Herbst-SteuerschÀtzung, Milliarden

Herbst-SteuerschÀtzung: Rund 20 Milliarden Euro mehr bis 2030 erwartet

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 10:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die erwarteten SteuerzuwĂ€chse bleiben begrenzt; konkurrierende Vorhaben ĂŒbersteigen die verfĂŒgbaren Bundesmittel deutlich.
Moderne Architektur eines Berliner RegierungsgebÀudes an einem bewölkten Herbsttag. Illustration mit AI erstellt.

Auf einer Pressekonferenz in Berlin um 15.00 Uhr stellt Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) die Ergebnisse der Herbst-SteuerschÀtzung vor. Das zustÀndige Gremium, der Arbeitskreis SteuerschÀtzung, ermittelt zweimal jÀhrlich die voraussichtlichen Einnahmen der staatlichen Ebenen.

Bei den Beratungen in SaarbrĂŒcken, an denen Experten von Bund, LĂ€ndern, Kommunen, der Bundesbank sowie dem SachverstĂ€ndigenrat teilnehmen, wurden die Steuereinnahmen bis 2031 analysiert. Diese SchĂ€tzung bildet eine zentrale Grundlage fĂŒr die Aufstellung des Bundeshaushalts 2027.

Konjunkturelle Aufhellung und Revisionsergebnisse

Nachdem die Experten bei der FrĂŒhjahrsprognose im Mai die Einnahmeerwartungen noch deutlich gesenkt hatten, zeichnet sich eine leichte AufwĂ€rtskorrektur ab. Aus Kreisen von Beteiligten hieß es im Vorfeld, dass die Steuereinnahmen von Bund, LĂ€ndern und Gemeinden bis 2030 um rund 20 Mrd. Euro höher liegen könnten als in der Mai-SchĂ€tzung, wobei finale Abweichungen möglich bleiben.

Als wesentliche Ursache fĂŒr das Plus gilt die verbesserte Konjunkturentwicklung. Die Bundesregierung passte ihre Wachstumsprognose fĂŒr das Jahr 2026 von 0,5 auf 1,3 Prozent an; fĂŒr 2027 wurde die Prognose von 0,9 auf 1,1 Prozent angehoben. Bis Ende 2027 werden bis zu 10 Mrd. Euro an zusĂ€tzlichen Einnahmen erwartet, wenngleich dieser Wert noch nicht offiziell fixiert ist.

Gemessen an der wirtschaftlichen AufwĂ€rtsrevision fĂ€llt das prognostizierte Steuerplus bis 2030 jedoch vergleichsweise schwach aus. Dies fĂŒhren Fachleute darauf zurĂŒck, dass Wirtschaftsinstitute ab dem Jahr 2028 ein geringeres Wachstum prognostizieren und die derzeitige Dynamik stark vom Export getrieben wird.

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Enge Finanzgrenzen des Bundes und Schuldenbremse

FĂŒr den Bundeshaushalt erweitern sich die SpielrĂ€ume durch die neuen Zahlen kaum. Von den fĂŒr 2026 und 2027 erwarteten Mehreinnahmen in Höhe von 18 Mrd. Euro stehen dem Bund lediglich 10 Mrd. Euro zu, wĂ€hrend der restliche Betrag den LĂ€ndern und Kommunen zufließt. FĂŒr das Haushaltsjahr 2027 belaufen sich die Bundes-Mehreinnahmen auf 5 bis 6 Mrd. Euro.

Gleichzeitig greifen die Vorgaben der Schuldenbremse: FĂŒr 2027 sind 2,5 Mrd. Euro weniger Neuverschuldung erlaubt, was vorrangig aus den zusĂ€tzlichen Einnahmen finanziert werden muss. Bei angenommenen Mehreinnahmen von 6 Mrd. Euro verbleiben dem Bund somit effektiv rund 3,5 Mrd. Euro an realem Handlungsspielraum. SPD-Haushaltspolitiker warnten vor diesem Hintergrund vor ĂŒberzogenen Erwartungen an die Herbstprognose.

Konkurrierende Vorhaben und steuerliche Optionen

Trotz der begrenzten Mittel stehen verschiedene politische Maßnahmen zur Debatte. Bundeskanzler Merz stellte in Aussicht, zusĂ€tzliche Mittel vorrangig fĂŒr eine Absenkung der Stromsteuer auf das europĂ€ische Mindestniveau fĂŒr Unternehmen und Privatleute zu nutzen. Nach Angaben von Merz entspreche ein Prozentpunkt zusĂ€tzliches Wirtschaftswachstum Mehreinnahmen von ungefĂ€hr 10 Mrd. Euro.

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Berechnungen der Bundesregierung zufolge wĂŒrde eine Absenkung der Stromsteuer fĂŒr Privathaushalte von 2,05 auf 0,1 Cent pro Kilowattstunde den Bund jedoch rund 5 Mrd. Euro pro Jahr kosten – eine Summe, die den bereinigten Spielraum von 3,5 Mrd. Euro bereits ĂŒbersteigt.

Zudem liegen weitere Optionen vor:
- Bei der Einkommensteuer schlĂ€gt die geplante Reform mit Entlastungen von etwa 1,5 Mrd. Euro zu Buche; ein zusĂ€tzlicher Ausgleich der kalten Progression wĂŒrde Kosten von rund 1,8 Mrd. Euro verursachen und Durchschnittsverdienern etwa 100 Euro Entlastung bringen.
- Beim Kindergeld sind nach bisherigen PlÀnen 267 Euro im Jahr 2027 sowie ab 2028 monatlich 272 Euro pro Kind vorgesehen.

Eine zusĂ€tzliche Anhebung um 10 Euro pro Monat wĂŒrde jĂ€hrliche Kosten von rund 2,1 Mrd. Euro nach sich ziehen.
- Eine RĂŒcknahme geplanter KĂŒrzungen bei Elterngeld, Wohngeld, Unterhaltsvorschuss und dem Kindersofortzuschlag beliefe sich auf rund 1,5 Mrd. Euro.

In der Gesamtheit wĂŒrden diese Maßnahmen ein Finanzvolumen von rund 10,4 Mrd. Euro beanspruchen. Angesichts von maximal 6 Mrd. Euro an Bundesmehreinnahmen wird deutlich, dass eine zeitgleiche Umsetzung aller Vorhaben rechnerisch ausgeschlossen ist.

Mehr zum Thema bei Handelsblatt: „SteuerschĂ€tzung: 20 Milliarden mehr – aber kein Spielraum fĂŒr Steuersenkungen“

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