offene BetrĂ€ge leichter zurĂŒckhalten. Bei einem Auftragswert von 10.000 Euro entsprechen 20 Prozent Schlusszahlung immerhin 2.000 Euro. Liegt die Gewinnmarge bei lediglich 10 Prozent, kann ein solcher Zahlungsausfall den gesamten Projektertrag aufzehren und die Wirtschaftlichkeit des Auftrags erheblich beeintrĂ€chtigen.
âViele offene Rechnungen entstehen allerdings nicht plötzlich am Ende eines Projekts, sondern haben ihre Ursache oft in ungeklĂ€rten Fragen oder Unzufriedenheit wĂ€hrend der AusfĂŒhrungâ, erlĂ€utert Alexander Thieme von der A&M. Umso wichtiger ist eine offene und kontinuierliche Kommunikation. Mitarbeitende vor Ort sollten regelmĂ€Ăig das GesprĂ€ch mit dem Kunden suchen und deutlich machen, dass RĂŒckmeldungen jederzeit willkommen sind. Werden MissverstĂ€ndnisse, Fragen oder kleinere MĂ€ngel frĂŒhzeitig angesprochen und zeitnah gelöst, sinkt das Risiko spĂ€terer EinwĂ€nde deutlich. âEine gute Kommunikation stĂ€rkt am Ende nicht nur die Kundenzufriedenheit, sondern schafft zugleich die Grundlage fĂŒr eine reibungslose Abnahme und eine vollstĂ€ndige Zahlung der Schlussrechnungâ, so Alexander Thieme.
Doch auch nach der Rechnungsstellung endet professionelles Forderungsmanagement nicht. Zahlungsziele sollten von Anfang an klar vereinbart und transparent kommuniziert werden. WĂ€hrend im GeschĂ€ftsverkehr hĂ€ufig 30 Tage ĂŒblich sind, können bei privaten Auftraggebern oft kĂŒrzere Fristen von sieben bis 14 Tagen sinnvoll sein. So lassen sich offene Forderungen frĂŒher erkennen und konsequent nachverfolgen. Erfolgt nach FĂ€lligkeit kein Zahlungseingang, empfiehlt sich zunĂ€chst eine freundliche Zahlungserinnerung. Bleibt die Rechnung weiterhin offen, sollten zeitnah weitere Schritte folgen. Auch ein persönlicher Anruf kann helfen, offene Fragen zu klĂ€ren oder MissverstĂ€ndnisse auszurĂ€umen. Ein strukturierter Mahnprozess sorgt in diesem Zusammenhang fĂŒr Verbindlichkeit und zeigt dem Kunden, dass der Betrieb seine Forderungen professionell und konsequent verfolgt.
Warum GroĂprojekte besondere Risiken bergen
Die genannten MaĂnahmen helfen dabei, das Risiko von ZahlungsausfĂ€llen deutlich zu reduzieren. Ihre Bedeutung wĂ€chst jedoch noch einmal, wenn gröĂere Projekte umgesetzt werden. Denn je höher die Vorleistungen ausfallen, desto gravierender sind die Folgen, wenn Zahlungen ausbleiben oder sich verzögern. WĂ€hrend bei privaten Endkunden oft vergleichsweise einfache Zahlungsmodelle funktionieren, ist bei BautrĂ€gern und GroĂabnehmern deutlich mehr Vorsicht geboten. Hohe Vorleistungen können fĂŒr einen Handwerksbetrieb schnell zu einem erheblichen finanziellen Risiko werden. Deshalb sollten bei gröĂeren Projekten klare Leistungsschritte definiert und nach diesen Abschnitten abgerechnet werden. Sinnvoll ist es zudem, möglichst nicht mit dem nĂ€chsten Arbeitsschritt zu beginnen, bevor die vorherige Leistung bezahlt wurde. Auf diese Weise lĂ€sst sich vermeiden, dass sich hohe offene Forderungen ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum aufbauen.
âGerade bei gröĂeren Projekten können offene Forderungen schnell GröĂenordnungen erreichen, die ein Betrieb nicht einfach auffangen kannâ, erklĂ€rt Alexander Thieme von der A&M. Lehnt ein BautrĂ€ger oder GroĂkunde nachvollziehbare Abschlagszahlungen oder klar definierte Zahlungsabschnitte ab, sollte genau geprĂŒft werden, ob der Auftrag tatsĂ€chlich zum Unternehmen passt.
ZahlungsausfĂ€lle lassen sich selten mit einer einzelnen MaĂnahme verhindern
Wer ForderungsausfĂ€lle nachhaltig reduzieren möchte, braucht kein einzelnes Wundermittel, sondern ein durchdachtes Gesamtsystem. Eine sorgfĂ€ltige Kundenauswahl, klare Zahlungsbedingungen, eine offene Kommunikation wĂ€hrend der Auftragsabwicklung und die konsequente Nachverfolgung offener Rechnungen bilden dabei die Grundlage. Erst das Zusammenspiel dieser Faktoren sorgt dafĂŒr, dass Betriebe ihre LiquiditĂ€t schĂŒtzen und wirtschaftliche Risiken wirksam begrenzen können.
FĂŒr Handwerksbetriebe bedeutet das vor allem eines: mehr Kontrolle ĂŒber die eigene wirtschaftliche Situation. Wer nicht jeden Auftrag annehmen muss, kann Warnsignale ernster nehmen. Wer Zahlungsbedingungen frĂŒhzeitig festlegt, gerĂ€t seltener in schwierige Nachverhandlungen. Und wer offene Forderungen konsequent verfolgt, verhindert, dass aus kleinen Problemen gröĂere LiquiditĂ€tsrisiken entstehen. âEin stabiler Strom passender Kundenanfragen schĂŒtzt den Betrieb davor, schlechte AuftrĂ€ge anzunehmen, ungĂŒnstige Zahlungsbedingungen zu akzeptieren und spĂ€ter Forderungen hinterherzulaufenâ, fasst Alexander Thieme zusammen.
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Ruben SchÀfer
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