Ostern, Schokolade

Schoko-Osterhasen immer teurer – trotz sinkender Kakaopreise

28.03.2026 - 07:24:48 | dpa.de

Hasen aus Schokolade sind zu Ostern beliebt. Die erneut gestiegenen Preise dürften vielen Kunden jedoch bitter aufstoßen. Wie reagieren sie darauf?

  • Die Osterhasen von Lindt sind seit einigen Wochen in den Supermärkten zu finden. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
    Die Osterhasen von Lindt sind seit einigen Wochen in den Supermärkten zu finden. - Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
  • Die Menschen in Deutschland essen laut YouGov am liebsten Vollmilchschokolade. Jeder Zweite gibt die Sorte an. - Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa
    Die Menschen in Deutschland essen laut YouGov am liebsten Vollmilchschokolade. Jeder Zweite gibt die Sorte an. - Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa
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Verbraucher stehen in diesen Tagen im Supermarkt vor einem Rätsel. Schokolade ist zuletzt teilweise wieder etwas billiger geworden, die Preise für Osterhasen sind allerdings kräftig gestiegen. Das zeigt eine Auswertung der Vergleichsapp Smhaggle für die Deutsche Presse-Agentur. Verglichen wurden Produkte der großen Marken Lindt, Milka, Kinder und Ferrero. Sonderangebote und Eigenmarken wurden nicht berücksichtigt. 

Das Ergebnis: Die Preise sind je nach Größe und Marke 7 bis 29 Prozent höher als vor einem Jahr. Auch der wohl bekannteste Schokohase der Nation von Lindt kostet mehr. Die 100-Gramm-Version legt im Vergleich mit März 2025 um 70 Cent (+16 Prozent) zu, die mit 50 Gramm um 50 Cent (+18 Prozent). Für ein Kilo Schokolade sind beim sogenannten Goldhasen hochgerechnet nun bis zu 65 Euro fällig. 

Gestiegen sind auch die Preise bei Milka. Der 90 Gramm schwere Schmunzelhase kostet 60 Cent mehr als im Vorjahresmonat (+22 Prozent), der mit 45 Gramm 20 Cent (+12 Prozent). Die Produkte der bekannten Markenhersteller waren bereits im vergangenen Jahr teurer geworden. Im Vergleich zu 2024 liegen die Preise heute bis zu 44 Prozent höher. 

Warum steigen die Preise? 

Die Rohkakaopreise an den Börsen sind zuletzt wieder deutlich gesunken, weil in Westafrika mehr Kakao geerntet wurde. Der von der internationalen Kakaoorganisation (ICCO) ermittelte Tagespreis lag in der vierten März-Woche bei etwa 2.800 Euro pro Tonne - also etwa auf Vorkrisenniveau von 2023. Experten begründen dies auch mit der schwachen Nachfrage und rechnen sogar mit einem Überangebot. Supermärkte und Discounter haben kürzlich die Preise zahlreicher Eigenmarkenprodukte reduziert. Warum wurden die Schoko-Osterhasen trotzdem teurer? 

Hersteller Lindt & Sprüngli teilt auf Nachfrage mit, dass Kakao langfristig eingekauft werde, um eine uneingeschränkte Verfügbarkeit zu gewährleisten. «Daher wird es einige Zeit dauern, bis wir die Auswirkungen niedrigerer Kakaopreise spüren werden.» Zudem weist das Unternehmen darauf hin, dass andere Kosten, etwa für Rohstoffe wie Nüsse und Verpackungen, weiterhin hoch seien. Um eine gleichbleibende Qualität zu gewährleisten, seien «sorgfältig abgestimmte, marktspezifische Preiserhöhungen» nötig. 

Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie wirken sich Rohpreisentwicklungen oft erst nach mehreren Monaten im Handel aus. Trotz sinkender Preise an der Börse zahlten viele Unternehmen «weiterhin die höheren Preise, die im Laufe des Jahres 2025 vereinbart wurden». Eine Anfrage an Milka-Hersteller Mondelez blieb unbeantwortet. 

Tafel 70 Prozent teurer als 2020 

In den vergangenen Jahren hat sich Schokolade stark verteuert. Wegen befürchteter Ernteausfälle in Westafrika durch Pflanzenkrankheiten und Extremwetter stieg der ICCO-Tagespreis 2024 zeitweise auf deutlich mehr als 10.000 Euro pro Tonne. Hersteller und Händler gaben die gestiegenen Rohstoffkosten an Kunden weiter. Laut Statistischem Bundesamt war eine Tafel Schokolade im Januar 70 Prozent teurer als 2020, Riegel und andere Schokoladenerzeugnisse 75 Prozent. 

Die höheren Preise schrecken Verbraucher ab, sie griffen zuletzt seltener zu Schokolade. Laut einer YouGov-Umfrage isst jeder Zweite deutlich oder etwas weniger als vor zwei Jahren, 39 Prozent etwa gleich viel, nur fünf Prozent mehr. 

Saison-Geschäft leidet besonders 

Die Hersteller spüren die Kaufzurückhaltung. Ritter Sport schrieb 2025 trotz Umsatzwachstums rote Zahlen. Auch Lindt & Sprüngli steigerte seine Erlöse dank höherer Preise und verkaufte weniger Schokolade. Dennoch machte das Unternehmen mehr Gewinn als im Vorjahr. 

Laut dem Marktforscher NIQ sank die Zahl der verkauften Packungen bei Schokoladenwaren 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent, bei Weihnachtsschokolade hingegen um 12 Prozent. Knapp drei Viertel der Ware wurde im Sonderangebot gekauft - erheblich mehr als im Vorjahr. Im Frühjahr 2025 reagierten Verbraucher ebenfalls spürbar auf die Preissteigerungen. Im Ostergeschäft brach der Absatz bei saisonalen Schokoladenprodukten laut NIQ im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein. 

Auch in diesen Tagen dürften Verbraucher wieder bevorzugt zugreifen, wenn die Produkte im Sonderangebot sind. In der Aktion gibt es den 100-Gramm-Hasen von Lindt derzeit teilweise schon für 2,22 Euro (statt 4,99 Euro), den 45-Gramm-Hasen von Milka für 1,11 Euro (statt 1,89 Euro). 

«Für den Handel bleibt der Schoko-Osterhase ein klassischer Frequenzbringer», sagt Handelsprofessor Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn. Die Marge werde vorübergehend geopfert, um Kunden in den Laden zu ziehen - in der Hoffnung, dass sie dort weitere Produkte kaufen. 

Wie viel darf Schokolade kosten? 

«Marken können hohe Preise verlangen», sagt Kortum. Viele bekannte Hersteller hätten in den vergangenen Jahren bei Schokolade, Kaffee oder Kosmetik überproportional die Preise erhöht. Lindt-Schokolade sei inzwischen teurer als hochwertiges Frischfleisch. Der Handelsexperte sieht einen zunehmenden Wettbewerb der Luxusgüter. «Premium funktioniert, solange der wahrgenommene Mehrwert klar höher ist als bei Alternativen.» 

Philipp Hennerkes, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels, sagt: «Marken wie Lindt haben eine enorme Zugkraft, der Kunde verlangt sie im Supermarkt. Gleichzeitig ist die Preissensibilität weiterhin hoch.» Es werde spannend, wie lange Verbraucher die Preiserhöhungen noch mitmachten.

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